Zürich

«Die Polizei wird nicht mehr als Autorität wahrgenommen»

Interview: Christoph Landolt. Aktualisiert am 14.10.2010 12 Kommentare

Die Gewalt gegen Polizisten nimmt zu. Laut Kriminologe Patrik Manzoni sind nicht zuletzt Fussball und Nachtleben dafür verantwortlich.

Schwindende Autorität: Polizisten kontrollieren im Kreis 4 einen Verdächtigen.

Schwindende Autorität: Polizisten kontrollieren im Kreis 4 einen Verdächtigen.
Bild: Keystone

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Patrik Manzoni ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am kriminologischen Institut der Universität Zürich. Er forscht am Lehrstuhl von Professor Christian Schwarzenegger.

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Herr Manzoni, ist die Stadt Zürich für Polizisten ein besonders gefährliches Pflaster?
Ja, das kann man so sagen. Rund 10 Prozent der Anzeigen, die in der Schweiz wegen Gewalt gegen Beamte eingereicht werden, betreffen die Stadt Zürich. Als Zentrum geniesst Zürich nicht nur Vorteile, sondern leidet auch unter den negativen Auswirkungen. Die Wahrscheinlichkeit, als Polizist von Gewalt betroffen zu sein, ist hier deshalb höher.

Laut einer Studie eines ehemaligen Stadtpolizisten hat die Gewalt gegen Polizisten enorm zugenommen. Ist das so?
Die offiziellen Statistiken zeigen tatsächlich eine deutliche Zunahme, nicht nur in der Stadt Zürich, sondern auch im Kanton und in der ganzen Schweiz. Das kann verschiedene Gründe haben, etwa ein verändertes Anzeigeverhalten. Oder dass es schlicht mehr Polizisten hat, die zu Opfern werden können. Aber gemäss den Beamten an der Front hat die Gewalt zugenommen. Das muss man Ernst nehmen.

Wo liegen die Gründe dafür?
Es gibt eine ganze Reihe von Gründen: An Fussballmatches wird eine fast schon institutionalisierte Form von Gewalt zelebriert, die auch Polizisten betrifft. Seit der Liberalisierung des Gastgewerbegesetzes ist eine Nachtindustrie entstanden. Am Wochenende haben die Uniformierten deshalb mit Personen zu tun, die unter Einfluss von Alkohol und Drogen stehen. Möglicherweise hat sich auch die Haltung von Jungen der Polizei gegenüber verschlechtert, das müsste man genauer untersuchen. Dass die Zunahme allein wegen mehr provokativ auftretenden Polizisten zustande kam, halte ich für unwahrscheinlich.

Vor einigen Wochen wurden Polizisten bei einer Personenkontrolle von rund hundert Passanten mit Flaschen beworfen. Hat die Bevölkerung den Respekt vor der Polizei verloren?
Sie wird vermutlich nicht mehr als die Autorität wahrgenommen, die sie früher mal war. Bereits seit Jahrzehnten nehmen die Leute althergebrachte Autorität nicht mehr einfach so hin. Darunter leiden die Kirche und die Ärzte, aber auch die Polizei.

Aus dem Polizeikorps ertönt der Ruf nach einer Uniform, die mehr Respekt verschafft. Die Kleidung soll dunkler, dafür weniger freundlich sein. Hilft das?
Forschungsergebnisse zur Wirkung von Uniformen gibt es nicht. Aber ich stelle mir vor, dass das der falsche Weg wäre. Bei repressiven Einsätzen brauchen die Polizisten natürlich eine Kampfmontur. Sonst aber sollten sie Korrektheit und Kompetenz ausstrahlen. Dazu passt ein Auftreten als Freund und Helfer besser.

Besonders betroffen von Gewalt sind jüngere, unerfahrene Beamte. Ist das normal oder provozieren die mehr?
Dieses Phänomen ist wohl normal. Einerseits arbeiten die erfahrenen Polizisten weniger an der Front und mehr im Büro. Aber es spielt wohl schon auch eine Rolle, dass es eine Weile dauert, bis man die Professionalität der älteren Kollegen und Kolleginnen erreicht hat, die mit Provokationen besser umgehen können.

In der Studie forderten Polizisten auch, dass Kollegen, die immer wieder in Konflikte verwickelt sind, nicht im Strassendienst eingesetzt werden.
In den USA ist das Phänomen des «problem police officer» bekannt. Wenn ein Beamter mehrmals wegen Gewaltanwendung auffällt oder aber selbst Opfer wird, führt der Vorgesetzte ein Gespräch mit ihm. Das halte ich für einen sehr guten Ansatz. Polizisten, die mit dem Gewaltmonopol nicht umgehen können, müssen rausgefiltert werden.

Was ist bei der Polizeiarbeit vonnöten, um Gewalt zu verhindern?
Das Wichtigste ist wohl Kommunikation. Der Job der Polizisten erfordert viel Fingerspitzengefühl. Das Hirn muss genauso gut trainiert sein wie der Bizeps. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.10.2010, 10:47 Uhr

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12 Kommentare

REgina Schnyder

14.10.2010, 12:13 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Ich musste leider schon oft beobachten, dass sich die Polizei gezielt dunkelhäutige Menschen aussuchen und einer Körperkontrolle unterziehen: Ich stand am HB Zürich an der Tramhaltestelle, Polizei fährt vor, steigt aus, geht gezielt auf Afrikaner zu, kontrolliert, tastet ab und fährt wieder davon. Soll solches Verhalten auf Sympathie in der Bevölkerung stossen? Fördert das den Respekt vor Polizei? Antworten


Alex Steiner

14.10.2010, 11:43 Uhr
Melden

Natürlich könnte es auch an den Polizisten selbst liegen... Mit der Aktion "Respekt" der StaPo Zürich, habe ich jeglichen Respekt vor Polizisten verloren. Antworten



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