Zürich
Der grösste Velokeller Zürichs
Von Felix Schindler. Aktualisiert am 09.09.2010
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Cannondale, Scott, Specialized, BMC, Stöckli und MTB Cycletech: Velos dieser Marke kauft man nicht einfach so im Warenhaus, sondern man geht dafür in ein Fachgeschäft, sucht es sorgfältig aus und lässt sich den Spass einen Haufen Geld kosten. Die Fahrräder, von denen wir sprechen, sind mit Federgabeln, Scheibenbremsen und mit Komponenten erster Güte ausgerüstet. Auch ein Klassiker der einstigen Zürcher Rahmenschmiede Caminada ist dazwischen eingepfercht. Jedes dieser Velos hat irgendwann mehrere Tausend Franken gekostet – heute gehören sie niemandem mehr.
550 Velos werden bald versteigert
Manche werden geklaut und vom Dieb irgendwo abgestellt – und manche gehen einfach vergessen. Die Besitzer haben sich offenbar nicht die Mühe gemacht haben, den Verlust der Polizei zu melden – oder haben es noch gar nicht bemerkt, dass ihr Velo abhanden gekommen ist.
Sie stehen zurzeit in einer Halle unter der Kornhausbrücke und warten mit über 500 anderen Fahrrädern darauf, am 2. Oktober an einer Versteigerung unter den Hammer zu kommen. Sie bilden quasi die Schatzkammer der Veloordnung, einer städtischen Abteilung, die herrenlosen Velos in der Stadt einsammelt und wieder herrichten lässt. Bevor sie in die Schatzkammer kommen, warten sie ein Jahr darauf, dass sich ihr Besitzer meldet. 600 Velos befinden sich jetzt in dieser Durchgangsphase und sind im Lager der Veloordnung bis unter die Decke gestapelt. Über 20'000 Velos hat die Veloordnung schon eingesammelt, aufgepeppt und versteigert oder an Hilfsprojekte verschenkt.
Viele wissen nicht, ob sie ein Damen- oder Herrenvelo vermissen
Das wertvollste Velo, dass so einen neuen Besitzer gefunden hat, das teuerste Velo, das jemals in dieser Halle stand, soll einen Wert von 12'000 Franken gehabt haben. Ein Rennvelo, ganz aus Carbon, mit Komponenten ausgerüstet, die sogar Fabian Cancellara glücklich gemacht hätten.
Der Herr über diese Velos will seinen Namen nicht in den Medien lesen: «Sonst krieg ich Anrufe von allen Leuten, denen irgendwann ein Velo abhanden gekommen ist», sagt er. Und macht auch gleich klar, dass er schon einiges erlebt hat. «Hier rufen dauernd Leute an, die nicht mal wissen, ob sie ein Damen- oder Herrenvelo vermissen.» Auch die Marke ihres Velos ist vielen nicht bekannt, geschweige denn die Rahmennummer. Einzig die Farbe kennt fast jeder.
Ein paar unverkennbare Details brauchen die Leute der Veloordnung trotzdem, um das Gefährt aus der schieren Menge der Fahrräder identifizieren zu können. Ist diese Hürde überwunden, muss der Besitzer noch beweisen können, dass ihm das Fahrrad auch wirklich gehört. Mit dem Beleg der Velovignette oder einem passenden Schlüssel. Und weil das selten gelingt, finden nur 8 von 100 Fahrrädern wieder zu ihrem Besitzer zurück. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 09.09.2010, 11:25 Uhr




