Das Zürcher Tramnetz in 20 Jahren

Wie Zürich in 50 Jahren aussieht, ist Spekulation. Aber wie sich Zürich in 20 Jahren bewegt, wissen die Verkehrsbetriebe genau.

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Eine Schwebebahn über der Bahnhofstrasse – das war vor 50 Jahren eine Vision fürs Jahr 2014. Selbst fahrende, gedankengesteuerte City­kabinen sind eine Vision von heute für den Verkehr im Jahr 2064. Die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) planen nicht gar so weit, dafür präziser. «2030» heisst das im Juni erschienene «Magazin für Zürichs Zukunft».

In der Publikation gehen die VBZ von 454'000 Stadtbewohnern aus – das sind über 50'000 mehr als heute – und von 420'000 Arbeitsplätzen (+15 Prozent). Die Zahl der Fahrgäste steigt um etwa 30 Prozent auf 420 Millionen pro Jahr – fast 100 Millionen Frauen, Männer und Kinder mehr als heute. Um diese zu bewegen, werden mehrere Linien verlängert oder neu gebaut. Der Ausbau erfolgt in folgenden Schritten, getreu der mit dem Zürcher Verkehrsverbund abgesprochenen Netzentwicklungsstrategie 2030.

Das Volk ist gefragt

Ab Dezember 2017: Die Tramlinie 8 fährt ab Hardplatz über die Hardbrücke und den Escher-Wyss-Platz bis Werdhölzli. Neu auch ab Bellevue über Kreuzplatz zum Klusplatz. Die Linie 15 wendet dann am Stadelhoferplatz. Der Kantonsrat hat für die 700 Meter lange Neubau­strecke über die Hardbrücke 76 Millionen Franken bewilligt, wogegen die SVP aber das Referendum ergriffen hat. Das Volk wird entscheiden.

Ab 2020: Die Tramlinie 2 fährt ab Lindenplatz über Bahnhof Altstetten nach Farbhof und weiter bis Schlieren. Was den Bahnhof stärkt, schwächt nach Ansicht der Einwohner das Quartier. Die VBZ haben einen Dialog versprochen.

Ab 2023: Die Tramlinie 11 fährt ab Bucheggplatz nicht mehr nach Auzelg/Schwamendingen, sondern nach Holzerhurd/Affoltern und ersetzt so den Trolleybus 32. Affoltern ist das am stärksten wachsende Quartier der Stadt. Der Quartierverein wünscht eine möglichst direkte Verbindung ins Stadtzentrum über die Wehntalerstrasse; für die VBZ kommt auch ein Umweg über die Regensbergstrasse infrage. Anstelle der Linie 11 fährt der 15er vom Bucheggplatz nach Auzelg.

Ab 2028: Die Nordtangente T1 verbindet die Quartiere Affoltern, Oerlikon und Schwamendingen zwischen Holzerhurd und Bahnhof Stettbach. Sie ersetzt weitgehend die Buslinien 61 und 62.

Noch mehr Projekte

Auch nach 2030 gehen den VBZ die Ideen für neue Tramlinien nicht aus, bloss wollen sie sich wegen der Komplexität der Vorhaben nicht auf einen Termin festlegen. Komplex sind vor allem die geplanten Tangentiallinien T2 und T3, die Zürich-Nord mit Zürich-West verbinden sollen, besser bekannt als Rosengartentram 1 und 2. Stadtrat und Regierungsrat sind sich einig, dass die Rosengartenstrasse nur dann zwei Tramgleise aufnehmen kann, wenn für die zwei wegfallenden Autospuren Ersatz geschaffen wird, zum Beispiel mit einem Waidhaldetunnel. T2 fährt von Auzelg nach Farbhof, T3 von Hirzenbach über Albisriederplatz, Schmiede Wiedikon, Manesseplatz nach Laubegg. Zur fernen Planung gehört auch die Linie 1 in der Hohl- und der Lagerstrasse zwischen Hauptbahnhof und Farbhof. Sie könnte mit der Linie 6 kombiniert werden. Auch im Busnetz sind viele Verdichtungen und Neuverbindungen geplant.

In der Agglomeration Zürich werden in den kommenden 15 bis 20 Jahren Fahrgastzunahmen zwischen 40 und 60 Prozent erwartet, am meisten zwischen Zürich und Winterthur. Der Zürcher Verkehrsverbund will die Zunahme unter anderem mit der Limmattalbahn auffangen, die Ende 2019 den Betrieb aufnimmt. Die Verlängerung der Glattalbahn vom Flughafen nach Kloten-Industrie ist eine Option.

Zwei Typen S-Bahn

Doch weniger mit Neubaustrecken will der Verkehrsverbund seine Kapazität auf der Schiene verdoppeln, als vielmehr mit besserer Auslastung der be­stehenden Gleise. Zürcher S-Bahn 2G (2. Generation) heisst das Projekt. Es sieht eine innere S-Bahn vor, bei der die Züge im Viertelstundentakt verkehren. Diese sind lang, einstöckig und gross­türig, damit die Massen schnell ein- und aussteigen können. Die äussere S-Bahn nennt sich Express-S-Bahn und verkehrt mindestens im Halbstundentakt. Da die Fahrt in der Regel länger dauert, sind die Wagen doppelstöckig und verfügen über viele Sitzplätze. Die Express-S-Bahn hält im Kernbereich nur an wenigen Haltestellen, dafür an allen Haltestellen weiter draussen. Ab 2030 soll die S-Bahn 2G in Etappen realisiert werden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.08.2014, 22:52 Uhr

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