Der kleine Feleng hofft auf Hilfe in Zürich

Der sechsjährige Feleng hat seit einem Brandunfall ein Loch im Kopf. Weil man ihm in Südafrika nicht helfen kann, soll er im Zürcher Universitätsspital operiert werden.

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Der Portier kündigt eine Frau mit Kind an, die ihre Geschichte erzählen will. Kurz darauf wirbelt Feleng durch die Redaktionsräume des «Tages-Anzeigers». Er rennt von Büro zu Büro, ruft atemlos «Hi!», «Who are you?», «Hi!», schnappt sich die Hörer, wenn das Telefon klingelt und sagt mit hohem Stimmlein «Hello?». Er stellt Ventilatoren an und ab, nimmt Bostitche und Locher auseinander und fragt «what is this?», «what is this?», «what is this?». Und er will unbedingt Lift fahren.

Feleng ist so schnell, dass man im ersten Moment die Narben in seinem Gesicht und die offene Stelle am Kopf kaum wahrnimmt. Dann sieht man sie, erschrickt kurz, und blendet sie wieder aus. Feleng Mahamotse war einen Monat alt, als die Baracke, in der er in einem Vorort von Johannesburg schlief, Feuer fing. Dank diversen Operationen hat er wieder Augenlider und eine halbe Nase. Doch das Loch im Kopf ist ihm geblieben. Weil die Ärzte in Südafrika das Loch nicht reparieren können, ist Bronwen Jones mit Feleng nach Zürich gereist.

Die Engländerin lebt mit 18 schwer verbrannten Kindern - «my kids» - in Gauteng bei Johannesburg. Viele dieser Kinder wurden nach den Unfällen von ihren Eltern verlassen, wie auch Feleng. Jones setzt sich für ihre medizinische Hilfe und psychologische Betreuung ein, gibt ihnen ein Zuhause und Schulbildung. «Die Leute haben grosse Vorurteile und denken, hässliche Kinder seien automatisch dumm.» Weil schwer verbrannte Kinder nicht an öffentliche Schulen zugelassen werden, beschäftigt Jones neben einem Assistenten und einer Haushaltshilfe auch drei Lehrer.

15 000 Kinder mit Verbrennungen

Seit der Gründung ihrer Organisation «Children of Fire» vor zehn Jahren hat sie 250 Kinder durch komplizierte Operationen begleitet. Jedes Jahr erleiden 15 000 südafrikanische Kinder Verbrennungsunfälle. Oft trifft es die Ärmsten, die in Holzhütten ohne Strom und Wasser leben, wo mit Paraffin oder Kerosin geheizt und gekocht wird. Jones steht nicht nur den «Feuerkindern» zur Seite, sie setzt sich auch ein für ein sichereres Umfeld ihrer Brüder und Schwestern. Zusammen mit der lokalen Ambulanz bildet ihr Hilfswerk Jugendliche zu Nothelfern aus, die in ihren Slums auch Aufklärungsarbeit leisten.

Jones ist Ingenieurgeologin und lebt seit 18 Jahren in Südafrika. Die Buchautorin, Journalistin und Menschenrechtlerin ist über eine Kurzmeldung in einer lokalen Zeitung zu ihrer Berufung gekommen. 1995 las sie von einem kleinen Mädchen, das bei einem Brand Hände und Gesicht verloren hatte. Sie besuchte das sechs Monate alte Waisenkind Dorah Mokoena und war schockiert, dass ihr niemand helfen wollte. Jede Woche ging sie bei Dorah vorbei, und als es hiess, man werde ihr die Augen entfernen, weil das Wechseln der Gazen zu schmerzhaft und teuer sei, begann Jones für Dorah zu kämpfen. Das Spital gab ihr eine Woche, um eine Lösung zu finden.

Ein Rennen gegen die Zeit

Jones verfasste einen Artikel für eine Lokalzeitung und publizierte diesen auch in der Londoner «Times», für die sie früher gearbeitet hatte. Der Text begann mit den Worten «Ich habe eine Freundin, die Dorah heisst. Man will ihr die Augen herausschneiden.» Der Artikel stiess auf grosse Beachtung und führte dazu, dass Dorah in London mehrfach kostenlos operiert wurde. Heute gehört das wohl am schwersten verbrannte Kind der Welt, das überlebt hat, wie Feleng zu Jones’ Familie.

Über die Geschichte des Russen, der bei einem Bärenangriff sein Gesicht verloren hatte, landete Jones bei ihrer Suche nach einem Arzt für Feleng in der Schweiz. Vergangene Woche war sie mit ihm an den Universitätsspitälern in Zürich und Genf, um über medizinische Möglichkeiten und finanzielle Unterstützung zu sprechen. «Die Ärzte müssen Feleng persönlich kennenlernen, nur so schmelzen sie. Ein Foto berührt niemanden.» Je älter ein Kind werde, desto schwieriger sei das Rennen gegen die Zeit. Wird Feleng bald operiert, wachsen die Rippen nach, mit denen sein Schädel in drei Operationen rekonstruiert werden soll. Am Universitätsspital Zürich wird zurzeit abgeklärt, ob Felengs Operationen über einen Fonds mit finanziert werden können.

Feleng steht am Fenster zur Werdstrasse und ruft immer wieder: «Wow, did you see that fancy car?», «And that one?», «and that one?», «Wow!» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.09.2008, 06:34 Uhr

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