Zürich

Die Kreativen werden nervös

Die Mieter im Künstlerdorf «Basislager» machen sich Sorgen: Ende März müssen sie ihre Container räumen. Die Stadt Zürich wollte das Projekt schon lange übernehmen, passiert ist aber immer noch nichts.

«Die Stadt will sich mit dem Projekt bloss schmücken»: Das Basislager in der Binz.

«Die Stadt will sich mit dem Projekt bloss schmücken»: Das Basislager in der Binz.
Bild: Keystone

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«We want you»: Die Mieter vom Basislager in Zürich richteten gestern einen überdimensionalen Zeigefinger auf die Besucher ihrer Facebook-Seite. Gesucht waren Freiwillige, die an der Schlussszene eines Kurzfilms über das Containerdorf in der Binz mitmachen.

Den Beteiligten ging es aber nicht nur darum, einen spassigen Film zu drehen – sie haben Zukunftsängste. «Ende März laufen für die Mieter des Basislagers die Verträge aus. Wie es danach weitergehen wird, ist unklar», steht auf der Facebook-Seite weiter geschrieben. Dabei hat die Stadt Zürich schon vor zwei Jahren zugesichert, das Basislager zu kaufen, um den Fortbestand des Projektes zu ermöglichen. Was ist passiert?

Verhandlungen noch nicht abgeschlossen

Seit 2009 bevölkern Grafiker, Künstler und Handwerker das Basislager in der Binz. Das Containerdorf bietet rund 200 Zürcher Kreativen einen Arbeitsplatz. Von Anfang an war klar, dass das Projekt nur eine Übergangslösung sein wird: Das Areal an der Räffelstrasse im Kreis 3 gehört der Swiss Life, die dort bald mit der Errichtung eines Neubaus beginnen will.

Für die Mieter vom Basislager heisst es dann zusammenpacken und umziehen. Wohin die Reise geht, wäre eigentlich ebenfalls bereits bekannt. Das Containerdorf soll von der Binz nach Altstetten verlegt werden. Und zwar bald: Der Vertrag zwischen dem Basislager und Swiss Life läuft in zwei Monaten definitiv aus. Doch die Verhandlungen mit der neuen Eigentümerin – der Stadt Zürich – sind immer noch nicht abgeschlossen. Nun werden die Kreativen offenbar nervös.

«Eine gute Lösung braucht ihre Zeit»

Dabei hatte es im letzten Oktober von Seiten der Stadt noch geheissen, die Verhandlungen stünden «kurz vor dem Abschluss». Denn schon damals hatte der «Tages-Anzeiger» darüber berichtet, wie schleppend das Geschäft vorankommt. Und schon damals waren erste Zweifel am Interesse der Stadt geäussert geworden. Gut vier Monate später ist man offensichtlich nicht viel weiter: «Die Verhandlungen laufen noch, zu den Details geben wir deshalb keine Auskunft», sagt Nat Bächtold, Sprecher des Präsidialdepartements, auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Die Stadt wolle eine gute Lösung finden, «das braucht seine Zeit».

Die Stadt ist am Projekt Basislager nach eigenen Angaben also immer noch interessiert. In der Mieterschaft wachsen die Zweifel an dieser Absicht aber weiter: «Wir machen uns Sorgen, dass man bei Swiss Life bald die Geduld verliert», sagt Sonia Bischoff, freischaffende Künstlerin und Mieterin im Basislager. «Wir wollen, dass es endlich vorwärts geht mit dem neuen Standort. Darum nehmen wir die Sache jetzt selbst in die Hand.»

Der Frust bei den Mietern wächst

Heisst: Die Mieter wollen die Liegenschaftsverwalterin Fischer AG bei den Verhandlungen aktiv unterstützen. Zu diesem Zweck entsteht auch der erwähnte Kurzfilm, der gestern im Basislager abgedreht wurde. Man wolle die Stadt mit dieser Aktion nicht provozieren, sagt Sonia Bischoff. Das Frustpotenzial in der Mieterschaft ist aber offenbar gross. «Seit zwei Jahren schmückt sich die Stadt damit, das Kulturprojekt übernehmen zu wollen, passiert ist aber immer noch nichts», so Bischoff weiter. Die Mieter hätten langsam das Gefühl, die Stadt wolle das Projekt gar nicht wirklich durchziehen.

Diesen Vorwurf streitet Nat Bächtold wiederum ab: «Dass sich die Mieter Gedanken über die Zukunft machen, können wir nachvollziehen», sagt Bächtold. Die Sorgen der Kreativen seien aber unbegründet. Dass die Mieter des Basislagers die Verhandlungen nun auch aktiv unterstützen wollen, möchte der Stadtrat nicht kommentieren. Auch die Swiss Life will laut Mediensprecher Dajan Roman keine Auskunft geben. Und Iris Vollenweider, Projektverantwortliche bei der Fischer AG, darf zu den laufenden Verhandlungen ebenfalls nichts sagen. Die Initiative der Mieter aber finde sie toll.

Die Kreativen vom Basislager hoffen jedenfalls, dass der Umzug nach Altstetten bald stattfinden kann. Fast die Hälfte der Künstler, die in der Binz eingemietet sind, werden auch am neuen Standort wieder vertreten sein. Dies, obwohl einige Basislager-Mieter das Altstettener Projekt im Vorfeld kritisiert hatten – der neue Standort liegt zwischen einer Siedlung der Asylorganisation Zürich und dem geplanten städtischen Strassenstrich. «Genau der richtige Ort für kreative Köpfe», findet Sonia Bischoff. «Darum wollen wir, dass es endlich losgeht.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.01.2012, 14:57 Uhr

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17 Kommentare

pat plüss

29.01.2012, 13:38 Uhr
Melden 2 Empfehlung

"eine gute lösung braucht ihre zeit": im fall dieser stadt schon mal gut eine generation. das basislager ist halt nicht der swissprimetower: zuwenig prestige. und ja, auch die kreativwirtschaft ist meist mehr ku den mu. dem äusseren anschein nach für die stadt nicht wirtschaftlich, obwohl die kmu recht eigentlich die stützen der wirtschaft sind. mehr respekt wär angesagt, wo bleibt die fdp? Antworten


Ueli Krienz

28.01.2012, 12:25 Uhr
Melden 16 Empfehlung

Altstetten ist doch ganz nett fuer diese linken, liberalen, alternativen Kreativen und Velonarren. Da wohnen Sie dann mit den Multi-Kultis und die Sexboxen sind dann auch nicht allzu weit weg.
Es bringt die Kreativitaet in den Vordergrund!
Antworten


pat plüss

29.01.2012, 13:28 Uhr
Melden 7 Empfehlung

so ein unqualifizierter kommentar gehört eigentlich zensiert, denn er zeugt von unglaublicher ignoranz. u.k. pflegt anscheinend ein esoterisches bild von der kreativität. hier aber gehts um standorterhalt von arbeitsplätzen von dienstleistungserbringer (jeglicher politischer couleur notabene), deren produkte wir alle tagtäglich in den händen halten (zeitungen, prospekte, textilien, u.v.a.m).


gabriela merlini

28.01.2012, 08:56 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Ja, Herr Herzog, da kann dann eine ganz andere Kreativität erlebt werden: die des Überlebens, nicht wahr? Antworten


Stefan Flüeler

28.01.2012, 03:57 Uhr
Melden 4 Empfehlung

Warum sich aufregen ?
Notfalls können die Leute vom Basislager doch auch selber einen Kran und ein paar Sattelschlepper bestellen und ihre Container eigenhändig nach Altstetten transportieren.
Jedenfalls, wenn das Grundstück in Altstetten schon mit Wasser und Elektrisch erschlossen ist.
Antworten


Sonia Bischoff

28.01.2012, 10:38 Uhr
Melden 5 Empfehlung

Unsere Motivation nach Altstetten zu ziehen ist sehr gross. Der Standort ZüriWest ist im Aufbau und für uns ideal. Die Container sind gemietet. Wir wollen dass die Stadt Ihre Aussagen der letzten Jahre umsetzt und Taten folgen lässt... es geht uns nicht darum die Container zu besetzen :-) es geht auch auf legalem Wege, wie ich finde :-) aber danke für den Zuspruch Herr Flüeler :-)


Alex Herzog

27.01.2012, 23:11 Uhr
Melden 9 Empfehlung

Die liebe Stadt Zürich gibt sich gerne als Gastgeberin der 'Kreativ-Wirtschaft', dabei hat sie es in den letzten 25(!!!) Jahren NICHT hingekriegt auch nur einen HALBEN Quadratmeter Atelierfläche zu generieren!!! AMAG in Schwamendingen ist ein 'Abgasfilter' und der Standort Altstetten mit Sexboxen und bestehenden Asyl-Containern sagt schon alles über die Wertschätzung von Kultur in dieser Stadt!!! Antworten


Rima Kauf

30.01.2012, 10:46 Uhr
Melden 3 Empfehlung

Es gab Zeiten, da hat die Stadt Zürich Atelierhäuser gebaut! Dies ist in einer der teuersten Städte der Welt offenbar nicht mehr möglich! Aber bitte, macht jetzt, dass diese KünstlerInnen weiterhin einen Platz haben wo sie arbeiten können. Sie sind sogar mit dem Standort zurfrieden. Sonst will dort ja niemand hin, oder?


Alex Herzog

29.01.2012, 19:51 Uhr
Melden 3 Empfehlung

Es ist gar keine Frage ob Asylbewerber oder Sexarbeiterinnen freundlich, aufgeschlossen, oder dies nicht sind. Tatsache ist, dass die Stadt Zürich die Künstler/Innen ebenso als 'Randständige' behandelt und sich entsprechend 'für' sie engagiert. Ich weiss auch, dass es keine gesetzliche Grundlage dafür gibt, dass die Stadt Ateliers, auch nicht provisorisch, zur Verfügung stellen müsste.


Bruno Bernasconi

28.01.2012, 14:58 Uhr
Melden 4 Empfehlung

@Alex Herzog: AMAG Schwamendingen ist ja auch nur ein Provisorium. Und dass Sex oder Asylbewerber nichts mit Kultur haben sollen, kann ich nicht mit Ihnen teilen.


Sonia Bischoff

28.01.2012, 10:27 Uhr
Melden 5 Empfehlung

Für uns vom Basis-Lager genügt es, wenn die Stadt es rechtzeitig hinkriegt, dass wir nach Altstetten ziehen dürfen. Also wir freuen uns alle auf den neuen Platz. Die Bewohner der Asylcontainer z.B. sind sehr aufgeschlossen und überdurchschnittlich freundlich, wir haben also kein Problem mit dem neuen Platz. Bloss ist für uns keine Entschlossenheit seitens Stadt spürbar, es rechtzeitig umzusetzen.


Patrick Meier

27.01.2012, 15:34 Uhr
Melden 19 Empfehlung

Und wieder einmal muss der Steuerzahler für die Selbstverwirklichungsträume der Kreativen aufkommen. Antworten


müller herta

28.01.2012, 18:22 Uhr
Melden 2 Empfehlung

die stadt profitiert ja immer von den kreativen. vielle restaurants und attraktive stadtecken die sich nun die yupies aneignen gäbe es ohne dir kreativen nicht. kreative machen die stadt für Sie attraktiv. schon gemerkt? dummerweise werden dadurch die kreativen immer vertrieben und sind offenslichtlch gemäss diesen statements hier noch unbeliebt. tststs..


Max Frei

27.01.2012, 19:31 Uhr
Melden 20 Empfehlung

Das Bizeli, was das den Zürcher Steuerzahler kostet, ist beste Investition in den Standort Zürich und dessen kreativen Hot-Spot hier. Die Branche Ihrer "Kreativen" in Zürich ist kein unbedeutendes Mauerblümchen, ganz im Gegenteil. 33'000 Stellen in 5000 Betrieben sind das und dazu darf/muss die Stadt bzw. der Steuerzahler auch ruhig ein wenig Sorge tragen.


Sonia Bischoff

27.01.2012, 19:29 Uhr
Melden 22 Empfehlung

Herr Meier, ich glaube Sie sind falsch informiert ... Vielleicht ist das Wort "Kreative" unzureichend, denn wir hier vom Basis-Lager Zürich zahlen regulär Mieten, sind nicht vom Sozialamt abhängig und produzieren hochwertige Schweizer Produkte... Wir haben auch SVPler hier :-) und kommen alle gut klar. Das Projekt bringt nicht nur finanziellen, sondern auch kulturellen Gewinn!


leni huber

27.01.2012, 15:13 Uhr
Melden 4 Empfehlung

Es werden dort Asylanten einquartiert soviel mir bekannt! Somit ist das eine gute Lösung bei der sich niemand verletzt fühlen dürfte. Das die "Künstler" raus müssen war ja schon lange bekannt. Antworten


Sonia Bischoff

27.01.2012, 19:32 Uhr
Melden 13 Empfehlung

Guten Abend leni huber, wir werden nicht nur nette Asylanten als Nachbarn haben, sondern evtl. sogar Sexboxen, falls die Stadtbevölkerung das Sexgewerbe an der Urne bewilligen wird. Kreative, die sich mit mehreren Jobs über Wasser halten, können keine teuren Mieten zahlen, dafür produzieren wir viele hochwertige Produkte und sorgen für eine gesunde Durchmischung.



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