Der städtische Schularzt sagt dem Burn-out von Lehrern den Kampf an

Von Daniel Schneebeli. Aktualisiert am 30.06.2010

Die Stadt Zürich will ihren ausgebrannten Lehrerinnen und Lehrern besser beistehen – auch zum Wohl der Kinder und der Staatskasse.

«10 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer leiden in der Stadt Zürich an Burn-out-Symptomen»: Daniel Frey, Direktor der Zürcher Schulgesundheitsdienste. (Bild: Keystone )

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Was ist Burn-out?

Beruf soll nicht zu viel Raum einnehmen
Eine wissenschaftliche Definition von Burn-out gibt es nicht. Allgemein akzeptiert ist, dass es drei Kernsymptome gibt: emotionale Erschöpfung, reduzierte Leistungsfähigkeit und Depersonalisierung (keine oder nur negative Gefühle gegenüber Menschen). Letzteres ist bei Lehrern, die mit Kindern zu tun haben, besonders verheerend.

  • Ursachen: Perfektionismus, Vernachlässigung von Hobbys, hohe Erwartungen an sich und die anderen. Schwierige Schüler oder Eltern, Konflikte aller Art, hoher Lärmpegel, Zeitdruck, mangelnde Wertschätzung, zu grosser Veränderungsdruck.

  • Warnsignale: Freude an der Arbeit geht verloren, Beruf nimmt immer mehr Zeit und Raum ein. Versagensängste, Lehrer meiden das Lehrerzimmer, unklare krankheitsbedingte Absenzen, Zuspätkommen, Niedergeschlagenheit.

  • Massnahmen: Mehr Zeit für sich selber nehmen, Probleme angehen, nicht aussitzen, Nein sagen, Ansprüche herunterschrauben, sich besser organisieren, Beratungsangebote annehmen. Einzelkämpfertum vermeiden, Teamkollegen sollen Wertschätzung zeigen, Schulleitungen sollen die Lehrpersonen nicht überfordern, für ein gutes Klima sorgen und das Gespräch suchen.
(sch)

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Wer gibt schon gerne zu, dass er am Ende seiner Kräfte ist? Verbreitet ist das Burn-out auch in den Schulen: Wie der Direktor der Zürcher Schulgesundheitsdienste, Daniel Frey, gestern vor den Medien sagte, leiden in der Stadt Zürich mindestens 10 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer an Burn-out-Symptomen – konservativ geschätzt. In aktuellen Untersuchungen ist teilweise gar von bis zu 30 Prozent ausgebrannten Lehrpersonen die Rede. Bei 10 Prozent Betroffenen leiden allein in der Stadt Zürich gegen 300 Lehr- oder Betreuungspersonen unter Burn-out. Sie sind für rund 5000 Kinder und Jugendliche verantwortlich.

Vollständig arbeitsunfähig

Wie aktuell das Thema ist, hat Frey in Workshops zur Burn-out-Prävention gemerkt, an denen über 300 Lehrerinnen und Lehrer teilgenommen haben. Der Informationsbedarf sei sehr gross gewesen. Aus diesem Grund hat er eine neue Burn-out-Broschüre in alle städtischen Schulhäuser verschickt unter dem Motto «Vorbeugen ist besser als heilen».

Kommt hinzu, dass in den ganz schwierigen Burn-out-Fällen gar keine Heilung mehr möglich ist. Gemäss Frey sind zwischen 2000 und 2005 in Zürich 65 Lehrpersonen vollständig arbeitsunfähig und teilweise deutlich vor dem Pensionsalter zu IV-Fällen geworden. Dadurch seien über 650 Arbeitsjahre verloren gegangen, was die Allgemeinheit rund 40 Millionen Franken gekostet hat. Allerdings, so Frey, sei nur ein Teil der 65 Fälle auf Burn-out zurückzuführen. Wie viele, ist nicht genau eruierbar.

Lehrpersonen holen spät Hilfe

Frey will auch mit dem Vorurteil aufräumen, dass hohe Belastung mit Burn-out gleichgesetzt werden kann: «Heute sind hohe Belastungen im Beruf fast normal. Und viele bleiben dabei zufrieden und leistungsfähig.»

Der Mediziner kann nicht sagen, ob die die Burn-out-Fälle unter Lehrpersonen häufiger geworden sind. Sicher sei aber die Belastung durch Reformen gestiegen, und Veränderungen im Schulalltag könnten Lehrpersonen verunsichern und am Ende zu Burn-out führen. Lehrpersonen neigten im Vergleich mit anderen Berufsleuten zudem dazu, bei emotionalen Erschöpfungszuständen lange weiterzuarbeiten, ohne Hilfe zu holen. Dies mache die Heilung besonders aufwendig – und verzögere den Wiedereintritt in den Schuldienst. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.06.2010, 13:21 Uhr

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