«Die Wohnpolitik ist sehr träge geworden»

Von Denise Marquard. Aktualisiert am 28.11.2008 1 Kommentar

Mit provokativen Aktionen kämpft das Stadt-Labor seit fünf Jahren für bezahlbare Wohnungen. Gründungs- mitglied Thomas Stahel erklärt, warum und was es gebracht hat.

Thomas Stahel vor dem Kalkbreite-Areal im Kreis 4, wo ein neues Stück Stadt entstehen soll.

Thomas Stahel vor dem Kalkbreite-Areal im Kreis 4, wo ein neues Stück Stadt entstehen soll.
Bild: Doris Fanconi

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Zur Person

Thomas Stahel ist Historiker. Mit «Wo-Wo-Wonige!» hat er ein Nachschlagewerk zur wohnpolitischen Situation geschaffen.

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Thomas Stahel, das Stadt-Labor gibt es seit 5 Jahren. Ist das ein Grund zum Feiern?
Ich finde schon. Es ist doch ein Erfolg, dass es uns überhaupt noch gibt. Wir haben mit sehr beschränkten Mitteln und viel Freiwilligenarbeit viele Veranstaltungen gemacht und ein Bewusstsein für eine kritische Stadtentwicklungspolitik geschaffen.

Was genau macht das Stadt-Labor?
Am Anfang haben wir vor allem Podien, Rundgänge und andere konventionelle Veranstaltungen durchgeführt. Im Laufe der Zeit haben die Aktivitäten immer stärker einen Kampagnencharakter bekommen.

Zum Beispiel?
Mit der Veranstaltungsreihe «Hot Spot Langstrasse» haben wir die Langstrassen-Problematik aufgegriffen. In der Umfrage «Spreng dir was!» haben wir das hässlichste Bauwerk der Stadt symbolisch in Form eines Modells in die Luft gesprengt. Wir führen «permanente Frühstücke» an öffentlichen Orten durch, die durch den Autoverkehr unwohnlich geworden sind. Und mit «Fette-Mieten-Parties» protestieren wir gegen zu hohe Mieten in der Stadt.

«Party» ist eine Verharmlosung. Eigentlich handelt es sich um knallharten politischen Aktionismus.
So schlimm ist es nicht. Wir verkleiden uns und erscheinen als ungebetene Gäste bei öffentlichen Luxuswohnungs-Besichtigungen. Dabei informieren wir über die Mietzinspreise und die Wohnungsnot in der Stadt und machen klar: So darf es mit der Wohnungspolitik in Zürich nicht weitergehen.

Warum braucht es dazu dieses Polit-Spektakel?
Seit 1990 haben wir im Stadtrat und meistens auch im Gemeinderat eine rot-grüne Mehrheit. Über die Jahre hat sich bei den Linken – insbesondere bei der SP – eine Trägheit bemerkbar gemacht. Die offizielle Stadtentwicklungspolitik beschränkt sich fast ausschliesslich auf Aufwertungsmassnahmen. Wir aber wollen eine Politik, die die Durchmischung der Bevölkerung fördert und sich mehr am sozialen Denken orientiert.

Wie ist das Stadt-Labor entstanden?
Die Rote Fabrik hat 2002 eine Veranstaltungsreihe unter dem Titel «Città chiusa» («geschlossene Stadt») organisiert. Wir haben die Frage gestellt: Wer kann sich Zürich noch leisten? Dieses Problem ist heute noch aktuell. Aus «Città chiusa» hat sich das Stadt-Labor entwickelt. Im ersten Jahr haben wir im Bogen 13 fast wöchentlich eine Veranstaltung durchgeführt und intensiv debattiert. Seither sind wir an keinen festen Ort mehr gebunden.

Was können Sie als konkreten Erfolg Ihrer Aktionen vorweisen?
Wir haben 2006 einen Workshop zur Zukunft des Kalkbreite-Areals organisiert. Aus diesem Workshop entstand zuerst ein Verein und später eine Genossenschaft. Sie hat inzwischen das Areal im Baurecht erhalten. In den nächsten Jahren wird dort eine ökologische und zukunftsweisende Überbauung entstehen. Auch sonst können wir auf fünf bewegte Jahre zurückblicken. Für eine relativ kleine Gruppe sind wir recht bekannt geworden und haben viel Öffentlichkeit erlangt.

Mehr Nachrichten und Hintergründe aus der Stadt Zürich gibt es täglich im Regionalbund des Tages-Anzeigers. Schreiben Sie direkt an stadt@tages-anzeiger.ch (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.11.2008, 21:37 Uhr

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1 Kommentar

Hans Glutz

29.11.2008, 00:52 Uhr
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Hauptschuld an der Wohnungsnot. 1. grösserer Flächenbedarf des Einzelnen (fast doppelt so viel wie vor 50 Jahren). 2. Bauordnung die fast alles bodigt. Mein Wunsch: ein Stadtquartier entstehen lassen, ca. 6 stöckig, bauten wie in den 30er Jahren, wie Paris, Berlin ... Wo: z.B. zentral, wo heute 2-4 stöckig. Heutige Neubauten sind wüst!!! Einzelne Mieter subventionieren finde ich dagegen unsozial Antworten



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