«Die Drogenszene ist grösser und aggressiver»

Die Zürcher Drogenszene verlagert sich von der Langstrasse in die angrenzenden Seitengassen. Die Anwohner sind beunruhigt – und nehmen kein Blatt mehr vor den Mund.

Zunehmend genervt: Für die Bevölkerung im Kreis 4 ist die Verlagerung der Drogenszene in die Seitenstrassen belastend.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Stimmung rund um die Brauerstrasse ist angespannt, die Bewohner sind verunsichert. Gegenüber der «Iroko-Bar», wo vor wenigen Tagen ein Mann von drei Barbesuchern zusammengeschlagen worden ist, betreibt Ruth Kaufmann ein Schneideratelier. Obwohl sie nur tagsüber da ist, nimmt sie die Szene als unangenehm war. «Ein Dealer hat schon mal Drogen in meinen Pflanzentöpfen versteckt. Und als ich ihn zur Rede stellen wollte, hat er mich angeschnauzt.»

Gleich neben der Iroko-Bar führt Susanne Seiler seit fünf Jahren ein Bed and Breakfast. Sie stellte bereits vor einigen Monaten fest, dass sich die Drogenszene von der Langstrasse in die Seitenstrassen verlagert, und das sei für sie «unangenehm und geschäftsschädigend». Angst vor der härteren Gangart der Drogenhändler hat sie aber nicht: «Als Frau habe ich eine gewisse Narrenfreiheit.» Während sie mit Tagesanzeiger.ch spricht, wird auf der gegenüberliegenden Strassenseite ein dunkelhäutiger Mann von fünf Polizisten kontrolliert. Doch Seiler stellt den Gesetzeshütern ein nur teilweise gutes Zeugnis aus: «Die Polizei ist ja immer ein bisschen dort, wo nichts passiert.»

Gewalt vor allem hörbar

Dillon Spencer-Davidson wohnt und arbeitet im Quartier. Dass jemand von Drogenhändlern angegriffen wurde, hat er noch nie beobachtet. Allerdings wurde er schon häufig Zeuge von verbaler Gewalt. Mit der Arbeit der Polizei ist er nicht zufrieden. «Sie sind zwar häufig unterwegs, aber gemessen daran, wie extrem es in diesem Quartier zu und her geht, reicht das nicht», findet Spencer-Davidson.

Thomas Twerenbold arbeitet seit zehn Jahren in einem Bürohaus an der Brauerstrasse. Für ihn ist klar: «Die Drogenszene ist in letzter Zeit grösser und aggressiver geworden. Auf der Strasse wird viel mehr herumgeschrien als früher.» Das ist für Twerenbold allerdings nicht neu: «Man sieht immer Zyklen. Mal wird es stärker, mal schwächer.» Nun hoffen die Quartierbewohner, dass Twerenbold recht behält und sich die Situation bald wieder beruhigt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.09.2008, 11:59 Uhr

TA Marktplatz

Kommentare

Die Welt in Bildern

Abgetaucht: In Zürich geniesst man die sommerlichen Temperaturen mit einem Bad im See. (26. Mai 2017)
(Bild: Walter Bieri) Mehr...