«Die Moschee stört mich überhaupt nicht. Wieso auch?»
Von Simone Rau. Aktualisiert am 15.10.2009 15 Kommentare
Die älteste Moschee der Schweiz steht an der Forchstrasse 323 in Zürich. Die Mahmud-Moschee wurde 1963 eingeweiht - und mit ihr ein Minarett. Es ist 15 Meter hoch und steht auf einem Gebäude von rund 6 Metern Höhe. Insgesamt überragt der Turm die Erde also um 21 Meter, ohne Mondsichel. Der Turm wirkt zierlich im Vergleich mit demjenigen der Balgristkirche auf der gegenüberliegenden Strassenseite.
Erika Wüst kann sich noch gut an den Bau der Mahmud-Moschee erinnern. Die 84-Jährige wohnt seit 1948 im Haus nebenan. «Wir blicken vom Wohnzimmer aus direkt auf den Turm», sagt sie. «Er hat mich noch nie gestört.» Im Gegenteil: Die Bewohner der Moschee seien höfliche Leute und verhielten stets ruhig und anständig. Ihr Sohn sei sogar mit dem Sohn des früheren Imams zur Schule gegangen. Sie hätten des Öfteren zusammen zu Mittag gegessen. Das Aufheben, das jetzt um die Minarette gemacht wird, versteht Wüst nicht. In ihrem Haus jedenfalls beklage sich niemand über die Moschee mit dem Turm. Und auch im Quartier habe sie nie etwas Schlechtes über das Minarett gehört. «Leben und leben lassen, sage ich immer.»
Moschee-Besucher parken bei der Kirche
Ähnlich sieht es Johann Rechsteiner, der seit 1958 an der Forchstrasse wohnt – ebenfalls mit Blick auf das Minarett. «Die Moschee mit dem Turm stört mich überhaupt nicht. Wieso auch?» Manchmal seien die Parkplätze vor der reformierten Kirche voll, weil so viele Besucher in die Moschee kämen, aber das mache ihm nichts aus. Die Moschee gehöre zum Quartier, sagt er. «Schon als sie 1962 gebaut wurde, hat sich niemand darüber aufgeregt.»
Eine junge Bäckerei-Verkäuferin stört sich am Minarett ebenso wenig: «Jeder soll seine Religion so leben, wie er möchte.» Sie glaube nicht, dass sich die Stimmung im Quartier verändert habe, seit so intensiv über die Anti-Minarett-Plakate diskutiert werde. Die Moschee gehöre zum Quartier. Das findet auch eine Passantin, die sagt: «Jetzt habe ich gerade bemerkt, dass die Sichel auf dem Turm grün ist. Dabei dachte ich, sie sei goldig.» Es sei immer wieder bemerkenswert, worüber sich die Menschen ärgerten. Die Schwulen, die Migranten, jetzt die Minarette – die Aufruhr sei immer dort am grössten, wo die Leute am wenigsten in Kontakt mit diesen Menschen oder Dingen kämen.
Der Imam fühlt sich wohl im Quartier
Der Imam Sadaqat Ahmed ist froh über die grosse Akzeptanz seiner Moschee im Quartier. Seit 2001 wohnt er zusammen mit seiner Frau und den drei Kindern an der Forchstrasse. Ursprünglich stammt er aus Pakistan. «Wir fühlen uns sehr wohl hier», sagt er. Er habe noch nie etwas Schlechtes über die Moschee oder das Minarett gehört. Probleme mit den Nachbarn gebe es keine. «Die Leute kommen sogar vorbei und stellen Fragen, das freut mich.» Die Türen der Moschee stünden allen Menschen offen, egal, welcher Religion sie angehörten.
Der Quartiervereinspräsident Urs Frey habe letzthin gesagt, das Minarett gehöre längst zum Ortsbild. «Er meinte, es gäbe eher Protest, wenn es abgebrochen würde», sagt Imam Ahmed. Die Debatte zur Volksinitiative für ein Minarett-Bauverbot, über die am 29. November abgestimmt wird, verfolgt Ahmed intensiv. Um Ängste und Vorurteile abzubauen, öffnet er an drei Samstagen im November die Türen der Mahmud-Moschee. «Ich hoffe, dass uns möglichst viele Menschen besuchen und ihre Hemmungen abbauen.»
«Lautsprecher würden mich stören»
Eine kritische Stimme ist dennoch zu hören: Eine Anwohnerin sagt, die Moschee mit dem Minarett störe sie nicht, solange keine Lautsprecher aufgestellt würden. «Wenn es dann plötzlich sehr laut wäre, würde mich das stören.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 15.10.2009, 14:14 Uhr
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15 Kommentare
Was für einen Zweck erfüllt hier dieses Minarett ? Ich bin auch nicht für Kirchtürme mit dem lauten Gebimmel - aber wenigstens hat die Glocke einen symbolischen Zweck, nämlich die Gläubigen in die Kirche zu rufen. So ein Minarett ohne Lautsprecher ist sinnlos und ein Minarett mit Lautsprecher will niemand - also was ist der Zweck des Minaretts so wie es die Befürworter bewilligen wollen ?? Antworten
Als Schweizer bin ich weltoffen. Jedoch gibt es genug frustrierte Menschen, die gerne und bevorzugt den Fremden etwas austeilen wollen. Einige aus meiner Bekanntschaft sind sogar aus der Kirche ausgetreten, jedoch befürworten sie das Minarettverbot. Hauptsache ein Feindbild ist da, da kann man sich austoben. Ich als Atheist habe nichts gegen Religionen. Jedoch habe ich etwas gegen Lügen u. Hetzer! Antworten






