«Die Männer küssen die Männer»
Von Jvo Cukas. Aktualisiert am 28.11.2011 27 Kommentare
Weihnachten steht vor der Tür
In der Vor- und Weihnachtszeit porträtiert Tagesanzeiger.ch / Newsnet jeden Montag Feiern anderer Religionsgruppen oder Kulturkreise, die in Zürich leben. Den Anfang machen die Muslime.
Artikel zum Thema
Etwas gesehen, etwas geschehen?
Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an
4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
In der Innenstadt leuchtet seit Donnerstag letzter Woche «Lucy» und versetzt die Zürcher in vorweihnächtliche Stimmung. Alle Zürcher? Laut der Volkszählung aus dem Jahr 2000 – neuere Zahlen gibt es erst im Frühling nächsten Jahres – leben im Kanton mehr als 66'000 Menschen islamischen Glaubens. Wie erleben sie Weihnachten und was feiern sie stattdessen?
«Meine Kinder und ich finden die Weihnachtsbeleuchtung schon schön», meint Beatrix Uluda, «aber der Feiertag hat für mich keine Bedeutung.» Die 54-jährige Schweizerin konvertierte vor 15 oder 20 Jahren zum Islam, genau weiss sie es nicht mehr. Sie ist mit einem Muslim verheiratet und erzieht auch ihren Nachwuchs im neugefundenen Glauben. «Natürlich war es manchmal schwierig, meinen Kindern zu erklären, warum sie von uns im Gegensatz zu allen anderen keine Geschenke bekommen», erzählt sie. Sie habe einfach aufgezeigt, dass es in ihrem Glauben Feste gebe, welche alle anderen nicht feiern würden.
Geburtstage werden nicht gefeiert
Saad Subaan, Leiter der Moschee der Stiftung Islamische Gemeinschaft in Zürich, sagt, er arbeite an Weihnachten immer. «Viele Gläubige nutzen die freien Tage, um bei uns zu beten.» Da gebe es viel zu tun. Weihnächtliche Stimmung kenne er nicht. Der Somalier meint, er feiere keine Geburtstage, ganz wie es sein Glaube verlange. «Das ist doch langweilig: im einen Jahr bin ich 40, im nächsten 41. Was gibt es da zu feiern?» Gleiches gelte auch für Jesus, der für ihn zwar ein Prophet sei, aber auch nur ein Mensch. Den Geburtstag des Propheten Mohammed feiere man auch nicht aus religiösen Gründen, obwohl es in einigen Kulturen aus Tradition dennoch gemacht werde.
Im Islam gebe es nur zwei hohe Feiertage: Das Ende der Fastenzeit und das Ende der Pilgerfahrt nach Mekka, das sogenannte Opferfest. In diesem Jahr fiel letzteres auf die vorweihnächtliche Zeit im November – aber nur aus Zufall: Das islamische Jahr richtet sich nach dem Mond und nicht der Sonne und ist deshalb 11 Tage kürzer. Die Festdaten sind also jedes Jahr wieder andere.
Die Männer schlachten, die Frauen kochen
Das Opferfest beginne jeweils bei Sonnenaufgang mit rituellen Gebeten in der Moschee. «Alle ziehen ihre besten Kleider an, sind parfümiert», erzählt Subaan. Bei den Gebeten gehe es darum, allen zu verzeihen, mit denen man im vergangenen Jahr im Streit war. Anschliessend werden Süssigkeiten verteilt, alle küssten sich, um die Vergebung symbolisch zu untermalen. «Genau gesagt, die Männer küssen die Männer, die Frauen die Frauen.»
Dieser offizielle Teil gehe nur etwa dreissig Minuten, danach gingen die Feiern im Rahmen der Familie weiter. «Traditionellerweise würde das Familienoberhaupt sein bestes Lamm oder sein bestes Kamel schlachten und die Frauen bereiteten daraus ein hervorragendes Mahl für die ganze Familie zu.» Die Feierlichkeiten dauern drei Tage und jeder könne machen, was er wolle. Auch gehöre dazu, dass man seine Kinder beschenke. Traditionell habe man sie neu eingekleidet. Heute könne es auch Geld oder Spielzeug sein.
Abraham statt Jesuskind
In Beatrix Uludas Familie wird die Feier im kleineren Rahmen begangen: «Ähnlich wie bei der Weihnachtsgeschichte erzähle ich meinen Kindern jeweils die Geschichte von Abraham, der seinen Sohn für Allah schlachten wollte.» Neben dem Ursprung des Opferfestes habe sie ihren Kindern immer auch die Zeit der grossen Pilgerfahrt nahe gebracht, also jene acht Tage, in denen die Gläubigen nach Mekka ziehen. Danach gebe es auch bei ihnen ein Festmahl. «In der Schweiz ist es nicht möglich, ein Schaf zu schlachten, aber es gehört unbedingt dazu, dass wir Fleisch essen.» Und ihre Kinder würden beschenkt.
Moscheen-Leiter Subaan meint, es sei in der Schweiz nicht einfach, die islamischen Feste zu begehen. «Hier bekommen wir nur einen Tag frei und die Schweizer rundherum sind nicht in Feierlaune.» So begehe man das Fest zurückhaltender, wolle niemanden stören. «Wo wir herkommen, sind dann alle drei Tage lang laut und fröhlich, hier geht das natürlich nicht.» Trotzdem versuche man – vor allem auch für die Kinder –, jedes Jahr ein grosses Fest zu veranstalten, an dem alle auf ihre Kosten kämen. «Diesen November hatten wir das Trampolino in Dietlikon gemietet, das war für die Kleinen ein Riesenspass.»
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 28.11.2011, 11:02 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
27 Kommentare
Ja, in der Schweiz darf einem Schaf nicht die Kehle durchgeschnitten werden damit es dann noch einige Minuten einen Todeskampf erleiden muss bevor es tot ist. Und ich bin froh, dass dies verboten ist. Ein Tier so zu quälen, weil es Allah angeblich so will, ist für mich abstossend. Ich hoffe die Muslime in der Schweiz sehen das genauso. Antworten
Das Bild des Moscheebesuchs zeigt schön die gespaltene Moslemgesellschft der " modernen Zeit ", also ohne Frauen.Ja- das hat Tradition aber Handys benutzen hat keine Tradition, Autofahren auch nicht, Fernsehen noch weniger da ja menschliches Antlitz fotografiert und gefilmt wird. Strikte verboten nach dem Koran.
Die Konvertiten sollten sich daran halten da sie keine "Ungläubige" mehr sein wollen.
Antworten

Bitte warten




