Der zweite Korb für Filippo Leutenegger
Nach wie vor nur Mitläufer: Leutenegger beim Sechseläuten-Umzug im April 2009 mit der Zunft Schneidern. (Bild: Keystone )
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Was im Zunfthaus zum Königstuhl am Montagabend hinter verschlossenen Türen passierte, ist Geheimsache – und wohl einzigartig. Da hat eine der vornehmsten Zünfte einem der prominentesten Zürcher die Aufnahme verweigert. Noch pikanter: Die 1336 gegründete Zunft berief extra eine ausserordentliche Versammlung ein – was äusserst selten ist –, um das Missgeschick vom Martini-Hauptbott im November zu korrigieren. An dieser Hauptjahresversammlung kamen drei jüngere Mitglieder zu spät, und Filippo Leutenegger verpasste in geheimer Wahl das notwendige Dreiviertelquorum um eine einzige Stimme. Am letzten Montag, eine Woche vor dem Sechseläuten, hats wiederum ganz knapp nicht gereicht.
Neunmal war Leutenegger schon als Ehrengast dabei, nun findet das Sechseläuten zum ersten Mal seit 2002 ohne ihn statt. Da ist zwar nur eine kleine Welt betrübt. Die Hintergründe sind dennoch brisant. Denn Leutenegger wäre neben SVP-Nationalrat Peter Spuhler das prominenteste Mitglied der Zunft geworden. Die Ursachenforschung für die Wahlniederlage ist schwierig, weil Zünfter sehr loyal und verschwiegen sind. Leutenegger selbst gibt keine Auskunft, und Zunftmeister Jörg Zulauf legte gestern nach fünf Sekunden das Telefon auf.
Jugendsünde als Killerargument
Dabei hat sich Leutenegger die Aufnahme nicht leicht gemacht. Seit 2002 ist er regelmässig als Ehrengast dabei, beim ersten Mal wurde er als Chefredaktor des Schweizer Fernsehens eingeladen. Vor der Kür zum Zünfter musste er die wichtigen Zunftmitglieder mehrfach einladen und bekochen. Doch alles nützte nichts, Leutenegger ist für die Zunft zur Schneidern zu wenig stramm. Beim entscheidenden, konservativsten Viertel der Zunft kam seine Vergangenheit als Anti-AKW-Aktivist schlecht an – auch wenn er heute als rechtester FDP-Nationalrat gilt und in Sachen AKW die gängige FDP-Meinung vertritt. Als 25-Jähriger hatte Leutenegger gegen das AKW Gösgen demonstriert.
Im November nannte Zunftmeister Zulauf für die Nichtwahl zumindest einen technischen Grund: Der Zunftsaal habe beschränkte Platzverhältnisse. Schlecht angekommen ist seither auch, dass die erste Nichtwahl überhaupt bekannt wurde und prompt für viel Häme – vor allem bei Nichtzünftern – sorgte. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 09.04.2011, 13:14 Uhr






