Der kürzeste Weg zur Züri-Fäscht-Toilette

Die Besucher des Züri-Fäscht können mit einer App das nächste WC und ihre Freunde auf dem Festgelände finden. Ganz nebenbei sind sie damit Versuchskaninchen.

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Ein Novum des Züri-Fäscht 2013 ist eine Applikation für die Festbesucher. Sie ist aus einem europäischen Forschungsprojekt entstanden und dient Wissenschaftlern der ETH Zürich, die Besucherströme eines Grossanlasses zu verstehen. «Die App liefert uns beispielsweise Informationen über die Menschendichte um das Seebecken», sagt Ulf Blanke, Forscher der ETH Zürich. Mit diesen anonymen Positionsdaten liesse sich hochrechnen, wie viele Leute tatsächlich anwesend sind und wohin sie sich bewegen. Anhand dieser Schätzung entstehen eingefärbte Karten (in der Box am Beispiel des Wiener Marathon 2012). Damit die Forscher damit arbeiten können, müssten aber erfahrungsgemäss mindestens fünf Prozent der Züri-Fäscht-Besucher die Applikation auf ihr Smartphone laden.

Mit dieser App nehmen die ETH Zürich und das Deutsches Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenzeinen (DFKI) einen zweiten Anlauf, nachdem der erste Versuch nicht die erwünschte Reichweite verzeichnete. Mit einer Panik-App wollten die Forscher gemeinsam mit der Polizei anlässlich des letzten Zürcher Silvesterzaubers mit Handydaten die Bewegung der Massen verfolgen. Der Versuch schlug fehl, denn nur 2700 von 200'000 Besuchern hatten die App geladen.

Mit einem Spiel die Jungen ködern

«Der Nutzen der App war für die Festbesucher damals relativ klein», analysiert Blanke. Anders verhalte es sich mit der Züri-Fäscht-Applikation, ist der Wissenschaftler überzeugt. Die Anwendung biete viele nützliche Informationen wie das Festprogramm, den kürzesten Weg zur nächsten Toilette – was besonders die feiernden Frauen freuen dürfte – oder wo sich der nächste Veloparkplatz befindet. Und mit einem Spiel, bei dem die Nutzer Abzeichen sammeln können, sollen auch die jungen Festbesucher motiviert werden, die App herunterzuladen. Zudem kann die Polizei gezielt Nachrichten publizieren. Sie kann beispielsweise die Empfänger je nach deren Aufenthaltsort bestimmen.

Mit dem integrierten Friendfinder lassen sich zudem Freunde orten. Dieser Dienst funktioniert über das soziale Netzwerk Facebook. Die Festbesucher können ihren Facebook-Freunden anzeigen lassen, wo sie sich befinden. Der Nutzer bestimmt dabei individuell, wie lange sein Standort von einer Person abrufbar ist.

Akku-Fresser stellt automatisch ab

Und ganz nebenbei sammeln die ETH-Forscher ihre Daten: Im Hintergrund der App läuft die Handy-Ortung. Ulf Blanke betont: «Der Datenschutz ist absolut gewährleistet.» Die Software sei so gestaltet, dass die ETH-Mitarbeiter die Facebook-Profile und die Aufenthaltsorte nicht miteinander in Verbindung bringen können. «Zudem werden nur anonymisierte App-Daten für Forschungszwecke gespeichert, die in keiner Verbindung zu Facebook-Daten stehen.»

Weil Lokalisierungsfunktionen regelrechte Akku-Fresser sind, haben die Entwickler die App so ausgestaltet, dass die Smartphones nur auf dem Festgelände geortet werden. Ausserhalb des Areals deaktiviert sich diese Funktion von selbst und bei einem Akku-Stand unter 30 Prozent schaltet sie sich automatisch ab.

Swisscom mit zusätzlichen Antennen

Die Erfahrung zeigt, dass in der Vergangenheit an Grossanlässen wie der Street-Parade oder an Silvester das Mobilfunknetz unter der intensiven Nutzung zusammenbrach. Das bereitet den ETH-Wissenschaftlern aber kein Kopfzerbrechen: Wie die Swisscom auf Anfrage mitteilt, werden am Züri-Fäscht zusätzliche mobile Antennen mehr Kapazität schaffen. Die Antennen, die sich in vier Containern befinden, werden direkt ans Glasfasernetz angeschlossen.

Werde das Netz trotzdem überlastet, unterbricht die Applikation der ETH Zürich den Datentransfer für eine gewisse Zeit und speichert die gesammelten Angaben erst mal auf dem Mobiltelefon. «Die Daten sind für uns von Bedeutung, auch wenn sie nicht in Echtzeit übermittelt werden.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 28.06.2013, 11:15 Uhr)

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Menschenströme am Wiener Marathon 2012

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