Zürich

Die geschädigten Kinder der Rosengartenstrasse

Von Philipp Albrecht. Aktualisiert am 25.10.2010 18 Kommentare

An der Rosengartenstrasse leben überdurchschnittlich viele Kinder. Wegen des Autoverkehrs leiden sie unter sozialen und körperlichen Defiziten. Zu diesem Schluss kommt eine städtische Studie.

Weil es kaum Freiräume gibt, bleiben die Kinder zu Hause: Rosengartenstrasse im Kreis 10.

Weil es kaum Freiräume gibt, bleiben die Kinder zu Hause: Rosengartenstrasse im Kreis 10.
Bild: Keystone

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Wie verbringen Kinder ihre Freizeit, die an einer der meistbefahrenen Strassen des Landes wohnen? Sie bleiben zu Hause. Die Stadt Zürich befasste sich in der Studie «Aufwach(s)en an der Rosengartenstrasse» mit der jüngsten Generation Anwohner der Transitstrasse im Kreis 10.

Die Befragungen der Kinder, deren Eltern, Sozialarbeitenden und Hortleiterinnen ergaben, dass sich die Kinder mehr Ruhe, Freunde und Natur wünschen. Den Verfassern fiel dabei auf, dass die meisten Kinder viel Zeit in der Wohnung verbringen. Auf die Frage, was sie am liebsten in ihrer Freizeit machen, antworteten die meisten: «Am liebsten bin ich zu Hause und mache Spiele oder schaue Fernsehen.» Und das regelmässig bis Mitternacht und länger.

Kinder können sich nicht mit sich selber beschäftigen

Die befragten Experten gaben an, dass das Durchhaltevermögen und die Geduld der Kinder nicht genügend ausgeprägt seien. Sie könnten sich nicht über längere Zeit mit sich selber beschäftigen. Zudem würden einige Hortkinder schon bei kurzen Wanderungen über Fussschmerzen klagen. Die befragten Eltern gaben an, dass das Gebiet um die Rosengartenstrasse ihrer Meinung nach kein guter Ort für das Aufwachsen der Kinder sei. Der Lärm und die Abgase seien dabei weniger ein Problem als der fehlende Platz zum Spielen. Einige Eltern lassen ihre jüngeren Kinder nicht selbständig aus dem Haus. Dadurch seien die sozialen Kontakte einiger Familien minimal, einige Kinder würden ihre Freizeit praktisch nur in der Wohnung verbringen.

Die Befragungen wurden zwischen November 2009 und Mai 2010 durchgeführt. Die Quartierkoordination Waidberg und die städtische Kinder- und Jugendpartizipation stellten sich die Frage, in welcher sozialen und physikalischen Umgebung diese Kinder aufwachsen. Die wichtigsten Erkenntnise aus diesen Befragungen: Die Kinder sind isolierter, konsumieren mehr Medien und haben weniger Selbstvertrauen als Altergenossen aus anderen Quartieren.

Mieten nicht so tief wie erwartet

Ausgangslage war eine frühere Studie von Statistik Zürich aus dem Jahr 2006. Sie kam zum Schluss, dass an der dichtbefahrenen Achse Rosengarten-/Bucheggstrasse im Vergleich zum Rest Wipkingens überdurchschnittlich viele Kinder wohnen. Und das ausgerechnet an einem Ort, wo die Stickstoff-Grenzwerte permanent überschritten werden. Entsprechend befindet sich die Strasse in der siebten und letzten Stufe der Lageklassen des Statistischen Amtes. Sie bilden die Standortqualität einer Liegenschaft innerhalb einer Gemeinde ab.

An der Rosengartenstrasse ist der Ausländeranteil mit 68,5 Prozent überdurchschnittlich hoch. Die meisten Bewohner stammen aus Serbien, Montenegro, der Türkei, Portugal und Italien. Den Autoren der Studie ist aufgefallen, dass nicht mehr Personen Sozialhilfe beziehen als in anderen Gebieten Wipkingens. Ausserdem habe sich bei den Gesprächen mit den Bewohnern gezeigt, dass die Mieten nicht signifikant günstiger seien im Vergleich mit anderen Wohngebieten in Wipkingen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.10.2010, 11:38 Uhr

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18 Kommentare

Bruno Moser

25.10.2010, 17:03 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Wissen die Eltern der Kinder, dass es rund um die Stadt Zürich auch Wald und Natur gibt? Wenn die Eltern selbst immer vor der Glotze sitzen, lernen auch die Kinder nicht, dass es trotz Stadt auch noch Natur gibt. Gerade diese Familien sehe ich nie, wenn ich durch die Landschaft wandere. Antworten


Hans Inauen

25.10.2010, 14:14 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Mein Schwager hat dort gewohnt, für mich war diese Situation schlicht katastrophal. Ich möchte mich etwas drastisch ausdrücken, würde man Tiere so halten känen sofort radikale Tierschützer und würden sich für die Kreatur wehren. Antworten



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