Die ausgeschlossene Gesellschaft
Von Georg Gindely. Aktualisiert am 07.09.2010 8 Kommentare
1,2 Millionen Badi-Eintritte
Die Stadtzürcher Badesaison neigt sich ihrem Ende zu: Einige Sommerbäder wie das Freibad Allenmoos, das Flussbad Unterer Letten oder die Badi am Katzensee schliessen bereits Ende dieser Woche ihre Tore. Bis zum 19. September offen bleiben die Freibäder Seebach und Auhof in Schwamendingen sowie die Seebäder Mythenquai und Tiefenbrunnen. Im Seebad Utoquai kann man noch bis zum 26. September schwimmen.
Bis heute hat das Sportamt 1,2 Millionen Eintritte gezählt. Am besten lief es laut Bäderchef Hermann Schumacher am Wochenende vom 10. und 11. Juli, als rund 99'000 Menschen eine städtische Bade-anstalt besuchten. Bereits Ende Juli hattedie Besucherzahl 1 Million erreicht. Danach herrschte selten Badiwetter, letzte Woche wurden noch 17'000 Eintritte gezählt.Es schien zwar meist die Sonne, die Luft-temperatur war aber relativ tief, und der See hatte 18 Grad. Letztes Jahr besuchten 1,3 Millionen Menschen die Stadtzürcher Badis. (gg)
Architekt Matthias Hochuli will nach getaner Arbeit im Freibad Letzigraben schwimmen gehen. Trotz strahlend blauem Himmel steht er um 18.30 Uhr vor verschlossenen Türen – zum wiederholten Mal in dieser Saison.
Hochuli reklamiert beim Sportamt der Stadt Zürich. Schliesslich stehe auf der Website, das Bad bleibe bei guter Witterung bis 20 Uhr geöffnet. Und gut sei das Wetter an jenem Tag zweifelsohne gewesen. Hochuli ist nicht der einzige Badegast, der sich über vorzeitige Schliessungen von Freibädern aufregt; immer wieder gehen beim Sportamt Reklamationen ein, letzte Woche stand neben dem Letzigraben auch das Freibad Allenmoos in der Kritik.
«Temperatur zählen wir auch zur Witterung»
Hermann Schumacher, Bäderchef der Stadt Zürich, ist der Beschwerde nachgegangen. Das Freibad Letzigraben habe an besagtem Tag um 18.30 Uhr geschlossen. Zu diesem Zeitpunkt hätten sich zehn Gäste in der Badi aufgehalten, bei blauem Himmel, aber tiefer Lufttemperatur. «Und die Temperatur zählen wir auch zur Witterung», sagt Schumacher.
Sein Amt halte die Betriebsleiter dazu an, ihre Anlagen früher zu schliessen, wenn sie aufgrund der äusseren Bedingungen fast keine Gäste mehr erwarten. «Es ist ein betriebswirtschaftlicher Unsinn, vier Angestellte für zehn Gäste zu beschäftigen», sagt Schumacher. Die Mitarbeiter sind zwar fest angestellt. Sie haben aber eine genau definierte Saisonarbeitszeit, in der Schliessungen eingerechnet sind. Überstunden belasten das Budget. 22 Prozent der Kosten der Badeanlagen muss das Sportamt durch die Eintrittspreise decken, 78 Prozent subventioniert der Steuerzahler: So hat es das Stadtparlament beschlossen. «Diese Vorgabe dürfen wir nicht verletzen.»
Am Morgen ist überall offen
Unnötige Schliessungen sind aber auch dem Bäderchef ein Dorn im Auge. Früher konnten die Betriebsleiter bereits am Vortag entscheiden, ob sie ihr Bad am nächsten Tag öffnen oder nicht. Doch die Wetterprognose traf nicht immer zu, und so waren Bäder oft auch bei Sonnenschein geschlossen. Dieses Jahr hat das Sportamt einen Versuch gestartet: Jedes Freibad ist ungeachtet der Witterung morgens zwischen 9 und 11 Uhr geöffnet. Dann entscheidet der Betriebsleiter über eine allfällige Schliessung. Das hat laut Schumacher zwei Vorteile: Zum einen sind die Wetteraussichten verlässlicher, zum anderen ist die Hürde zur Schliessung höher, weil das Personal bereits im Bad ist. Die Ergebnisse des Versuchs liegen noch nicht vor. Nach der Auswertung entscheidet das Sportamt über eine Fortführung.
Wer mit Sicherheit nicht vor verschlossenen Türen stehen will, muss ins Seebad Utoquai oder ins Freibad Seebach. Beide sind bei jeder Witterung den ganzen Tag geöffnet.
Damit ist Kritiker Matthias Hochuli nicht zufrieden: Vor allem für frühere Stammgäste des Hallenbads City, das im Moment im Umbau steht, sei diese Lösung unbefriedigend. Schwimmen im See sei nicht zu vergleichen mit Schwimmen in einem Bad. Und das Freibad Seebach liege gleich wie das als City-Ersatz angepriesene Hallenbad Oerlikon in Zürich-Nord. «Schwimmer aus anderen Quartieren kommen zu kurz.»
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Erstellt: 07.09.2010, 12:22 Uhr
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8 Kommentare
Das ist wahrlich eine echte Kundenverblüffung! Ich kenne zwar dieses Wort eher im Zusammenhang mit positiven Aspekten, aber es darf bestimmt auch in negativer Hinsicht verwendet werden. Chapeau! Zürich's Badi's sind weltweit Spitze (von hinten gesehen) !!! Antworten


































