Zürich

Die Schattenseite der Westumfahrung

Von Philipp Albrecht. Aktualisiert am 25.08.2010 22 Kommentare

Seit April 2009 ist die Stadt faktisch vom Transitverkehr befreit. Und seit drei Wochen ist die einstige Westtangente teilweise gesperrt. Nun zwängt sich der Schleichverkehr durch die engen Quartierstrassen im Kreis 2.

1/5 An den verengten Stellen der Brunaustrasse muss immer wieder auf das Trottoir ausgewichen werden.
Leserreporter: Xaver Baiges

   

Die GPS-Geräte sind wohl schuld, dass der Schwerverkehr in die Brunaustrasse einfiel. Die satellitengesteuerte Navigation führt den Verkehr über den schnellsten Weg in die Stadt: eine Quartierstrasse. Das Problem begann im Frühling letzten Jahres, als die Westumfahrung eröffnet wurde. Die grosse Mehrheit des Transitverkehrs macht seither zwar einen Bogen um Zürich. Doch der sogenannte Ziel-/Quellverkehr in die Stadt hinein und aus der Stadt heraus ist geblieben. Flankierende Massnahmen wurden ergriffen, damit die einst so belasteten Strassen des Transitverkehrs wieder entlastet wurden. Doch seither leidet die Brunaustrasse im Quartier Enge unter der Last des Verkehrs.

«Es wird langsam unerträglich», beklagt sich Xaver Baiges. Der Anwohner beobachtet nicht nur regelmässig kleinere Auffahrunfälle, sondern spricht gar von «schockierenden Bildern». Zum Beispiel dann, wenn Lastwagen auf das Trottoir ausweichen, um dem Gegenverkehr in der verengten Quartierstrasse Platz zu machen. «Schleichverkehr ist ja an sich kein so grosses Problem, aber inzwischen müssen wir auch noch den Schwerverkehr schlucken», beklagt sich Baiges. Dazu kommt, dass viele Autofahrer mitten im Quartier ein sehr aggressives Fahrverhalten an den Tag legen: «Es wird sehr oft gehupt und rücksichtslos auf das Trottoir ausgewichen.»

«Den Blitzkasten sieht man leider schon von weitem»

An einer vom Quartierverein Enge einberufenen Standortbestimmung im Juli letzten Jahres stand die Stadt einer erbosten Quartierbevölkerung gegenüber. «Wir haben den halben Kanton Schwyz, Zug und Luzern vor der Haustür und sind stinksauer», ärgerte sich damals ein Anwohner der Brunaustrasse. Die Dienstabteilung Verkehr der Stadt versprach Massnahmen, die sie auch umgehend realisierte. Unter anderem wurden zusätzliche versetzte Parkplätze in der blauen Zone erstellt und ein mobliler Blitzkasten aufgestellt.

Xaver Baiges weiss die Sofortmassnahmen der Stadt zu schätzen, bemängelt jedoch deren Effizienz: «Den Blitzkasten sieht man leider schon von weitem.» Würde man dort regelmässig Polizeikontrollen durchführen, gäbe es hohe Einnahmen für die Stadt, ist er überzeugt. Das Problem aber sei, dass man den Verkehr nicht der Allmendstrasse entlang und über die Manessestrasse leite. Diese Strassen könnten mehr Verkehr tragen als die enge Brunaustrasse.

Verkehr um 60 bis 70 Prozent zugenommen

Der Quartierverein weiss um das Problem der Brunaustrasse-Anwohner, ist aber laut Baiges nicht genug offensiv. Präsident Jean-Marc Hensch verteidigt sich: «Wir warteten die Werkleitungssanierungen an der Schulhausstrasse ab. Sie hat eine ähnliche Funktion wie die Brunaustrasse und muss nun genau beobachtet werden, bevor man handelt.» Ein Runder Tisch zur Lösung des Problems sei aber bereits in Planung.

Die Dienstabteilung Verkehr kann diese Woche keine Stellung zur Situation nehmen. Im Mailverkehr mit Anwohner Baiges erwähnte man aber ein Projekt, das zum Ziel habe, die Verkehrsmengen in der Brunaustrasse wieder auf das alte Niveau zu reduzieren. Die Zahlen, die sie im Juli publizierten, geben aber den Quartierbewohnern recht: Um 60 bis 70 Prozent sei der Verkehr an der Brunaustrasse angestiegen seit der Eröffnung der Westumfahrung. Trotzdem sprach man in der Mitteilung von einer «Erfolgsstory Westumfahrung», da der Transitverkehr stark abgenommen habe. Ein Hohn gegenüber den Anwohnern. Jean-Marc Hensch: «Von einer Erfolgsstory kann hier keine Rede sein.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.08.2010, 11:31 Uhr

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22 Kommentare

Albin Meyer

25.08.2010, 13:02 Uhr
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Auch in meinem Wohnquartier in Zürich Neubühl spürt man seit der Eröffnung des Uetlibergtunnels einen massiven Anstieg des Schleichverkehrs. Vor allem Autos mit Schwyzer- und Zuger-Nummern fahren von der Autobahnausfahrt Wollishofen aus durch die Quartierstrassen in die Stadt, um dem Stau auf der Hauptachse (Albisstrasse) auszuweichen. Das Tempo-30-Limit wird von diesen Pendlern oft missachtet. Antworten


Kurt Gsell

25.08.2010, 13:25 Uhr
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Das Problem ist nicht die Westumfahrung, sondern die innerstädtischen Sperrungen. Wie im Artikel ausgeführt geht es um den Ziel- und Quellverkehr der Stadt selbst. Also um Versorgung der Stadt. Diese kann, aller Ideologie zum Trotz, nun 'mal nicht mit dem ÖV erfolgen. Antworten



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