Zürich

«Die Kreativen können ja ohnehin nirgendwo hin»

Interview: Lucienne-Camille Vaudan. Aktualisiert am 01.02.2012 23 Kommentare

Die Stadt bietet über 200 Kreativen aus dem Basislager Binz trotz Versprechen bisher keinen Platz für ihre Container. SP-Gemeinderat Andrew Katumba wirft der Stadt vor, ihre Machtposition auszunutzen.

«Mobile Wohn- und Arbeitscontainer lindern das Problem schnell und flexibel»: Das Basislager Binz.

«Mobile Wohn- und Arbeitscontainer lindern das Problem schnell und flexibel»: Das Basislager Binz.
Bild: Keystone

«Ich werde auf jeden Fall politisch aktiv bleiben»: Der abtretende SP-Gemeinderat Andrew Katumba. (Bild: www.katumba.ch)

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Herr Katumba, warum gibt sich die Stadt so zögerlich in den Verhandlungen um den neuen Standort des Basislagers Binz?
Mittlerweile glaube ich nicht mehr daran, dass es nur eine Geldfrage ist. Wenn die Stadt ein Projekt wirklich realisieren will, dann ist der Preis oft nicht das einzige Kriterium. Ich verstehe nicht, warum die Stadt bis jetzt keine Lösung präsentieren konnte.

Wenn es nicht um das Geld geht, was ist dann der Grund?
Ich denke, es ist eine Imagefrage. Das Kreativgewerbe ist nicht zuletzt für den Wirtschaftsstandort Zürich wichtig, denn die kleinen Firmen wachsen trotz bescheidener Wertschöpfung. Die Stadt hat wohl Angst, dass der positive Imagetransfer nicht wie gewünscht stattfindet. Weil es in Zürich im Moment kaum Möglichkeiten gibt, auf andere Räumlichkeiten auszuweichen, kann sich die Stadt jedoch genug Zeit nehmen. Die Kreativen können ja ohnehin nirgendwo hin.

Sie haben bereits im Mai zusammen mit Christine Seidler eine Motion ausgearbeitet, die die heutige Situation vorwegnimmt. Was fordern Sie?
Studenten, Berufsschüler und kreative Kleinstunternehmen können sich Wohnungen oder Gewerberäume zu Zürcher Marktpreisen oft nicht leisten. Für unsere Stadt ist es aber unheimlich wichtig, dass sie nicht alle abwandern. Die Stadt plant zwar Bauprojekte, aber es dauert meist Jahre, bis diese realisiert sind. Mobile Wohn- und Arbeitscontainer lindern das Problem schnell und flexibel.

Die Stadt soll Container aufstellen?
Container sind kostengünstig und können flexibel dem jeweiligen Nutzen angepasst und aufgestellt werden. Ähnlich wie bei provisorischen Schulpavillons: Merkt man, dass die Schülerzahl konstant hoch bleibt, baut man ein richtiges Schulhaus und die Provisorien können umfunktioniert oder verlagert werden.

Warum haben Sie die Motion noch nicht eingereicht?
Damals sah es so aus, als würde die Stadt sich um eine Alternative bemühen. Wir wollten die Verhandlungen nicht behindern. Aber da bis jetzt keine Lösung zustande kam, werden Christine Seidler und ich die Motion einreichen, noch bevor ich zurücktrete. Das löst natürlich das Problem des Basislagers nicht, es soll lediglich den politischen Druck hochhalten.

Sie treten am 8. Februar zurück. Engagieren Sie sich danach trotzdem weiter für das Kreativgewerbe?
Ich werde auf jeden Fall politisch aktiv bleiben. Ich bin selbst Mitglied der Geschäftsleitung einer Film-Postproduktionsfirma und kenne daher die Anliegen der kreativen Gewerbetreibenden bestens. Im Moment möchte ich mich verstärkt meiner Firma widmen, ein politisches Comeback ist jedoch nicht ausgeschlossen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.02.2012, 15:18 Uhr

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23 Kommentare

john tobler

01.02.2012, 16:14 Uhr
Melden 20 Empfehlung

ich hätte auch gerne eine subventionierte wohnung oder gewerbefläche in der stadt zürich, auch wenn ich kein Student, Berufsschüler oder kreatives Kleinstunternehmen bin. Antworten


Elisabeth Meier

01.02.2012, 15:28 Uhr
Melden 18 Empfehlung

Weshalb können die Kreativen nicht eigene Wirkungstätten kreieren, sondern verlangen sie vom Staat? Für mich sehr widersprüchlich. Antworten



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