Zürich
Deutsche Zuzüger seien gut für Zürich, sagt die Regierung
Von Daniel Schneebeli. Aktualisiert am 12.03.2010
Deutsche in Zürich
- 331'000 Ausländer im Kanton Zürich
- Deutsche bleiben zwei Jahre in Zürich
- Viermal mehr hochqualifizierte Ausländerinnen ohne Kinder
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Zwischen 1998 und 2008 ist die Bevölkerung im Kanton Zürich um 140 000 Einwohner angestiegen (Grafik). Das entspricht einem hohen Wachstum von 12 Prozent. Die Polemiken, die deshalb in den letzten Monaten entstanden sind, haben die CVP-Kantonsräte Christoph Holenstein und Jean-Philippe Pinto veranlasst, zur «Versachlichung der Diskussionen» die Regierung nach den Gründen und Folgen dieser Entwicklung zu fragen.
Standort Zürich wird gestärkt
In seiner gestern veröffentlichten Antwort legt der Regierungsrat dar, dass nur ein Fünftel des Wachstums auf den Geburtenüberschuss der ansässigen Bevölkerung zurückzuführen ist. Der Rest der neuen Einwohner sind Zugewanderte – fast ausschliesslich aus dem Ausland. Im Unterschied zu früher kommen die neuen aber nicht aus dem Balkan oder aus der Dritten Welt, sondern aus Nordeuropa «mit einem starken Schwerpunkt Deutschland», wie der Regierungsrat schreibt. Diese Zuwanderer sind mehrheitlich hochqualifiziert und haben einen Hochschulabschluss. Die zugewanderten Deutschen bringen dem Kanton über Steuern, Abgaben und Gebühren mutmasslich mehr Geld ein, als sie ihn finanziell belasten. Besonders im Bildungssystem verursachen sie dem Staat wenig Kosten, da die meisten fertig ausgebildet einwandern. Zudem ist deren Risiko, von der Sozialhilfe abhängig zu werden, vergleichsweise klein. Nur gerade ein Fünftel der ausländischen Sozialhilfebezüger stammt gemäss Regierungsrat aus den EU- und Efta-Staaten.
Die starke Zuwanderung von gut ausgebildeten Deutschen ist für den Regierungsrat Beleg für die hohe Attraktivität des Wirtschafts- und Lebensraums Zürich. Die hochqualifizierten Einwanderer stärkten die Innovationskraft und die internationale Konkurrenzfähigkeit Zürichs. Es sei zwar nicht auszuschliessen, dass durch sie die Löhne unter Druck kämen und die Arbeitslosigkeit steigen könnte. Allerdings sind solche Effekte laut Regierungsrat empirisch nicht nachweisbar oder allenfalls «vernachlässigbar gering».
Soziale Spannungen
Negativ wirkt sich der Zuzug der Deutschen bei den Wohnungen und im Verkehr aus. Weil sie oft überdurchschnittlich kaufkräftig sind, wirkt sich ihr Zuzug im Immobilienmarkt preistreibend aus – vor allem in Zürich und in den stadtnahen Seegemeinden. Weil sie auch mobil sind, erzeugen die Zuzüger auch Mehrverkehr. Allerdings erachtet die Regierung beide Effekte nicht als gravierend, weil in letzter Zeit viel neuer Wohnraum erstellt worden ist und weil die Zuzüger oft dort wohnen, wo sie arbeiten und darum kaum zu den Weitpendlern gehören.
Die gesellschaftlichen Auswirkungen kann der Regierungsrat schwer abschätzen. Die Zuwanderer würden ein «gewisses Potenzial für soziale Spannungen» bergen. Massnahmen gegen die Zuwanderung erachtet er als unnötig. In den nächsten Jahren erwartet die Regierung weniger Einwanderer wegen der Krise und weil die Personenfreizügigkeit mit der EU zum Normalfall wird. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 12.03.2010, 09:59 Uhr





