Zürich

Der behutsame Chef, der auch durchgreifen muss

Von Benno Gasser. Aktualisiert am 19.11.2011 28 Kommentare

Daniel Leupi schafft den Sprung vom Velo-Politiker zum Polizeivorsteher. Bei der Lindenhof-Räumung hat er Augenmass bewiesen – obwohl er dafür von links und rechts kritisiert wird.

Scheint im Korps viel Rückhalt zu geniessen: Zürichs Grüner Polizeivorsteher Daniel Leupi.

Scheint im Korps viel Rückhalt zu geniessen: Zürichs Grüner Polizeivorsteher Daniel Leupi.
Bild: Reto Oeschger

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Die Geschichte der Occupy-Bewegung in Zürich

Die Geschichte der Occupy-Bewegung in Zürich
Was sich nach dem Vorbild von Occupy Wall Street 2011 am Paradeplatz und im Lindenhof abspielte.

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Zürichs Polizeivorsteher Daniel Leupi wollte eigentlich bereits im August 2010 zurücktreten, wenige Monate nach seinem Amtsantritt. Populärer könne er gar nicht mehr werden, sagte er damals scherzhaft kurz vor Beginn der Fussball-WM. Die Sympathien holte sich der gebürtige Luzerner wegen seines Entscheids, den Ton während Fernsehübertragungen in Gartenbeizen zu erlauben. So grenzte er sich deutlich von seiner Vorgängerin Esther Maurer (SP) ab, die als stur und distanziert galt.

Mittlerweile ist die Sympathiewelle verebbt: Der erste grüne Vorsteher der Stadtpolizei steckt längst im Alltagsgeschäft, wo er öfters verbale Prügel einstecken muss. Allen voran von der SVP. Weil Leupi die Occupy-Aktivisten nicht sofort vom Lindenhof vertreiben liess, forderte die SVP ihn zum Rücktritt auf. Auch FDP-Gemeinderat Marc Bourgeois kritisierte den Polizeivorsteher dafür, dass er das Zeltlager ohne Bewilligung gewähren liess.

Trotzdem stellt ihm Bourgeois ein anständiges Zeugnis aus. Leupi leiste gute Arbeit. Weniger schmeichelhaft bewertet Alecs Recher (AL) Leupis Schaffen. Leupi bemühe sich, auch seine linken Ansichten einzubringen, was aber misslinge. Recher hält es für inakzeptabel, dass die Aktivisten nach der Räumung ein eintägiges Rayonverbot für den Kreis 1 erhielten. Zufrieden zeigt sich Werner Karlen, Präsident des Polizeibeamtenverbandes. Im Korps scheint Leupi viel Rückhalt zu geniessen.

Kritik ist ihm gewiss

Zürichs Polizeivorsteher kann tun, was er will, Kritik aus irgendeiner politischen Ecke ist ihm gewiss. In den letzten Monaten forderten ihn der Bussenstreik, die Partykrawalle und Ausschreitungen von Hooligans. Wie kein anderer seiner Stadtratskollegen stand er im Fokus der Öffentlichkeit. Der Handlungsspielraum des Polizeichefs ist allerdings begrenzt, weil vom Gesetz vorgegeben. Beim Lindenhof reizte ihn Leupi zugunsten der Aktivisten aus – im Glauben, damit die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich zu haben. Seine Einschätzung dürfte zutreffen.

Mit seiner Taktik hat Leupi Augenmass bewiesen. Als er das Camp nach über vier Wochen räumen liess, schmerzte wohl sein linkes, grünes Herz ein wenig. Doch eine andere Wahl blieb ihm nicht, besonders nachdem er ein Ultimatum gestellt hatte. Ansonsten hätte er seine Glaubwürdigkeit verspielt – bei der Bevölkerung und vor allem beim Korps.

Im Gegensatz zu Occupy-Camp-Räumungen in den USA verlief der Einsatz in Zürich friedlich, auch weil die Aktivisten nur passiven Widerstand leisteten, indem sie sich wegtragen liessen. Bei den Verhandlungen mit den Bewegten bemühte sich Leupi sehr darum, möglichst wenig Nähe herzustellen. Als ein Journalist an einer Medienveranstaltung sagte, dass sich Leupi mehrmals mit den «Empörten» getroffen habe, stellte der Polizeivorsteher lautstark klar, dass dies nur einmal der Fall gewesen sei.

Vorgefertigte Floskeln

Das Vorgehen bei der Occupy-Bewegung ist typisch für Leupis Amtsführung. Er bemüht sich stark darum, seine Verhandlungspartner ernst zu nehmen und deren Motive zu verstehen. Dies bescheinigen auch zahlreiche Gemeinderäte aus dem rechten Lager. Einer von Leupis Leitsätzen lautet: Man muss die Betroffenen zu Beteiligten machen. Im Idealfall gelingt es Leupi, diese in eine Lösung einzubinden.

Durch seinen behutsamen Umgang mit Aktivisten dürfte sich Leupi einige Sympathiepunkte geholt haben. Neben dem Verhalten der Polizeibeamten in der Öffentlichkeit prägt auch der Auftritt Leupis das Image der Polizei wesentlich. Und dieser ist beim Grünen Politiker manchmal ziemlich hölzern und blutleer.

Bei Interviews strengt er sich an, seinen politischen Gegnern keine Angriffsfläche zu bieten. Das geht manchmal so weit, dass er auf Nachfragen nicht eingeht und fertig formulierte Sätze absondert – wie im Januar nach der Attacke auf SVP-Nationalrat Hans Fehr im Albisgüetli. Leupi sagte, dass er auf weitere Stellungnahmen verzichte, um das Bekenntnis gegen Gewalt nicht zu verwässern. In solchen Momenten spürt man, wie sehr sich der ehemalige Velo-Politiker bemühen muss, die Rolle des strengen Polizeichefs auszufüllen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.11.2011, 11:55 Uhr

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28 Kommentare

Martin Salander

19.11.2011, 12:44 Uhr
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Leupi erweist sich als völlig ungeeignet für das Amt! Er bevorzugt klar seine ideologischen Freunde von der Gutmenschenfraktion und tolerierte wochenlang wildes Campieren auf öffentlichem Grund. Das ist Rechtsbeugung und Vetterliwirtschaft, das ist einseitige Bevorzugung von Rangruppen, die mit Nötigung und Sachbeschädigung die Normalbürger erpressen. Es ist Zeit für ihn sofort zu abzudanken! Antworten


Rolf Benz

19.11.2011, 14:19 Uhr
Melden 33 Empfehlung

Leupi ist kein Departementsvorsteher, sondern einfach nur ein Politiker. Dies hat er bei seinem Entscheid bei der Occupy Bewegung bewiesen. Das ihm in diesem Artikel zugesprochene Augenmass hat Leupi nur, wenn er damit bei seinen Wählern punkten kann. Entscheide die zugunsten der Stadt sind, aber nicht populär sitzt er aus und beauftragt externe Spezialisten, wie beim Polizistenstreik. Antworten



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