Die Sache mit dem Rausch

Die Street Parade hat in ihrer 17-jährigen Geschichte massive Umwälzungen erfahren - und mit ihr auch der Drogenkonsum. Das mittlerweile grösste Problem ist der Alkohol.

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Alkohol, Alkohol, Alkohol. Die Dreifachnennung ist als Imperativ zu verstehen, der die Street Parade 2008 prägen und sich als allgegenwärtiger Subtext unter die Sounds der Love Mobiles mischen wird. Die legale Droge, die sich in den letzten Jahren neben Kokain massiv auf dem Vormarsch befindet, wird ihre Wirkung auch bei der Parade entfalten. In diesem Punkt sind sich Polizei, Experten und Organisatoren einig.

Man könnte auch sagen: Alkohol ist die neue Partydroge. Als 1992 rund 2000 Menschen zum ersten Mal an einem Nachmittag den Love Mobiles tanzend durch die Stadt folgten, trieb noch eine ganz andere Substanz viele Raver an: Ecstasy. Die Pillen mit den lustigen Aufdrucken und noch lustigeren Namen wie Schweinchen im Weltall oder Kleeblättli sorgten für eine so aufgeweckte wie friedliche Atmosphäre. Alkohol war damals beinahe tabu und galt gemischt mit Ecstasy gar als gefährlich.

Trinken am Volksfest

17 Jahre später ist alles anders, wie Alex Bücheli, städtischer Drogenexperte, erklärt: «Die Wichtigkeit der beiden Drogen hat sich in dieser Zeitspanne quasi gespiegelt. Das wird sich an diesem Wochenende ganz klar zeigen.» Erstaunlich ist dies nicht. Denn der einstige Umzug einer kleinen, homogenen Szene ist längst zum Volksfest mutiert und stellt damit auch ein Abbild der momentanen (Party-)Gesellschaft dar - und die greift eben gerne zur Flasche.

Die veränderten Rausch-Vorlieben haben auch auf die Arbeit der Polizei einen Einfluss. Ruedi Rhyner von der Stadtpolizei sagt: «Die Arbeit hat sich für uns erschwert. Die Hemmschwelle von alkoholisierten Menschen ist grundsätzlich tief. Das führt dazu, dass wir mittlerweile selbst für Einsätze der Sanität Polizeischutz aufbieten müssen.» Er stellt dabei fest, dass die Situation sich gegen Ende der Street Parade verschlimmert und dann bei den Anschlussveranstaltungen oftmals eskaliert. «Man kann diese Entwicklung regelrecht mitverfolgen.»

Gutschein für Mineral

Ein Prozess, der auch den Organisatoren des Massen-Events nicht verborgen geblieben ist. Stefan Epli ärgert sich über die «Alkleichen», die man vor allem im letzten Jahr an der Parade-Route gesehen hat. Mit einem Präventionskonzept, bestehend aus Info-Flyern und rund 80 Helfern vor Ort, wollen die Organisatoren nun gegen diesen Trend angehen. Auffälligen Personen werden dabei Gutscheine für Mineralwasser abgegeben, zudem ist Bier zwei Franken teurer als Softdrinks. Und das Konzept, keinen harten Alkohol zu verkaufen, sei laut Epli niemals infrage gestanden. «Obwohl wir damit sehr viel mehr Einnahmen generieren könnten.» Das vom Biersponsor unterstützte Präventionskonzept - Epli: «Kein Widerspruch. Das negative Bild von Alkoholexzessen liegt ja auch nicht in seinem Interesse.» - gewinnt vor den Äusserungen von Esther Maurer an Bedeutung. Denn die Polizeivorsteherin hat im Vorfeld der Street Parade verschiedentlich durchblicken lassen, dass sie sich ernsthafte Gedanken über die weitere Bewilligung des Events macht. Sie stösst sich dabei am sichtbaren, übermässigen Alkoholkonsum und verweist vor allem auf die Todesfälle, die sich im Umfeld der Street Parade ereignet haben.

Wird der Street Parade also vielleicht schon im nächsten Jahr der Stecker gezogen? Eher nicht. Der Status als touristische Gratis-Promotion für die Stadt wird dem Anlass wohl noch weiter Energie und vor allem Rückhalt geben. Wobei eines klar ist: Bilder von einem alkoholisierten «Saubannerzug» 2008 würden auch der Diskussion über eine Nicht-Bewilligung 2009 neuen Nährstoff geben.

Alles zum Züritipp Online-Special über die Street Parade finden Sie unter www.zueritipp.ch (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.08.2008, 11:21 Uhr

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