Der schleichende Tod der Silberkugel

Der Schweizer Fastfood-Pionier wird immer kleiner. Heute schliesst die Filiale an der Stampfenbachstrasse. Nach dem anstehenden Umbau ist die Miete zu teuer. Doch der Eigentümer kämpft weiter.

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Heute um 14 Uhr schliesst nach rund 40 Jahren das Silberkugel-Restaurant an der Stampfenbachstrasse. Es ist die fünfte Filiale, die innerhalb der letzten zehn Jahre schliessen musste. Laut Silberkugel-Inhaber René Wehrli ist die Schliessung auf unerfüllbare Forderungen der Vermieterin PSP Swiss Property AG zurückzuführen: «Das Lokal soll umgebaut werden und gleichzeitig wird der Mietzins massiv erhöht.»

Das Phänomen der Seefeldisierung trifft also nicht nur private Mieter, sondern immer mehr auch Firmen. Im Fall der Silberkugel rechnet Wehrli mit Renovationskosten von rund einer Million Franken. «Das können wir uns nur leisten, wenn die Miete stimmt.» Die Schliessung sei deshalb nur temporär. Wehrli ist zuversichtlich, dass die Verhandlungen mit der Vermieterin weitergehen und zu seinen Gunsten ausfallen. Dies obwohl das 217-Quadratmeter-Lokal inzwischen auf Homegate ausgeschrieben ist. Die Vermieterin wollte dazu auf Anfrage keine Stellung nehmen.

Lange vor McDonald's

Die Silberkugel wurde 1962 – 14 Jahre vor der ersten McDonald's-Filiale – vom Mövenpick-Gründer Ueli Prager nach amerikanischem Vorbild eingeführt. Die erste Schweizer Fastfood-Kette hatte zu seinen besten Zeiten zwei Dutzend Ableger – unter anderem auch an Autobahnraststätten.

Vor zehn Jahren wurden die letzten vier Filialen bei Autobahnen an «Cindy's Diner» verkauft. Noch vorher übernahm der ehemalige Mövenpick-Geschäftsführer René Wehrli die Stadtzürcher Filialen. Praktisch im Zweijahres-Rhythmus schlossen die Standorte Shop Ville (heute Hallo), Badenerstrasse (heute Forum), Löwenstrasse (heute Coop Pronto) und Altstetten (heute Asian Dining).

«Die Silberkugel hat Zukunft»

Bei der Schliessung der Altstetter Silberkugel im März 2008 sprach Wehrli noch von Expansion. Dem «Tages-Anzeiger» sagte er, dass ein neuer Standort mit Abend-Kundschaft gesucht werde. Zudem soll ein Franchise-Konzept auch eine schweizweite Expansion ermöglichen. Heute steht Wehrli nach wie vor zu seinen Aussagen: «Ich kann noch immer jedes Wort unterschreiben. Die Silberkugel hat Zukunft.» Die verbliebenen Restaurants seien mittags stets bestens besucht. Das Problem sei der Abend. Weil sich die Lokale ausschliesslich in Büroumgebung befinden, bleiben die Kunden abends aus. Darum sucht Wehrli einen möglichst zentralen Standort.

Die letzten drei Silberkugel-Restaurants befinden sich an der Franklinstrasse in Oerlikon, am Bleicherweg im Kreis 2 und an der Limmatstrasse im Kreis 5. Letzteres wird von Beat Egli betrieben. Auch Egli beklagt sich über zu hohe Mieten, bleibt aber zuversichtlich, dass sein Restaurant überlebt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 23.12.2010, 12:08 Uhr)

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