Zürich

Die Zukunft des Backsteinkolosses

Von Tina Fassbind. Aktualisiert am 02.09.2011 4 Kommentare

Am kommenden Sonntag wird nicht nur über das neue PJZ abgestimmt, sondern auch über die Zukunft des Güterbahnhofs. Was ist dran an diesem Koloss aus längst vergangenen Zeiten?

1/9 Ungewisse Zukunft: Wird mit der Abstimmung vom kommenden Sonntag das PJZ-Gesetz und damit das Projekt mit dem neuen Gestaltungsplan für das Areal angenommen, muss der Güterbahnhof weichen.
Bild: Janine Hosp

   

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Am Sonntag entscheiden sich die Zürcher Stimmberechtigten für oder gegen das Gesetz für ein Polizei- und Justizzentrum (PJZ). Es sieht vor, auf dem Areal des Güterbahnhofs in Zürich-Aussersihl verschiedene Abteilungen der Kantonspolizei und der Strafverfolgungsbehörden zu bündeln.

Mit dem Abstimmungsentscheid vom kommenden Sonntag wird auch über die Zukunft eines Gebäudes von historischer Bedeutung entschieden. Der Güterbahnhof von Zürich ist im kommunalen Inventar für schützenswerte Bauten aufgeführt. Es existiert auch ein eidgenössisches Gutachten, das dieses Gebäude als schützenswert einstuft.

Güterversorgung nur über Schienen

«Der Güterbahnhof ist unbestritten ein wichtiger Zeitzeuge der Verkehrs- und Wirtschaftsgeschichte Zürichs», betont auch Markus Fischer, Vorstandsmitglied Stadtzürcher Heimatschutz. «Anfang des 20. Jahrhunderts wurde praktisch die gesamte Güterversorgung der Stadt über die Schienen abgewickelt. Auf diesem Weg kamen beispielsweise Heizmaterialien und Lebensmittel nach Zürich.»

Auch typologisch sei es ein Pionierbau. Vor allem die Erschliessung über die sogenannten Sägezahnrampen war damals einzigartig. «Der Güterbahnhof besteht aus dem Kopfbahnhof und den dahinterliegenden, parallel gebauten Hallen. Sie wurden durch die dazwischen liegenden Schienen mit der Bahn erschlossen», so Fischer. «Über die Sägezahnrampen konnten die Wagons in die Hallen einfahren. So wurde das Rangieren und der Umschlag der Waren in den Hallen erleichtert.»

International ein Vorbild

Der Name der Rampen rührt von deren Anordnung her. Von oben betrachtet sehen die abzweigenden Schienen aus wie Sägezähne, an deren Enden die Laderampen stehen. Erfunden hat sie der Schweizer Bahningenieur Robert Moser. «Es war der erste Bau dieser Art, die Sägezahnrampen kamen danach international zur Anwendung.»

Der Heimatschutz erachte es daher als ausgesprochen wichtig, dass möglichst grosse Teile des Güterbahnhofs erhalten bleiben – aber auch genutzt werden. «Eine Umnutzung, Ergänzungsbauten oder ein Teilrückbau wären durchaus denkbar und möglich auf dem Areal», so Fischer. Abgesehen davon sei ein Gebäude erst dann formell aus dem Inventar entlassen, wenn eine rechtsgültige Baubewilligung und eine Baufreigabe vorliegen. «Erst dann darf man mit dem Abbruch beginnen», betont Fischer.

Abriss nur bei grossem öffentlichem Interesse

Noch ist das Schicksal des Güterbahnhofs nicht besiegelt. Sollte das Gesetz über das PJZ am Wochenende bachab geschickt werden, dann wird der Güterbahnhof nicht abgerissen, sondern erneut ins Inventar für schützenswerte Bauten aufgenommen. Dann darf dort nur etwas abgerissen werden, wenn der Zürcher Stadtrat das betroffene Gebäude aus dem Inventar entlässt.

Damit einem Abriss zugestimmt wird, muss ein grosses öffentliches Interesse daran bestehen. «Das war beim PJZ gemäss Einschätzung des Stadtrats der Fall. Deshalb hat er das Gebäude für dieses Neubauprojekt aus dem Inventar entlassen», erklärt Urs Spinner, Sprecher des Zürcher Hochbaudepartements. Der Heimatschutz hat zwar dagegen rekurriert, «aber die Gerichte haben dem Stadtrat Recht gegeben.»

Im Vorfeld der Abstimmungen wurde auch der Wunsch nach neuem Wohnraum auf diesem Areal laut. Doch gemäss Bau- und Zonenordung sind an dieser Stelle nur Handels- und Dienstleistungsnutzungen möglich. Wohnungen können keine errichtet werden. «Wird mit der Abstimmung vom kommenden Sonntag das PJZ-Gesetz und damit das Projekt mit dem neuen Gestaltungsplan für das Areal versenkt, gilt künftig wieder die bestehende Bau- und Zonenordung», betont Spinner.

Am Sonntag berichtet Tagesanzeiger.ch laufend über die Abstimmungergebnisse. Die SBB als Besitzerin des Areals werden über die nächsten Schritte rund um den Güterbahnhof in Zürich nach Bekanntwerden der Abstimmungsresultate informieren. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.09.2011, 14:17 Uhr

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4 Kommentare

Marc Müller

02.09.2011, 16:47 Uhr
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Es wäre sehr schade, wenn diese historischen Gebäude abgerissen würden. Falls diese nun nicht mehr für ihre angedachte Funktion zur Verfügung stehen, dann muss eine Umfunktionalisierung gestartet werden. Es ist ein wertvoller Platz, da sollte jedem klar sein, dass da keine Brache auf Dauer stehen darf. Ein Wettbewerb auschreiben! Räume für Kleinindustrie, Büro-Gemeinschaften usf. Warum nicht? Antworten


cyril lyner

02.09.2011, 16:40 Uhr
Melden 19 Empfehlung

Bitte baut das PJZ! Dann wird endlich das Kasernenareal frei und dieses grosse, zentral gelegene Gelände kann endlich sinnvoller genutzt werden. Antworten



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