Die Korrekte

FDP-Kantonsrätin Carmen Walker Späh steht im Fokus, weil die Partei sie nicht für die Nachfolge von Stadtrat Martin Vollenwyder nominieren wollte. Sie könnte dennoch zum Zug kommen. Wer ist diese Frau?

Nun doch als Kandidatin vorgeschlagen: Carmen Walker Späh.

Nun doch als Kandidatin vorgeschlagen: Carmen Walker Späh. Bild: PD

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In der FDP herrscht Nervosität. Seit die Findungskommission vergangenen Montag anlässlich der Rücktrittsankündigung von Stadtrat Martin Vollenwyder den abgewählten Kantonsrat Marco Camin vorgeschlagen hat, ist Feuer im Dach. Erwartet worden war zumindest eine Zweierkandidatur mit Kantonsrätin Carmen Walker Späh. Die FDP-Frauen schossen scharf und disqualifizierten Camin als «politisches Leichtgewicht». Die Parteileitung war «not amused» über die öffentliche Selbstzerfleischung.

Die Nervosität hat auch Walker Späh erfasst. Seit Tagen will sie keine Stellung mehr beziehen. An der Kantonsratssitzung von heute Montagmorgen wollte sie nicht bestätigen, dass sie bereit ist, an der FDP-Nominationsversammlung heute Abend gegen Camin anzutreten. Auch wollte sie sich nicht fotografieren lassen.

Eine Frau, ein Wort

Das passt nicht so recht ins Bild. Denn Walker Späh ist ansonsten sehr offen und zuvorkommend. «Eine angenehme Person», «freundlich», «engagiert» und «arbeitsam»: Das sind denn auch die häufigsten Charakterisierungen, die man im Zürcher Rathaus über Walker Späh hört. Corinne Thomet (CVP) sagt, Walker Späh sei «authentisch». Sie habe eine klare Linie und verlasse diese auch nicht, wenn Gegenwind aufkommt. «Sie steht zu ihrem Wort», so Thomet.

Auch der Grüne Robert Brunner lobt Walker Späh. Zwar seien sie sich in Verkehrsfragen völlig uneinig. Am prominentesten ist ihr starkes Engagement für den Waidhaldetunnel. Dieser soll die Rosengartenstrasse entlasten und wird von Links-Grün heftig bekämpft. Brunner wehrt sich aber entschieden gegen herumgeisternde Ausdrücke wie «Beton-Carmen».

Grüne Ader...

Denn in Bau- und Energiefragen gebe es häufig Berührungspunkte zwischen ihm und Walker Späh, berichtet der grüne Politiker. So engagiere sie sich stark für die Geothermie, helfe mit bei Vorstössen zur Artenvielfalt und sei auf seiner Seite, wenn es um den Schutz des Neeracherrieds geht. Brunner findet auch, sie sei eine witzige Person. «Zumindest meine Sprüche erträgt sie», sagt Brunner, der nie um eben so einen Spruch verlegen ist.

Raphael Golta (SP) findet hingegen, Walker Späh nehme die Dinge oft zu persönlich. Auch Gabi Petri (Grüne) meint, sie reagiere im politischen Schlagabtausch zu empfindlich und zeige zu wenig Humor.

...oder doch nicht?

VCS-Chefin Petri hat mit Walker Späh so manchen Strauss ausgefochten. Der grösste Streitpunkt neben dem Waidhaldetunnel war das Beschwerderecht der Umweltverbände, das Walker Späh per Initiative stark einschränken wollte – ohne Erfolg.

«Als Stadträtin ist Walker Späh für Zürich denkbar ungeeignet», findet Petri. Denn sie habe die ökologischen Zeichen der Zeit nicht erkannt. Und im rot-grünen Zürich bestehe ein breiter Konsens, die ökologische Verantwortung zu übernehmen.

Den Fraktionspräsidenten aus dem Kantonsrat verdrängt

Walker Späh als Hardcore-Autolobbyistin zu bezeichnen, wäre dennoch verfehlt. So hat sich die 54-jährige Baujuristin FDP-intern dafür engagiert, der Ökologisierung der Verkehrsabgaben zuzustimmen. Sie gewann an der Delegiertenversammlung knapp mit 65:60 Stimmen.

Aufsehen erregte die dreifache Mutter und Ehefrau des städtischen Gewerbeverbandspräsidenten Richard Späh erstmals, als sie bei den Wahlen 2003 den damaligen Fraktionschef Balz Hösly um eine Stimme überholte und ihn aus dem Kantonsrat verdrängte. Weniger Glück hatte sie bei den Nationalratswahlen. 2007 fiel sie von Platz 9 auf Platz 12 zurück. Und auch 2011 wurde sie von drei Konkurrenten überholt.

Die Sache mit der Frauenquote

2008 wollte sie Doris Fiala an der Spitze der kantonalen FDP beerben, unterlag aber Beat Walti mit 42 zu 132 Stimmen klar. Im Wahlkampf hatte sich Walker Späh angriffig gezeigt. Auch die eigene Partei verschonte sie nicht, indem sie ihr «schizophrene» Positionsbezüge unterstellte. So sei die FDP gegen das Rauchen, aber fürs Kiffen, sagte sie damals. Auch kritisierte sie die FDP, weil sie SVP-Mann Ueli Maurer für den Ständerat portiert hatte.

Angeeckt ist Walker Späh jüngst als Präsidentin der FDP-Frauen Schweiz. Sie forderte publikumswirksam im «SonntagsBlick» eine 30-Prozent-Frauenquote in öffentlichen Verwaltungen. Dafür wurde sie in der Partei und der NZZ heftig angegriffen. Solche Gedanken hätten in der Partei keinen Platz, hiess es.

Kecke «Oben ohne»-Kampagne

Sie verteidigte sich, indem sie darauf hinwies, dass Quoten das «Rückgrat unseres pluralistischen Bundesstaates» seien. Ohne Quoten gäbe es keine Romands im Bundesrat, keinen Ständerat und keine paritätisch zusammengesetzte Gremien, schrieb sie in einem Leserbrief in der NZZ.

In ihre Zeit als FDP-Frauen-Präsidentin fällt auch die Kampagne «Nicht mehr oben ohne», die «aus Liebe zur Wirtschaft» geschlechtlich gemischte Teams in den Teppichetagen forderte. Für das Kampagnenplakat hatte sich Walker Spähs rechte Hand, Claudine Esseiva, gar ausgezogen. Die Generalsekretärin erschien mit schwarzem Balken über dem Oberkörper. Das Duo hat unbestrittenermassen frischen Wind in die FDP-Frauen Schweiz gebracht. Der Zulauf sei gross, heisst es.

Walker Späh nun offiziell nominiert

Es ist denn auch die Präsidentin der Stadtzürcher FDP-Frauen, die letzte Woche mächtig Dampf für Walker Späh gemacht hat. Präsidentin Ursula Uttinger hat gestern spätabends namens des Vorstandes bei Parteipräsident Michael Baumer einen Nominationsvorschlag gemacht, wie Radio 1 meldet.

Um 18 Uhr tagt der FDP-Parteivorstand, in dem auch Uttinger sitzt. Laut Baumer sei nun offen, ob den Delegierten ein Zweiervorschlag oder gar kein Wahlvorschlag gemacht wird. Die Delegierten entscheiden ab 20 Uhr, wen sie fürs Rennen um die Nachfolge Martin Vollenwyders nominieren. Es könnte eine turbulente Versammlung werden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 05.11.2012, 14:58 Uhr)

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