Zürich

Die Veloplatz-Diskussion hat «skurrile Züge» angenommen

Von Philipp Albrecht. Aktualisiert am 13.08.2010 32 Kommentare

Müssen nun sämtliche Vermieter vor ihrer Liegenschaft in Zürich einen Veloständer montieren? Das behaupteten gestern Gewerbevertreter. Beim Tiefbaudepartement löst das nur Kopfschütteln aus.

Wird die Stadt mit Veloständern zugestellt? Vier Zürcher Verbände befürchten das.

Wird die Stadt mit Veloständern zugestellt? Vier Zürcher Verbände befürchten das.
Bild: Keystone

Wohin mit den Velos?

Erich Willi vom Tiefbaudepartement geht davon aus, dass die Veloabstellplätze bei Neubauten mehrheitlich in den Gebäuden eingeplant werden. Dies zumindest bei Liegenschaften, wo gewohnt und gearbeitet wird. Gebäude, die von Kunden und Besuchern frequentiert werden, brauchen Veloplätze in der Nähe des Eingangs. Ob diese gedeckt sein müssen, werde sich noch in der Praxis zeigen. «Gesichert» müssen sie aber sein. Markus Knauss vom VCS betont jedoch, dass damit keine Käfige gemeint sind. Eine Stange mit Drahtseil zum Abschliessen der Velos reiche aus. (alb)

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Es gilt, einige Missverständnisse zu beseitigen. Mehreren Zürcher Verbänden ist die neue Parkplatzverordnung der Stadt Zürich ein Dorn im Auge. Gestern Donnerstag brachten sie über die Medien mit umstrittenen Argumenten ihre Wut zum Ausdruck. FDP und SVP ergriffen bereits vor den Sommerferien das Behördenreferendum im Gemeinderat, und nun reichten vier Stadtzürcher Verbände beim Bezirksrat Beschwerde ein. Am meisten stört sie die Vorschrift, dass vor jeder Liegenschaft gedeckte und gesicherte Veloabstellplätze aufgestellt werden müssen.

Beim zuständigen Zürcher Tiefbauamt herrscht Ratlosigkeit: «Entweder verstehen sie es nicht, oder sie fanden keinen anderen Grund um dagegen zu sein», mutmasst Projektleiter Erich Willi. Er stellt klar, dass die Revision der Parkplatzverordnung bezüglich Veloparkplätzen grundsätzlich keine Änderungen zur Ursprungsversion aus dem Jahr 1996 aufweist: «Auch bisher musste bei Neubauten oder wesentlichen baulichen Veränderungen eine gewisse Anzahl Veloparkplätze nachgewiesen werden.» Einzig bei bewohnten Liegenschaften werde dieser Anteil nun leicht erhöht, da der bisherige Wert zu klein war. Der neue Wert orientiere sich dabei an den Richtwerten des Kantons und an den Empfehlungen des Bundes. «Die Erfahrung zeigt, dass bei Wohnbauten mit dem bisherigen Wert die Nachfrage das Angebot deutlich übersteigt», erklärt Willi.

Bewusste Polemik der Bürgerlichen und Gewerbler?

Der grösste Unterschied zur bestehenden Verordnung liege in der Tatsache, dass die Zweiräder bisher nur in einem beigelegten Merkblatt geregelt wurden. Nun werde dieser Absatz aus praktischen Gründen in die Verordnung genommen. Die Diskussion habe für ihn daher «skurrile Züge» angenommen. Das sieht Markus Knauss vom VCS ähnlich: «Ich verstehe die ganze Aufregung nicht.» Schliesslich sei ein Baurecht grundsätzlich immer auf die Zukunft ausgerichtet. Die Verbände betreiben seiner Meinung nach bewusste Polemik gegen Selbstverständlichkeiten im Umweltschutz. «Es ist mir echt unverständlich, wie man heute noch gegen Veloabstellplätze sein kann.»

Andreas Zürcher, Geschäftsführer der City-Vereinigung Zürich, räumt ein, dass sich mit der Verordnung nicht alles von heute auf morgen ändern würde. Auch sei ihm bewusst, dass die Veloparkplätze nur für Neubauten und bei Renovierungen mit wesentlichen Veränderungen gelte. Dennoch ist er überzeugt, «dass das Stadtbild wegen den vielen neu zu errichtenden gedeckten Veloabstellplätzen in den nächsten 10 bis 15 Jahren stark verschandelt wird». Er verweist explizit auf die Regelung für Gastronomiebetriebe, die (bei Neubauten) pro zehn Sitzplätze einen Veloabstellplatz zur Verfügung stellen müssen. Laut Erich Willi vom Tiefbaudepartement war das aber bisher schon so.

Das letzte Wort hat das Stimmvolk

Auch wenn die Suppe am Ende nicht so heiss gegessen wird, wie sie gekocht wurde: Für Andreas Zürcher gilt es die Revision der Parkplatzverordnung um jeden Preis zu verhindern. Und dies nur schon «weil bei allen baubewilligungspflichtigen Bauten in Zukunft immer auch an die Veloabstellplätze gedacht werden muss». Am Ende wird das Stimmvolk darüber befinden. Markus Knauss vom VCS ist überzeugt, dass es im Sinne der politischen Mehrheit in der Stadt stimmen wird: «Frühere Abstimmungen haben gezeigt, dass der Verkehr und der Mangel an Velowegen und -Abstellplätzen zu den drängenden Problemen in einer Stadt wie Zürich gehören.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.08.2010, 14:04 Uhr

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32 Kommentare

lars stebler

13.08.2010, 18:18 Uhr
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mein vermieter hat mich gezwungen, zwei velostellplätze zu mieten, welche ich nicht brauche. er argumentiert, dass er sie bauen musste, eigentlich nicht wollte. nun, ich muss pro platz im haus Fr. 20.- pro Monat zahlen, macht Fr. 40.-. Hätte sonst die Whg nicht erhalten. Schon schade, dass mich der Staat nebst Steuern zu immer mehr Zwangsabgaben zwingt. Antworten


Thomas Müller

13.08.2010, 17:00 Uhr
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Veloabstellplätze verschandeln das Stadtbild? Ja und was sind denn die vielen Parkplätze? Eine Augenweide?!? Bürgerliche, Gewerbeverein, City-Vereinigung etc. sind einfach nur noch grotesk-lächerlich wenn es um Verkehrs- oder Parkplatzdebatten geht. Antworten



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