Zürich

Die Nannys kommen

Von Martina Läubli. Aktualisiert am 29.11.2012 44 Kommentare

Immer mehr Eltern in Zürich suchen eine Nanny, die ihre Kinder betreut. Ein bisher wenig verbreiteter Beruf erlebt einen Boom.

1/4 Ein Händchen für Kinder: Das ist für eine Nanny entscheidend. Ein Kind an der Hand einer Erwachsenen im Hauptbahnhof Zürich. (29. September 2009)
Bild: Keystone

   

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Das Modell Tagesfamilie

Neben der Nanny sind in der Stadt Zürich auch andere Kinderbetreuungsmodelle gefragt. Breit akzeptiert und gesucht sind beispielsweise Tagesfamilien. Der Gemeinnützige Frauenverein Zürich (GFZ) wirbt aktuell im Internet mit dem Motto «Öffnen Sie Ihre Familie» um neue Tagesfamilien. Raffaela Vedova vom GFZ erklärt, die grösste Herausforderung sei, dass Angebot und Nachfrage von Tagesfamilien ungleich über die Stadtkreise verteilt seien. Die unterschiedliche Demografie der Stadt kompliziert die Kinderbetreuung. Familien wollten jedoch eine lokale Betreuungsmöglichkeit für ihre Kinder.

In den letzten Jahren bot der GFZ durchschnittlich zwischen 160 und 190 Tagesfamilienplätze an. «Die Kunden sind total durchmischt», sagt Vedova. Eine Tagesfamilie sei nicht unbedingt eine billigere Betreuungslösung. Vielmehr sei entscheidend, was sich die Eltern für ihre Kinder wünschen: soziales Leben in einer anderen Familie oder Rundumbetreuung zu Hause. (mal)

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Sie holt die Kinder von der Schule ab, hilft ihnen bei den Hausaufgaben, wickelt das Baby und räumt bei Bedarf auch die Küche auf. Viele berufstätige Eltern in Zürich wünschen sich die tatkräftige Unterstützung einer Nanny. Und es werden immer mehr. Das Vermittlungsangebot im Internet ist riesig, sämtliche angefragten Agenturen bestätigen die steigende Nachfrage.

«Im Bereich Kinderbetreuung steigt die Nachfrage am stärksten», sagt Inma Pazos, Geschäftsführerin von Mamiexpress. Die Firma vermittelt deutschsprachige Nannys und Haushaltshilfen. Am grössten sei die Nachfrage in der Stadt Zürich. Die Mehrheit der Kunden von Mamiexpress seien Schweizer oder binationale Paare.

Immer mehr junge Familien

Die Familien, die eine Nanny suchen, lassen sich gemäss Pazos in zwei Gruppen einteilen: auf der einen Seite Familien mit hohem Einkommen, die eine Rundumbetreuung inklusive Haushaltshilfe wünschen. Auf der anderen Seite Mittelstandsfamilien, die bis zum Ende des Mutterschaftsurlaubs keinen Krippenplatz gefunden haben. Sie stellen als Notlösung eine Nanny an und lernen deren Dienste oft schätzen, sodass sie nicht mehr auf sie verzichten wollen. Bei diesen Kunden arbeiten beide Eltern, oft im Banken- oder Versicherungssektor. «Wir erleben eine Veränderung der Kundschaft hin zu jungen Familien, beide berufstätig», erklärt Inma Pazos.

Die flexible gute Fee

Die aktuelle Bevölkerungsstatistik der Stadt Zürich belegt diese Beobachtung: Fast jeder dritte Erwachsene in Zürich hat einen Abschluss einer Hochschule oder Fachhochschule. Bei den 25- bis 34-Jährigen ist es sogar fast die Hälfte. Mit der zunehmenden Qualifikation gewinnt auch die Berufstätigkeit an Bedeutung. In der Schweiz sind fast 50 Prozent der 30-jährigen Mütter mit zwei Kindern berufstätig, zumindest Teilzeit.

Das zunehmende berufliche Engagement der Eltern lässt die Nanny zum attraktiven Betreuungsangebot werden. Man muss die Kinder nicht weggeben, erhält zusätzlich Hilfe im Haushalt und im Idealfall eine Vertrauensperson für die ganze Familie. Die Stärke der Nannys ist ihre Flexibilität. Diese vermarkten die Agenturen entsprechend, indem sie auch Notfall-Nannys und Nanny-Sharing anbieten.

Die zunehmende Nachfrage nach Nannys lässt sich statistisch unter anderem mit der Einwanderung erklären: Von den ausländischen Personen, die innerhalb der letzten fünf Jahren nach Zürich zugewandert sind, haben gemäss Statistik der Stadt Zürich mehr als die Hälfte einen Hochschulabschluss. Gerade weil sie aus beruflichen Gründen hierhergezogen sind, interessieren sie sich für die Dienstleistung Kinderbetreuung.

Ein unbekannter Beruf

Die Agentur Nanny Swiss vermittelt neben deutsch- auch englischsprachige Nannys in die Schweiz. Letztere sind besonders gefragt. Gemäss Geschäftsleiterin Gisela Ebnet stammen 50 bis 60 Prozent der Kundschaft von Nanny Swiss aus England oder Amerika. Neuerdings hat auch die grösste australische Nanny-Agentur Rockmybaby einen Ableger in der Schweiz gegründet. Nannys, die aus dem Ausland anreisen und bei ihrem Arbeitgeber wohnen, sogenannte Live-in-Nannys, müssen mit der Situation umgehen können, am Familienleben des Arbeitgebers teilzunehmen. Gemäss Nannyvermittlung.ch gebe es momentan eine verstärkte Nachfrage nach Live-in-Nannys.

Die Kosten einer Nanny variierten je nach Anspruch, doch «man muss sich eine Nanny leisten können», bemerkt Gisela Ebnet von Nanny Swiss. Die Mehrheit der Kundschaft bezeichnet sie als «gehobenere Privathaushalte». Ebnet stellt zudem kulturelle Unterschiede fest: «Der Beruf der Nanny ist hier noch unbekannt.» Im angelsächsischen Raum ist der Beruf längst gang und gäbe, die berühmteste aller Nannys, Mary Poppins mit ihrem fliegenden Schirm, hat es vorgemacht. Umso wichtiger ist ihre Qualifikation. Nanny Swiss verlangt eine pädagogische Ausbildung oder mindestens fünf Jahre Berufserfahrung, fliessende Englisch- oder Deutschkenntnisse, einen Strafregisterauszug und nicht zuletzt auch Passion für die Aufgabe des Kinderbetreuens.

Lehrgang für Nannys

Bei einem so blühenden Dienstleistungszweig steigt das Bedürfnis nach Professionalisierung. Seit drei Jahren bietet das Schweizerische Rote Kreuz in Zürich einen Lehrgang zur Nanny SRK an. Die Kurse seien jeweils voll, ohne dass sie viel Werbung machten, sagt Anita Ruchti, Mediensprecherin des SRK Kanton Zürich. Bereits über 100 Personen haben den Lehrgang absolviert. «Die Kurse sind sehr durchmischt, auch was das Alter angeht. Die Kriterien für die Zulassung sind Erfahrung mit Kindern und die Motivation, sich mit den Themen rund um die Kinderbetreuung vertieft auseinanderzusetzen. Die Tätigkeit als Nanny kann eine gute Möglichkeit sein für den beruflichen Wiedereinstieg für Frauen nach der Kinderpause.» Professionelle Kinderbetreuung ist bis jetzt fast ausschliesslich Frauensache: Ein einziger Mann hat sich bisher zur Nanny ausbilden lassen. «Männer sind im Lehrgang natürlich genauso willkommen», sagt Ruchti.

Kaum geregelt sind die Löhne. «Es gibt wie in jedem Beruf ganz unterschiedliche Lohnmodelle», erklärt Ruchti. Nannyvermittlung.ch wird konkreter: «Es gibt keine festen Löhne. Eine Nanny findet man bei uns bereits ab 20 Franken bis 35 Franken Stundenlohn.» Ein Berufsverband der Nannys, welcher ihre Interessen vertreten würde, existiert nicht. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 29.11.2012, 11:59 Uhr

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44 Kommentare

Walter Eggenberger

29.11.2012, 14:14 Uhr
Melden 110 Empfehlung 17

@ Reisch: Was für ein Blödsinn! Wie kommen Sie nur darauf, dass Nannies zu "Verwahrlosung" führen? Haben Sie irgendwelche Anhaltspunkte, dass die Teilbetreuung durch Nannies negative Auswirkungen auf die Entwicklung eines Kindes hat? Erfahrungen aus dem Ausland lehren das Gegenteil. Ich vermute eher, Sie schimpfen einfach mal pauschal gegen etwas ihnen Unbekanntes. Könnte das sein? Antworten


Fritz Meyerhans

29.11.2012, 13:35 Uhr
Melden 113 Empfehlung 66

"Das zunehmende berufliche Engagement der Eltern lässt die Nanny zum attraktiven Betreuungsangebot werden." Extrem zynischer Kommentar! Korrekter wäre wohl: Die untätige nationale und regionale Politik zwingt unfreiwillige Doppelverdiener dazu, auf teure, individuelle Kinderbetreuungsformen zurückzugreifen. Antworten



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