Die Kreativen werden nervös

Von Franziska Kohler. Aktualisiert am 27.01.2012 17 Kommentare

Die Mieter im Künstlerdorf «Basislager» machen sich Sorgen: Ende März müssen sie ihre Container räumen. Die Stadt Zürich wollte das Projekt schon lange übernehmen, passiert ist aber immer noch nichts.

«Die Stadt will sich mit dem Projekt bloss schmücken»: Das Basislager in der Binz.

«Die Stadt will sich mit dem Projekt bloss schmücken»: Das Basislager in der Binz.
Bild: Keystone

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«We want you»: Die Mieter vom Basislager in Zürich richteten gestern einen überdimensionalen Zeigefinger auf die Besucher ihrer Facebook-Seite. Gesucht waren Freiwillige, die an der Schlussszene eines Kurzfilms über das Containerdorf in der Binz mitmachen.

Den Beteiligten ging es aber nicht nur darum, einen spassigen Film zu drehen – sie haben Zukunftsängste. «Ende März laufen für die Mieter des Basislagers die Verträge aus. Wie es danach weitergehen wird, ist unklar», steht auf der Facebook-Seite weiter geschrieben. Dabei hat die Stadt Zürich schon vor zwei Jahren zugesichert, das Basislager zu kaufen, um den Fortbestand des Projektes zu ermöglichen. Was ist passiert?

Verhandlungen noch nicht abgeschlossen

Seit 2009 bevölkern Grafiker, Künstler und Handwerker das Basislager in der Binz. Das Containerdorf bietet rund 200 Zürcher Kreativen einen Arbeitsplatz. Von Anfang an war klar, dass das Projekt nur eine Übergangslösung sein wird: Das Areal an der Räffelstrasse im Kreis 3 gehört der Swiss Life, die dort bald mit der Errichtung eines Neubaus beginnen will.

Für die Mieter vom Basislager heisst es dann zusammenpacken und umziehen. Wohin die Reise geht, wäre eigentlich ebenfalls bereits bekannt. Das Containerdorf soll von der Binz nach Altstetten verlegt werden. Und zwar bald: Der Vertrag zwischen dem Basislager und Swiss Life läuft in zwei Monaten definitiv aus. Doch die Verhandlungen mit der neuen Eigentümerin – der Stadt Zürich – sind immer noch nicht abgeschlossen. Nun werden die Kreativen offenbar nervös.

«Eine gute Lösung braucht ihre Zeit»

Dabei hatte es im letzten Oktober von Seiten der Stadt noch geheissen, die Verhandlungen stünden «kurz vor dem Abschluss». Denn schon damals hatte der «Tages-Anzeiger» darüber berichtet, wie schleppend das Geschäft vorankommt. Und schon damals waren erste Zweifel am Interesse der Stadt geäussert geworden. Gut vier Monate später ist man offensichtlich nicht viel weiter: «Die Verhandlungen laufen noch, zu den Details geben wir deshalb keine Auskunft», sagt Nat Bächtold, Sprecher des Präsidialdepartements, auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Die Stadt wolle eine gute Lösung finden, «das braucht seine Zeit».

Die Stadt ist am Projekt Basislager nach eigenen Angaben also immer noch interessiert. In der Mieterschaft wachsen die Zweifel an dieser Absicht aber weiter: «Wir machen uns Sorgen, dass man bei Swiss Life bald die Geduld verliert», sagt Sonia Bischoff, freischaffende Künstlerin und Mieterin im Basislager. «Wir wollen, dass es endlich vorwärts geht mit dem neuen Standort. Darum nehmen wir die Sache jetzt selbst in die Hand.»

Der Frust bei den Mietern wächst

Heisst: Die Mieter wollen die Liegenschaftsverwalterin Fischer AG bei den Verhandlungen aktiv unterstützen. Zu diesem Zweck entsteht auch der erwähnte Kurzfilm, der gestern im Basislager abgedreht wurde. Man wolle die Stadt mit dieser Aktion nicht provozieren, sagt Sonia Bischoff. Das Frustpotenzial in der Mieterschaft ist aber offenbar gross. «Seit zwei Jahren schmückt sich die Stadt damit, das Kulturprojekt übernehmen zu wollen, passiert ist aber immer noch nichts», so Bischoff weiter. Die Mieter hätten langsam das Gefühl, die Stadt wolle das Projekt gar nicht wirklich durchziehen.

Diesen Vorwurf streitet Nat Bächtold wiederum ab: «Dass sich die Mieter Gedanken über die Zukunft machen, können wir nachvollziehen», sagt Bächtold. Die Sorgen der Kreativen seien aber unbegründet. Dass die Mieter des Basislagers die Verhandlungen nun auch aktiv unterstützen wollen, möchte der Stadtrat nicht kommentieren. Auch die Swiss Life will laut Mediensprecher Dajan Roman keine Auskunft geben. Und Iris Vollenweider, Projektverantwortliche bei der Fischer AG, darf zu den laufenden Verhandlungen ebenfalls nichts sagen. Die Initiative der Mieter aber finde sie toll.

Die Kreativen vom Basislager hoffen jedenfalls, dass der Umzug nach Altstetten bald stattfinden kann. Fast die Hälfte der Künstler, die in der Binz eingemietet sind, werden auch am neuen Standort wieder vertreten sein. Dies, obwohl einige Basislager-Mieter das Altstettener Projekt im Vorfeld kritisiert hatten – der neue Standort liegt zwischen einer Siedlung der Asylorganisation Zürich und dem geplanten städtischen Strassenstrich. «Genau der richtige Ort für kreative Köpfe», findet Sonia Bischoff. «Darum wollen wir, dass es endlich losgeht.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.01.2012, 14:57 Uhr

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17 Kommentare

Patrick Meier

27.01.2012, 15:34 Uhr
Melden 19 Empfehlung

Und wieder einmal muss der Steuerzahler für die Selbstverwirklichungsträume der Kreativen aufkommen. Antworten


Ueli Krienz

28.01.2012, 12:25 Uhr
Melden 17 Empfehlung

Altstetten ist doch ganz nett fuer diese linken, liberalen, alternativen Kreativen und Velonarren. Da wohnen Sie dann mit den Multi-Kultis und die Sexboxen sind dann auch nicht allzu weit weg.
Es bringt die Kreativitaet in den Vordergrund!
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