Zürich

«Der klassische Dandy hat nie Geld»

Von Sarah Stähli. Aktualisiert am 14.06.2009 1 Kommentar

Ein Dandy muss ein Freigeist sein mit einer Prise Eitelkeit. So wie der Zürcher Oliver Schramm. Er hat das «Dandy Magazine» ins Leben gerufen.

Privat ein Dandy, im Beruf Forscher im Wald: Oliver Schramm.

Privat ein Dandy, im Beruf Forscher im Wald: Oliver Schramm.

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Das «Dandy Magazine» ist für 5 Franken im El Lokal, in der Bar 63 und in der Buchhandlung Sec 52 erhältlich oder kann unter www.dandymagazine.ch online bestellt werden.

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Herr Schramm, welche Seiten des Dandys verkörpern Sie?
In meiner Einstellung würde ich mich als Dandy bezeichnen, von der Kleidung her bin ich es nicht jeden Tag. Freiheit im Denken ist dem Dandy ein grosses Anliegen. Ich gehöre dem Syndikat Cycling Dandys Zürich an, früher nannten wir uns East of Sweden. Wir machten schräge Musik, Filme und Strassenperformances. Das brauchte viel Mut, weil wir uns gegen Konventionen aufgelehnt haben.

Cycling Dandys?
Wir sind eine Radsportgruppe. Wir organisieren seit fünf Jahren das «Bergzeitfahren» auf die Buchenegg. Früher illegal, heute – leider – legal. Auch wir heben uns durch unseren Stil von den anderen ab: Wir fahren in eigens für uns produzierten Wolltrikots, dazu tragen wir Seidenfoulards.

Was macht denn einen guten Dandy aus?
Für viele definiert sich ein Dandy nur über die Kleidung. Ein Dandy zeichnet sich aber vor allem dadurch aus, dass er ein Freigeist ist, ein Querdenker, ein Revolutionär. Eine bisschen Eitelkeit gehört sicher auch dazu. Ein klassischer Dandy hat nie Geld, aber es ist ihm wichtig, ein komfortables Leben zu führen. Er geht seine eigenen Wege, sei es in der Kunst, im Leben oder in der Liebe. Che Guevara zum Beispiel war ein Dandy. Er ist im Gegensatz zu Fidel Castro nicht stehen geblieben und hat an den Dingen festgehalten, die ihm wichtig waren. Es gibt auch schwarze Dandys: Muhammad Ali, und weibliche: Janis Joplin.

Welche Dandys leben in Zürich?
Dieter Meier (Yello) ist beispielsweise ein Dandy. Er legt viel Wert auf seine Garderobe und einen guten Lebensstil. In Zürich gibt es einige, die ich als Dandys bezeichnen würde: Viktor Bänziger vom El Lokal, der seit zwanzig Jahren sein Ding durchzieht und nicht reich damit wird; Bruno Strüby, der mit seinem Label Brun Dandyfashion fabriziert; oder Rams von der Band The Bucks, weil er bis heute dem Punk treu geblieben ist. Es gibt viele Dandys, die gar nicht wissen, dass sie Dandys sind.

Sie schreiben in Ihrem Magazin, dass Sie Trivialität bekämpfen wollen. Inwiefern?
Die Presselandschaft ist relativ öde. Die Medien sind den Marktgesetzen unterworfen, sie müssen sich verkaufen und die Massen ansprechen. Und Massenkompatibilität ist leider Gottes meistens trivial. Im «Dandy Magazine» dürfen die Autoren Thema, Form und Stil des Artikels völlig frei wählen, so versuchen wir, Trivialität zu umgehen.

Viele der Autoren schreiben unter einem Pseudonym. Weshalb?
Teilweise sind sie gebunden. Wir haben zum Beispiel einen Journalisten, der für ein grosses deutsches Magazin schreibt, er ist vertraglich verpflichtet, nur dafür zu schreiben. Andere Autoren haben Angst um ihren Ruf. Bei uns können sie sich anonym austoben.

Im Editorial bezeichnen Sie das «Dandy Magazine» als flamboyante Zeitverschwendung.
Das Heft ist nicht ganz ernst gemeint. Schon früher mit East of Sweden haben wir immer alles mit einem Augenzwinkern gemacht. Das mussten wir auch, weil wir nie Perfektion erreicht haben und es sogar peinlich gewesen wäre, wenn wir uns und unsere Konzerte ernst genommen hätten. Für mich gehört das ironisch Gebrochene zum Dandy dazu.

Wo sehen Sie das Heft in fünf Jahren?
So weit denkt ein Dandy nicht. Und wie es sich für einen Dandy gehört, will ich mit dem Magazin auch kein Geld verdienen.

Was macht Oliver Schramm, wenn er sich nicht dem Dandyismus widmet?
Ich arbeite für die Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft und erhebe Daten zum Zustand des Waldes. Bei meiner Arbeit laufe ich, ganz undandyhaft, wie ein Förster herum, in grossen, derben Schuhe, im Winter oft in Schneeschuhen. Für mich ist das der ideale Ausgleich. Ich arbeite am liebsten allein. Bei der Arbeit kann ich nachdenken, an den abgelegenen Orten der Schweiz, fernab von allem, kommen mir die besten Ideen.

Mit Oliver Schramm sprach Sarah Stähli

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.06.2009, 22:36 Uhr

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1 Kommentar

Tobias Michael Frey

16.06.2009, 00:31 Uhr
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ein dandy ist freigeist, querdenker, revolutionär und tobt sich dann journalistisch anonym aus, weil er angst um seinen ruf hat ...?!? und ein dandy hat nie geld, weshalb der millionen(-erben)-schwere dieter yello meier ganz klar dazu gezählt werden muss ... !?! dieser (gescheiterte) versuch einer definition beweist, dass (möchtegern-)dandies ein sinnloses vakuum und eine reine kopfgeburt sind! Antworten


Frank Bischof

21.08.2009, 01:12 Uhr
Melden

Der Drang zur Selbstdarstellung nimmt seltsame Formen an. Ein Dandy mit dem Gesicht eines nonstop Bier trinkenden osteuropäischen Akkordmaurers, ein Dandy im Sessel, der eher wie, The Butcher, der Mann fürs Grobe von Al Capone aussieht, dazu noch eine Showaddywaddy-Kotelette, mit karierten Hosen. Der Junge vom Showbiz hat wenigstens eine anständige Körperhaltung. Dandys aus Zürich - Gag oder ? Antworten



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