«Die Stadt hat uns ruiniert»
Interview: Christoph Landolt. Aktualisiert am 07.01.2010 29 Kommentare
«Wir wollen selbstständig bleiben»: Jens Gloor und sein Mann Carlos Garetta.
Störten den SP-Wahlkampfanlass: Gloor, Garetta und Susi Gut, die fürs Stadtpräsidium kandidiert.
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Herr Gloor, Sie haben gestern nicht nur Stadtpräsidentin Corine Mauch angegriffen, sondern auch mit Schildern Werbung für Susi Gut gemacht. Wie kommt es dazu, dass Sie sich für eine Politikerin einsetzen?
Nachdem unsere Bar «Nervous» im Oktober 2008 zwangsgeschlossen wurde, haben wir vor Weihnachten einen offenen Brief an Frau Mauch geschickt, in dem wir gefordert haben, dass man unser Anliegen endlich ernst nimmt. Darauf hat sich Susi Gut sofort bei uns gemeldet und uns zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Sie hat erkannt, dass da in der Verwaltung etwas unter den Teppich gekehrt wird. Susi ist die erste Politikerin, die uns helfen will.
Wessen Idee war es, den SP-Wahlanlass zu stören?
Unsere.
Corine Mauch ist erst seit letztem April im Amt. Warum attackieren Sie die Stadtpräsidentin, und nicht Kathrin Martelli, die dem Hochbaudepartement vorsteht, das Ihre Bewilligung verschlampt hat?
Martelli lässt jeweils nur ausrichten, der Fall sei Sache des Stadtrats. Sie verweigert sich uns konsequent. Deshalb ist Frau Mauch am Zug – sie ist die Vorgesetzte von Martelli und müsste sie endlich zur Rechenschaft ziehen. Aber auch an Mauch kommen wir nicht ran. Sie ist abgehoben, abgeschottet und überfordert. Zürich hätte eine bessere Stadtpräsidentin verdient.
Ihr Partner Carlos Garotta schrie gestern, Mauch hasse Gays. Sollte sie als Lesbe nicht gegen homophobe Reflexe gefeit sein?
Sie müssen wissen, dass es zwischen Schwulen und Lesben nicht viele Schnittpunkte gibt. Viele Lesben verhalten sich eher männlich und finden Schwule, mit ihrer weiblichen Seite, nicht so toll. Wir teilen zwar gewisse Anliegen mit der lesbischen Community, aber im Alltag gibt es einen gewissen Gap zwischen den beiden Lagern. Auch im «Nervous» mussten wir das trennen. Am Lesbian Tuesday waren jeweils nur Frauen zugelassen.
Aber klar, mein Mann war gestern sicher ausser sich. Carlos ist sehr emotional, ihn hat die ganze Sache stark mitgenommen. Er hat zwei abgebrochene Zähne, die er immer wieder mit Sekundenkleber reinleimen muss, weil wir kein Geld für den Zahnarzt haben.
Die Stadt hat Ihnen im Sinne eines Vergleichs 10'000 Franken angeboten. Sie haben das als Erpressung bezeichnet. Was wollen Sie von der Stadt?
Dieser Betrag ist lächerlich klein. Wir wollen keinen Maulkorb, sondern Gerechtigkeit, schliesslich haben wir wegen der Stadt alles verloren. Vorher lebten Carlos und ich in einer Wohnung für 4000 Franken im Monat, jetzt in einer temporären Bleibe zwischen Möbeln aus dem Brockenhaus. Wir sind völlig pleite, weil wir unsere Bar seit mehr als einem Jahr nicht öffnen dürfen. Im November haben wir deshalb Haftungsklage gegen die Stadt eingereicht und fordern eine Entschädigung von 553'000 Franken.
Finden Sie das nicht ein bisschen viel?
Wir haben einen sechsstelligen Betrag in die Ausstattung der Nervous-Bar investiert. Dann kommt der Verdienstausfall dazu und Werbung, die wir niemals getätigt hätten, wenn wir gewusst hätten, dass uns die Stadt nach vier Wochen den Stecker zieht. Und dann hat auch unser Ruf als Unternehmer gelitten. Wir wollen aber selbstständig bleiben, und mit diesem Geld könnten wir wieder eine Bar eröffnen. Wir haben bereits einen Vorvertrag für ein Lokal im Kreis 4 abgeschlossen.
Das Hochbaudepartement hat zugegeben, dass Sie eigentlich zum Betrieb der «Nervous»-Bar berechtigt gewesen wären. Was steht einer Wiedereröffnung im Weg?
Der Pächter der Liegenschaft, in dem die Bar war, hat darin inzwischen ein neues Lokal eröffnet. Und natürlich fehlt uns das Geld, um den Betrieb wieder aufzunehmen. Wir haben ja nichts mehr.
Fehlt Ihnen ein kompetenter Anwalt, der die nötige emotionale Distanz zum Fall hat und gegenüber der Verwaltung den richtigen Ton anschlagen könnte?
Natürlich! Wir waren ja bei Valentin Landmann, der auch den Vergleich ausgehandelt hat. Er hat uns tatsächlich empfohlen, diese 10'000 Fränklein anzunehmen, die ja kaum sein Honorar abgedeckt hätten. Wir haben Landmann unser letztes Geld gegeben. Nachdem er uns eine Quittung ausgestellt hat, haben wir jeweils angefangen zu reden. Ohne Geld hilft Ihnen kein Anwalt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 07.01.2010, 12:55 Uhr
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29 Kommentare
Gehe mit Joseph Aecherli einig - und sogar weiter: Die beiden sicher Geschädigten, welche sicher rechtskundig vertreten sind (angesichts der hohen geltend gemachten Schadenssumme wegen "Betriebsaufgabe"...), kennen sicher die Zutändigkeiten in der Stadt: Sie fahren eine Strategie - die jedoch zweifelhaft ist. Auch sie trifft es: Mehr Schall und M(R)auch als Inhalt! Antworten
Eigentlich sehr schade wie die beiden Herren ihren Goodwill verspielen. Ihre polemischen Anspielungen richtung Lesben, komplett irrsinnige Zahnarztmethoden und dann noch eine Forderung von über einer halben Million an die Steuerzahler für ihre neue Bar lassen nur negativ aufhorchen. Wenn jemand von einer 4000-Franken-Wohnung direkt in die Pleite gerät, steckt immer mehr als einie Behörde dahinter. Antworten


































