Zürich

Die Klassenfahrt

Von Tina Fassbind. Aktualisiert am 11.12.2011 16 Kommentare

Die erste fahrplanmässige Fahrt des neuen Trams Zürich-West liessen sich hartgesottene Fans und vor allem die Macher der Tramlinie nicht nehmen. Die Fahrt glich daher beinahe einem fidelen Klassentreffen.

1/18 Als erster vor Ort: René Guertner, der inzwischen pensionierte Gesamtprojektleiter der Zürcher Verkehrsbetriebe (VBZ) für das Tram Zürich-West, steht am Sonntag, 11. Dezember 2011 schon um 4.45 Uhr bei der Haltestelle «Schiffbau» bereit.
Bild: Tina Fassbind

   

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Nass und kühl ist es an diesem Sonntagmorgen um 4.45 Uhr. An der Hardstrasse im Zürcher Kreis 5 sind um diese Uhrzeit nur noch jene unterwegs, die sich aus den umliegenden Clubs nach Hause schleppen. Heute stehen aber noch ein paar Leute unter der Hardbrücke, die extra den Wecker gestellt haben, damit sie hier in der Kälte stehen können. Sie wollen den grossen Moment nicht verpassen, wenn das neue Tram Zürich-West um 5.04 Uhr die erste fahrplanmässige Fahrt über die neue Strecke antritt.

Einer von ihnen ist René Guertner, der inzwischen pensionierte Gesamtprojektleiter der Zürcher Verkehrsbetriebe (VBZ) für das Tram Zürich-West. An der neuen Station «Schiffbau» wartet er auf die Ankunft des 4ers. Etwas später gesellt sich Stadtrat Andres Türler, Vorsteher des Departements der Industriellen Betriebe, hinzu. Ob er nervös sei, so kurz vor dem grossen Moment? «Nein, das nicht. Aber in freudiger Erwartung», so Türler.

Dass noch kaum jemand mit ihnen aufs Tram wartet, obwohl sich rundum zahlreiche Menschen auf den Heimweg machen, erstaunt Guertner nicht. «Es wird Monate wenn nicht Jahre dauern, bis die Leute sich an die neue Tramlinie gewöhnt haben», meint er.

Die erste Fahrt ist Ehrensache

Kurz nach 5 Uhr erscheint es dann, das erste Tram der neuen Linie 4. Langsam fährt es vom Escher-Wyss-Platz unter der Hardbrücke hindurch zum Schiffbau. Im Tram sitzen bereits einige Passagiere, die Türler und Guertner freudig begrüssen. Darunter Max Blesi, der Gesamtprojektleiter des Tiefbauamts Stadt Zürich, Chef-Oberbauleiter Christian Meier vom Tiefbauamt und Rainer Klostermann, Leiter Strassenraumgestaltung Tram Zürich-West. Sogar Guido Schoch, Direktor Verkehrsbetriebe Zürich, liess es sich nicht nehmen, diese erste Reise nach Altstetten anzutreten. Unter den Beteiligten, die mit Herzblut am Projekt gearbeitet haben, sei die erste fahrplanmässige Fahrt Tradition und Ehrensache, heisst es.

Es werden Hände geschüttelt, kurze Gespräche geführt, Informationen ausgetauscht. Champagner fliesst nicht. Unter den Fahrgästen herrscht auch so Champagnerlaune. Joël Vuadens und sein 9-jähriger Sohn Timothy sind extra aus Bassersdorf angereist, um diese Tramfahrt zu erleben. Gespannt blicken sie durch die Fensterluke ins Führerhäuschen. Auch Robi Weil, Kinderchirurg am Zürcher Kinderspital, wollte vor seiner nächsten Schicht um 9 Uhr das neue Tram testen.

«Ich habe extra ein Ticket gelöst, obwohl ich ein Generalabonnement besitze. So habe ich eine Erinnerung an diesen historischen Moment», sagt ein weiterer Fahrgast aus Altstetten. Geschlafen hat er die ganze Nacht nicht, weil er diesen Augenblick auf keinen Fall verpassen wollte. Auch andere Passagiere haben eine lange Nacht hinter sich und nutzen nun das Tram für die Heimfahrt. Einer von ihnen nimmt sogar einen Umweg in Kauf. «Meine Freundin wäre lieber schon zu Hause im Bett, aber ich wollte unbedingt noch über die neue Strecke fahren», meint er, während seine Freundin auf dem Tramsitz neben ihm noch etwas tiefer sinkt.

Erste «Störung» auf der Strecke

Um 5.15 Uhr sorgt eine Durchsage des Chauffeurs für Aufregung: «Die erste Fahrt und schon haben wir eine Störung auf der Strecke.» Die «Störung» ist allerdings rasch behoben. Auf dem Geleise wurde lediglich ein Leitkegel vergessen, den der Chauffeur gleich wieder einpackt. Erleichtertes Lachen im Tram.

Und so fährt die Linie 4 ohne grössere Zwischenfälle ihre erste Schlaufe über die neue Strecke und trifft erneut beim Escher-Wyss-Platz ein. Gesamtprojektleiter Max Blesi ist zufrieden – aber auch etwas wehmütig. Das Ende eines solchen Grossprojekts gehe man immer mit einem lachenden und einem weinenden Auge an. «Es war eine spannende Arbeit mit einem guten Team», meint er. Dann verlässt er das Fahrzeug zusammen mit den anderen Master-Minds des Trams-Zürich West. Jetzt wird noch auf das erfolgreiche Ende der langen Projektarbeit angestossen – um diese Uhrzeit allerdings mit einer Tasse Kaffee. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.12.2011, 08:23 Uhr

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16 Kommentare

Hans J. Rohrer

11.12.2011, 13:21 Uhr
Melden 25 Empfehlung

Frau Fassbind, es heisst Schulreise und nicht "Klassenfahrt". Oder war's doch eine Strassenbahn statt ein Tram? Antworten


brigitta colombo

11.12.2011, 08:55 Uhr
Melden 10 Empfehlung

frau fassbind scheintdie fähigkeit zu haben, dass menschen ihnr innert sekunden vertrauen schenken. es war herrlich, die fotos zu diesem bericht anzuschauen… und dann noch die schwierigen lichtverhältnisse dazu.… die bilder sind echt gut.
bericht und bilder geben die gute stimmung wieder. man kann sie spüren, auch wenn man selber nicht dabei war.
kompliment.
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