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Die Polizei nahm vorwiegend Gaffer fest

Erstmals haben verhaftete Gaffer und Mitläufer am 1. Mai von der Polizei eine Wegweisung erhalten und mussten sich anschliessend während 24 Stunden von der Innenstadt und den Kreisen 4 und 5 fernhalten.

1/36 Die Polizei hat am 1. Mai 353 Randalierer festgenommen. Die meisten von ihnen sind extra nach Zürich gereist.

   

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Die befürchteten Krawalle im Nachzug der 1.-Mai-Feier sind ausgeblieben. Zwar lieferten sich die Chaoten mit der Polizei das übliche Katz-und-Maus-Spiel, zu Sachbeschädigungen kam es aber kaum. Offensichtlich kommt bei den mehrheitlich jugendlichen Demonstranten immer mehr «in Mode», mit Flaschen und Steinen auf die Polizei zu werfen. Dabei wurde am Samstag kurz vor 20 Uhr aber nicht ein Polizist, sondern ein 17-jähriger Mann im Bereich Müller-/St.-Jakob-Strasse von einem Pflasterstein am Kopf getroffen.

Der Verletzte musste ins Spital eingeliefert werden. Er konnte es in der Zwischenzeit wieder verlassen. Ob es sich bei ihm um einen Passanten, Gaffer oder Randalierer handelte, wird abgeklärt. Die Polizei konnte den 20-jährigen Steinewerfer verhaften. Daneben wurde auch ein Polizist am Fuss verletzt und musste für kurze Zeit hospitalisiert werden.

Helvetiaplatz abgesperrt

Stadt- und Kantonspolizei unterdrückten die geplante Nachdemonstration schon von allem Anfang an. Im Kanzleiareal, wo zum «revolutionären Treff» aufgerufen wurde, versammelten sich gegen 14 Uhr rund 250 Personen. Als eine Stunde später 30 Linksautonome das Areal verlassen und die Nachdemo organisieren wollten, kesselten die Polizisten das Kanzleiareal ein und sperrten auch den Helvetiaplatz grossräumig ab.

Darauf kam es in der Umgebung der Langstrasse zu Auseinandersetzungen zwischen gewaltbereiten Chaoten und der Polizei. Diese setzte Gummischrot, Tränengas und Wasserwerfer ein. Das Fest des 1.-Mai-Komitees auf dem Zeughausareal konnte aber problemlos durchgeführt werden, und die Besucher blieben von Scharmützeln und Tränengas verschont.

Die Polizei nahm so viele Verhaftungen vor wie noch nie; hauptsächlich im Kanzleiareal. Von den 353 Personen waren 45 Frauen. 14 Personen befinden sich noch in Haft. Bereits am Vormittag hatte die Polizei im Hauptbahnhof und in der Innenstadt mögliche Chaoten kontrolliert und gefilzt. Was auffällt: Nur jeder siebte Verhaftete kommt aus der Stadt.

Der Grossteil der Randalierer sind Krawalltouristen aus dem übrigen Kantonsgebiet und aus vorwiegend deutschsprachigen Kantonen. Zehn Festgenommene wohnen in Deutschland, einer in Italien. Die meisten Verhafteten sind Schweizer und zwischen 18 und 25 Jahre alt.

269 Wegweisungen

Von den 353 Verhafteten wurden 269 nach der Personenkontrolle in der Haftstrasse der Polizeikaserne wieder freigelassen. Diese Gaffer oder Mitläufer, denen die Polizei keine Straftat nachweisen konnte, erhielten eine Wegweisung; dies aufgrund des neuen Polizeigesetzes. Das heisst, sie durften sich nach der Festnahme während 24 Stunden in einem bestimmten Gebiet nicht mehr blicken lassen. Sonst hätten sie bei einer erneuten Personenkontrolle mit Konsequenzen rechnen müssen.

Das Wegweisungsgebiet umfasste das Seebecken sowie die Kreise 1, 4 und 5. Den Personen wurde ein entsprechender Kartenausschnitt abgegeben (siehe Bild). Die restlichen der Verhafteten müssen mit einem Strafverfahren wegen verschiedener Delikte wie Landfriedensbruch, Gewalt und Drohung gegen Beamte, Sachbeschädigung oder Hinderung einer Amtshandlung rechnen.

Erstmals war an einem 1. Mai auch ein Super Puma der Armee im Einsatz. Der Helikopter überflog während Stunden die Innenstadt. Ziel des Einsatzes war, Ansammlungen von Demonstranten frühzeitig zu erkennen und sofort darauf zu reagieren.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.05.2010, 07:04 Uhr

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