Die drei fiesesten Tricks der Taschendiebe
Von Ruedi Baumann, Philipp Albrecht. Aktualisiert am 10.11.2010 1 Kommentar
«König der Taschendiebe»
Schon der Vater des heute 64-jährigen Trickdiebkünstlers hiess Charly Borra und führte seine Fähigkeiten in Fernsehshows und Zirkussen auf. Man nannte ihn den «König der Taschendiebe». Über mehrere Jahre hinweg brachte er seine Begabung dem Sohn bei. Dieser arbeitet seit bald 40 Jahren mit der Polizei zusammen, um den «Guten zu zeigen, wie die Bösen denken». Er bezeichnet sich als «ehrlicher Taschendieb» und spricht nach eigenen Angaben zwölf Sprachen. Auf die Frage seiner Herkunft antwortet er jeweils mit «Kosmopolitanien». Vom 18. November bis 2. Januar tritt er im Circus Conelli auf dem Bauschänzli in Zürich auf. Um sich gegen Taschendiebe zu schützen, empfiehlt er, nie zu viel Geld auf sich zu tragen und niemandem sein Geld zu zeigen. (alb)
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Am krassesten erging es Stapo-Sprecher Marco Bisa. Borra verwickelte den erfahrenen Polizisten in ein munteres Gespräch, klopfte ihm ein paar Male auf die Schultern. Nach 30 Sekunden stand Bisa ohne Krawatte, Portemonnaie und Handy da. Ablenkung und schnelle Finger sind das Rezept des weltbekannten Trickdiebes. An einem Ausbildungsseminar für 40 Spezialisten der Stadtpolizei verriet der Österreicher Borra die fiesesten Tricks der Taschendiebe.
- Schieben und Drängeln: Mit einer Rasierklinge schneidet der eine Dieb die Schlaufe der Handtasche durch, der andere schiebt das Opfer weiter.
- Der Zeitungstrick: Mäntel, Zeitungen oder ein Arm dienen als Sichtschutz, um Handtaschen zu durchstöbern oder Handys aus Jackentaschen zu fischen.
- Der Zigarettentrick: Der Dieb schnippt Zigarettenasche auf sein Opfer, entschuldigt sich, und während der Beklaute die Asche wegputzt, ist er sein Portemonnaie oder die Uhr am anderen Arm los.
- Der Helfertrick: Der nette Helfer beim Einsteigen ins Tram nutzt den Körperkontakt und den ausgestreckten Arm des Opfers zum Griff in Taschen.
- Der Fusstrick: Ein scheinbar unabsichtlicher Tritt auf den Fuss des Opfers, dieses zuckt zusammen, und weg sind Portemonnaie oder Handy.
- Der Mann-Frau-Trick: Männer sind an der Genitalgegend empfindlich, Frauen eher am Po. Bei Männern sind deshalb Gesässtaschen gefährdet, bei Frauen die vorderen Jacken- und Hosentaschen.
- Der Manteltrick: Der Dieb hat vermeintlich die Hände im Mantelsack, greift aber durch ein Loch im Mantel auf Ladentische oder in Gestelle.
- Der Schirmtrick: Mit dem Zeigefinger schubst der Dieb Gegenstände vom Ladentisch in den halb offenen Regenschirm. Statt mit dem Schirm gehts auch mit einer offenen Tasche.
- Der Kaugummitrick: Der scheinbar unentschlossene Kunde beim Juwelier lässt sich eine grosse Auswahl vorlegen und klebt einzelne Ringe mit einem Kaugummi unter dem Tischrand fest, bis er Zeit hat, sie einzupacken.
- Der Gummifadentrick: Der Dieb hat im Jackenärmel einen Gummifaden und eine mit Klebstoff behandelte Münze. Er drückt die Münze auf ein Schmuckstück und lässt es in den Ärmel schnellen.
Diese Tricks tönen einfach, doch sie funktionieren, «seit es Schirme und Mäntel» gibt, wie Borra versichert. Der «ehrliche Meisterdieb» demonstrierte diese Tricks gestern an Polizisten und Journalisten, die vorgewarnt waren – und sie wurden alle ausgenommen. Eine Fahnderin in Zivil musste hilflos zuschauen, wie Ringe vom Ladentisch verschwanden. Dem Journalisten der «Limmattaler Zeitung» klaute er die Kamera aus dem Kittel und dem «Tages-Anzeiger»-Journalisten in wenigen Sekunden Handy, Portemonnaie und Uhr.
«Ich habe Milieustudien in allen UBahnen der Welt betrieben», sagte Borra. Die fingerfertigsten Diebe seien Südamerikaner, während Europäer eher zu gewaltsamem Schubsen neigten. «Ein Taschendieb ist wie ein Tier, er sucht sich die schwächsten Opfer aus», weiss Borra. Gefährdet sind Leute, die im Gedränge fremde Leute an sich herankommen lassen, und solche mit offenen Taschen oder locker in der Gesässtasche steckenden Portemonnaies und Handys.
Gestresste sind gefährdet
Der Stadtpolizei sind 2009 Taschendiebstähle im Wert von 5,3 Millionen Franken gemeldet worden. 65 Trickdiebe und 10 Geldwechselbetrüger konnten laut Major Andreas Moschin, Chef Operationen und Prävention, verhaftet werden. Gemäss Charly Borra haben Taschendiebe in der heutigen Gesellschaft ein ideales Umfeld. «Es gibt überall ein Gedränge, die Leute sind gestresst und haben ihre natürlichen Sinne verloren.» Seine Tipps: Taschen schliessen, sich im Gedränge eine Intimsphäre schaffen und notfalls schreien. Und vor allem: Nicht zu viel Geld im Portemonnaie und Krimskrams in der Handtasche mitführen.
Der seiner Krawatte beraubte Polizeisprecher muss sich nicht schämen. 1980 klaute ein 60-jähriger Meisterdieb dem damaligen Kripochef Walter Hubatka die Uhr. Es war Charly Borras Vater, der damals im Circus Knie auftrat. Borra junior übrigens klaut ab 20. November im Conelli auf dem Bauschänzli. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 09.11.2010, 16:41 Uhr






