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Der Zelt-Klassiker aus dem Herzen von Zürich

Von Liliane Minor. Aktualisiert am 02.08.2010 10 Kommentare

Mitten in Zürich werden seit 75 Jahren Zelte produziert: Von der Firma Spatz. Nach harten Jahren ist der Erfolg zurückgekehrt.

Klassisch und unverwüstbar: Die Zelte der Firma Spatz.

Klassisch und unverwüstbar: Die Zelte der Firma Spatz.
Bild: zvg

Generationen von Pfadi haben sich darin Nächte um die Ohren geschlagen, selig schnarchend, von Heimweh geplagt oder mit dem Kopf voller Flausen. Und noch immer gehört es zur Standardausrüstung von Jugendgruppen in der ganzen Schweiz. Die Rede ist vom Spatz-Gruppenzelt, auch liebevoll-respektlos «Achterkahn» genannt. Das legendäre beigefarbene, schwere und unverwüstliche Baumwollzelt wird mitten in Zürich hergestellt, in einem alten Haus im Kreis 7. Rund 400 Stück werden jedes Jahr verkauft.

Sieben verschiedene Zelttypen fabrizieren die Spatz-Näherinnen in Zürich, vom «Achterkahn» bis zum kleinen Zweierzelt. Allen ist eines gemeinsam: Sie sind aus Baumwolle. Das ist einigermassen anachronistisch in einer Zeit, in der Zelte dank Kunstfaserstoffen immer leichter werden. Bei Spatz aber hält man eisern und mit Herzblut an der Baumwolle fest. «Baumwolle ist im Gegensatz zu Kunstfasern luftdurchlässig. Das hat den Vorteil, dass sich im Zelt kein Kondenswasser bildet und es auch deutlich weniger heiss wird darin», erklärt Spatz-Mitbesitzer Felix Rennhard.

Spatz-Gründer war ein Tüftler

Genauso altmodisch wie die Zelte sind auch die Spatz-Schlafsäcke. Nichts da mit Mumienform. Diese Schlafsäcke sind rechteckig, sehen aus wie einmal gefaltete Duvets. Und sie bestehen, natürlich, aus Baumwolle.

Auch wer das Spatz-Verkaufsgeschäft zwei Stockwerke unter dem Nähatelier betritt, wähnt sich Jahre zurückversetzt, obwohl neben den Eigenprodukten auch modernste Hightech-Ausrüstung und Leichtzelte anderer Hersteller feilgeboten werden. Der Laden ist eng, vollgepfropft und verzichtet auf modischen Firlefanz. Was irgendwie zu den hauseigenen Zelten und Schlafsäcken passt.

Qualität darf kosten

Erstaunlicherweise hat Spatz damit Erfolg. Das liegt auch daran, dass Spatz mittlerweile eine Nische für sich allein hat; solche Zelte und Schlafsäcke produziert sonst niemand mehr. Die Firma lockt Kunden aus der ganzen Schweiz an. Vor allem an der Goldküste habe man einen soliden Kundenstamm, sagt Rennhard: «Das sind Leute, die Qualität wollen. Das Geld spielt weniger eine Rolle.» Selbst in der Krise machte Spatz Gewinn.

Das war nicht immer so. Mitte der 90er-Jahre schrieb man zwei Jahre hintereinander rote Zahlen. Woran das lag? Möglich, dass sich die Konkurrenz neuerer, schickerer Outdoorläden bemerkbar machte. Rennhard zuckt die Schultern: «Wir haben wohl ein wenig geschlafen damals.» Der Firma war die Innovationskraft abhandengekommen.

Der Erfinder des Doppelwandzelts

Dabei hatte sich der 1999 verstorbene Spatz-Gründer Hans Behrmann als Tüftler und Erfinder einen Namen gemacht. Er war es, der das Doppelwandzelt erfand. Er kam auf die Idee, den Zeltboden ans Innenzelt zu nähen – endlich lief bei Regen kein Wasser mehr ins Zelt, und man schlief vor Mücken geschützt. Er entwickelte ein geniales Teil, das heute an fast jedem Zelt zu finden ist: den Dreilochspanner, ein simples kleines Plättchen mit drei Löchern, mit dem sich Zeltschnüre spannen lassen. Und Behrmann war Anfang der 70er-Jahre der Erste, der ein Kuppelzelt baute.

Aber während andere Firmen die Kuppelform aufnahmen und weiterentwickelten, gab Spatz sie wieder auf. Weshalb, weiss Rennhard nicht.

Eine kleine Revolution

Nach Behrmanns Tod gelang der Firma, die heute den Mitarbeitern gehört, die Wende, indem sie das Angebot an Zelten anderer Hersteller massiv ausbaute. Heute hat Spatz mit über 50 verschiedenen Zelten in allen Grössen und Formen die landesweit grösste Auswahl. Zu einem wichtigen Standbein wurden in den letzten Jahren zudem Sonderanfertigungen wie Sonnensegel und Festzelte. Und auf nächstes Jahr kündet Rennhard sogar eine kleine Revolution an: Spatz will neu ein eigenes Kuppel- und ein Tunnelzelt anbieten. Aus Baumwolle, woraus sonst. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.08.2010, 22:02 Uhr

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10 Kommentare

Heinz Hürzeler

02.08.2010, 22:19 Uhr
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Ich habe ein Spatz Zelt von meinem Vater geerbt. Das gute Stück ist bald 40 Jahre alt und immer noch im Einsatz. So gesehen, lohnt sich die Investition, auch wenn ein Spatz Zelt teurer ist, als so manches High-Tech Zelt. Wenn das Gewicht keine Rolle spielt, ist das Spatz Zelt die beste Wahl. Wenn andere Zelte sich zur Saune entwickeln, bleibts in meinem Zelt noch kühl genug um zu schlafen. Antworten


Mathias Berger

03.08.2010, 00:29 Uhr
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Einmal Spatz, immer Spatz. Auch wenn internationale Zeltbauer mit grossen Namen gute Produkte liefern, mit diesem beigen Baumwollzelt kampiert man einfach am angenehmer, als in Kunststoff. Es ist aber schwerer im Transport. Antworten



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