Der alltägliche Kleinkrieg auf der Strasse
Von Simon Eppenberger. Aktualisiert am 01.09.2011 157 Kommentare
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Ein Bericht über die verwirrende Situation für Velofahrer bei der Schmiede Wiedikon löste auf Tagesanzeiger.ch eine hitzig Debatte über das Verhalten von Velo- und Autofahrern in der Stadt Zürich aus. Daran haben sich auch Fussgänger beteiligt, welche die Velofraktion scharf dafür kritisieren, im grossen Stil die Trottoirs zu benützen. Diese wiederum gibt den Ball weiter an die Autolenker, welche ihr keinen Platz lassen würden.
Den Streit nahm Tagesanzeiger.ch zum Anlass, an der Langstrasse im Kreis 5 und an der Theater-/Seefeldstrasse im Kreis 8 jeweils eine halbe Stunde lang den Verkehr zu beobachten. Dabei ging es darum zu sehen, wie sich der Verkehr an einem Vormittag durch die Stadt bewegt. Gezählt wurde, wie oft Velos auf das Trottoir oder in die Strassenmitte ausweichen, wie lange die Velostreifen blockiert sind und wie oft Autofahrer die Velolenker abdrängen. Die Zahlen nach total einer Stunde:
- 25 Minuten 25 Sekunden lang blockierten Autos die Velostreifen
- 33 Velolenker fuhren auf dem Trottoir
- 4 Velofahrer wurden beinahe von Autofahrern angefahren
Zwei Drittel der Zeit kein Durchkommen
An der Langstrasse ist die Situation prekär. Innerhalb von 30 Minuten standen oder fuhren Autos, Lastwagen und Busse während 19 Minuten und 40 Sekunden auf den ohnehin schmalen, grauen Velostreifen. Vier weitere Autos drängten Velofahrer ab beziehungsweise touchierten sie beinahe.
Doch die Automobilisten sind nicht allein verantwortlich für die Blockade der Velowege. Mit ein Grund sind die engen Platzverhältnisse an der Langstrasse. Während sich Autos zwar einigermassen korrekt durch die Verkehrsader im Kreis 5 schlängeln könnten, haben die VBZ-Busse und Lastwagen kaum den Raum, um an den anderen Verkehrsteilnehmern flüssig vorbeizukommen. Deshalb benutzen und blockieren sie die Velostreifen.
Von Anfang an auf dem Trottoir
Viele Leser machen geltend, die Fahrweise der Autolenker zwinge sie, das Trottoir zu benutzen. Vor Ort zeigte sich, dass die meisten Velofahrer Hindernisse umfahren. War der Velostreifen «besetzt», wichen zehn in die Mitte aus, 21 fuhren auf dem Trottoir.
Gut ein Dutzend der Velofahrer wechselte dabei nicht erst bei Gefahr auf den Gehweg, sondern wählte von Anfang an das Trottoir. «Das mache ich immer so, auf der Strasse fühle ich mich viel zu unsicher», sagte eine Velofahrerin, die in der Nähe der Langstrasse arbeitet.
In einigen Fällen provozierten die Velolenker brenzlige Situationen. Ein Mann überholte auf seinem Rad einen Kinderwagen, und eine Frau fuhr einen Mann beinahe von hinten an, als dieser stehen blieb. Korrekt neben ihrem Rad gingen vier Velobesitzer.
Velos behindern Velos
Ganz anders sieht die Situation an der Theater-/Seefeldstrasse im Kreis 8 aus. Statt eines unscheinbaren grauen Bands gibt es dort für die Velofahrer einen gelben Streifen und ein Lichtsignal an der Kreuzung. Trotzdem kam es im Minutentakt zu Konfliktsituationen. Die Autofahrer standen regelmässig so nahe beim Trottoir, dass es für Velos ebenfalls kein legales Vorwärtskommen gab.
An dieser Kreuzung verhielten sich die Autofahrer sehr unterschiedlich. Während die LKW-Lenker aus Platzgründen auf den Velostreifen fahren mussten, gab es unzählige Autolenker, die den Velostreifen nicht beachteten und ihren Wagen sehr nahe an den rechten Fahrbahnrand steuerten. Anders als auf der Langstrasse wurde an dieser Stelle im Kreis 8 der Velostreifen allerdings viel weniger lange blockiert. Innerhalb einer halben Stunde standen die Autos 5 Minuten 45 Sekunden im Weg.
Verschärft wird die Lage ausgerechnet durch Zweiräder. Weil vor dem Lichtsignal ein Veloständer eingerichtet wurde, ragen Räder und Lenker der abgestellten Velos bis in die Strasse hinein. Dadurch wird der Platz zwischen Autos und Fahrbahnrand noch enger.
Rotlicht überfahren
Auch deshalb bahnten sich fünf Velofahrer ihren Weg links an der Kolonne vorbei Richtung Bellevue. Viele schafften es zwar korrekt an den Autos vorbei, wagten dann aber nicht, die legale Route den Tramgleisen entlang zu nehmen. Stattdessen wählten wie an der Langstrasse die meisten Velolenker das offenbar sicherere Trottoir. Ein Dutzend schlängelte sich durch die Fussgängerzone vor der Migros.
Kaum Beachtung findet das Lichtsignal, das den Velofahrern mit orangefarbenem Blinken signalisiert, wann sie losfahren dürfen. Elf Personen orientierten sich stattdessen am Fussgängersignal. Steht es auf Grün, fahren sie los, obwohl das Velosignal rot leuchtet. Gefährlich wurde es, als eine Velofahrerin korrekt losfuhr, gleichzeitig aber das Tram von hinten nahte. Es hat Vorfahrt, nur die schrille Tramglocke verhinderte die Kollision, die Frau wich aus – auf das Trottoir.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 01.09.2011, 12:20 Uhr
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157 Kommentare
Bin Velo- und Autofahrer...Meine Meinung: Ein Auto hat in der Stadt ebensowenig verloren wie ein Velo auf der Autobahn. Liebe Velofahrer, zerstört euch nicht den (meinen) Ruf und haltet euch an gewisse Regeln. Und liebe Autofahrer, nehmt doch mal, wenn möglich, das Velo anstatt das Auto. Gibt ein gutes Körpergefühl und spart Ärger und Dreck. Antworten
Bin Velofahrer, Fussgänger und Autofahrer in Zürich. Velo fahren ist definitiv das gefährlichste Fortbewegungsmittel in Zürich. Wenn ich die Autofarer beobachte, dann wird erkennbar dass die meisten Autofahrer noch nie auf einem Velo durch Zürich gefahren. Es wird keine Rücksicht auf Velofarer genommen. Normale Vortritte (zB Rechtsvortritt) werden den Velofahrern andauernd verweigert! Antworten

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