«Die Swisscom will krampfhaft ihr Monopol retten»

Auch die Swisscom erschliesst nun Wohnhäuser mit Glasfasern. Das EWZ habe mit seinem eigenen Netz den Wettbewerb ausgelöst, erklärt Stadtrat Andres Türler.

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Mit Andres Türler (FDP) sprach Janine Hosp

Herr Türler, im Abstimmungskampf wurde behauptet, dass in absehbarer Zeit keine Telecomfirma Haushalte mit Glasfasern erschliessen werde – deshalb müsse das EWZ in die Bresche springen. Nun ist die Swisscom aber bereits an der Arbeit.
Die Swisscom hat bis vor wenigen Monaten behauptet, ihre Kupferkabel genügten noch lange. Sie ist im Abstimmungskampf auch gegen das EWZ angetreten und hat eine massive Gegenkampagne losgetreten. Nun hat die Swisscom aber eine Kehrtwende um 180 Grad vollzogen – offenbar haben wir mit unserem Netz den Wettbewerb ausgelöst.

Nun kommt es genau zu dem, was die Stadt mit ihrem Glasfasernetz für alle verhindern wollte – zu einem teureren Infrastrukturwettbewerb.
Absolut. Da stellt sich tatsächlich die Frage, ob hier ein Regelungsbedarf von Bundesbern gegeben ist. So einen Blödsinn wie beim Mobilfunknetz müssen wir nicht nochmals begehen und mehrere Netze aufbauen.

Sie sagten, das Netz des EWZ steht allen Anbietern offen. Das heisst also auch der Swisscom.
Die Swisscom könnte problemlos auf unser Netz kommen. Aber offenbar will sie lieber Milliarden von Franken investieren. Da muss sich die Kundschaft schon fragen: Weshalb tut sie das?

Weshalb?
Nun, sie will krampfhaft ihr Monopol in die nächste Generation hinüberretten. So hat sie auch ein ganz anderes System als wir: Sie legt ein Kabel mit vier Fasern – und vier Steckdosen – in die Haushalte und versucht, die einzelnen Kabel zu verkaufen. Wir hingegen verlegen nur ein Kabel. Darauf können alle Provider diskriminierungsfrei ihre Dienste anbieten.

Ist es möglich, dass das EWZ und die Swisscom doch noch zusammenspannen?
Wir sind mit der Swisscom im Gespräch; unser Angebot liegt klar auf dem Tisch. Aber solange sich die Swisscom nicht festlegt, kommen wir nicht weiter.

Swisscom-Chef Carsten Schloter sagte gegenüber der «NZZ am Sonntag», dass sein Unternehmen nicht dort bauen werde, wo bereits gebaut wurde. Beginnt nun ein Wettrennen um die Erschliessung der Haushalte?
Wenn die Swisscom ein Quartier erschliesst, dann erschliessen wir es nicht auch noch. Aber Carsten Schloter kann schon behaupten, dass er im grossen Stil bauen will. Im Gegensatz zu uns muss er nicht offenlegen, ob er dies auch kann und tun will. Wir sind allerdings schon sehr weit mit unserem Netz – jede Liegenschaft hat im Umkreis von maximal 100 Metern einen Anschluss an das Glasfasernetz.

Es liegt auf der Hand, dass sich die Swisscom ein Stück vom Kuchen abschneiden wird. Wird das EWZ seine Gewinnerwartungen von 6 bis 9 Prozent zurückschrauben müssen?
Wenn sich zeigen würde, dass das EWZ die angestrebte Rendite nicht erreichen kann, müssten wir über die Bücher gehen und schauen, ob wir an unseren Plänen für den weiteren Ausbau festhalten wollen oder nicht. Wir setzen kein Geld in den Sand. Aber unsere Aussichten sind nicht schlecht.

Die Swisscom sucht intensiv nach Partnern. Bleiben Sunrise und Orange beim EWZ – oder ist die Swisscom attraktiver?
Wir stellen bei uns keine Absatzbewegung fest, ganz im Gegenteil. Neben Sunrise und Orange bieten auf unserem Netz Netstream, green.ch, Init Seven, GGA Maur und die Translumina ihre Dienste an. Und laufend kommen weitere hinzu. Die kleineren Provider werden der Swisscom nie ein Kabel abkaufen, dazu fehlen ihnen schlicht die Mittel. Bei uns aber können sie sich kostengünstig ein neues Ansatzgebiet erschaffen.

Sind Sie beunruhigt, dass Sie nun einer solch potenten Konkurrentin gegenüberstehen?
Nein. Wir sind im Gegenteil zu einem gewissen Grad stolz auf unser Projekt. Als wir vor drei, vier Jahren sagten, dass wir in diese zukunftsträchtige Technologie investieren wollen, hat uns die ganze Branche belächelt und behauptet, Glasfasern hätten eh keine Zukunft. Die Kehrtwende der Swisscom zeigt aber, dass wir Recht hatten. Wir haben einfach den Wettbewerb zum Spielen gebracht, und am Ende wird die Kundschaft davon profitieren. «Einen Blödsinn wie beim Mobilfunknetz müssen wir nicht nochmals begehen.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.09.2008, 22:22 Uhr

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