Die heimlich verschwundene Autospur

Beim Milchbuck hat die Stadt eine Fahrbahn für Autos durch einen Veloweg ersetzt – ohne das Projekt auszuschreiben. Die SVP ist empört.

Wo es jetzt einen Radweg hat, fuhren bis anhin Autos: Die Bucheggstrasse zwischen Wehntalerstrasse und Milchbuck.

Wo es jetzt einen Radweg hat, fuhren bis anhin Autos: Die Bucheggstrasse zwischen Wehntalerstrasse und Milchbuck. Bild: Mario Stäuble

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ein neuer Masterplan soll Zürich in eine Art hügeliges Kopenhagen verwandeln: Bis 2025 will der Stadtrat die Anzahl Velofahrer verdoppeln – vor allem mittels durchgängiger, komfortabler Velowege.

Wie Zürich zur Velostadt werden soll, zeigt die Bucheggstrasse. Dort hat das Tiefbauamt unter Ruth Genner (Grüne) zwischen Wehntalerstrasse und Milchbuck kürzlich eine rund 200 Meter lange Autospur aufgehoben. Bisher rollten die Autos auf zwei Bahnen Richtung Milchbuck. Nun hat das Tiefbauamt die rechte Autospur durch einen Velostreifen ersetzt, der den Parkplätzen entlang zum Milchbuck führt.

Der Velostreifen hat die im Masterplan Velo angestrebte Breite von 1,8 Metern. Bisher kommen Zürcher Velospuren bedeutend schmaler daher. Öffentlich ausgeschrieben hat das Tiefbauamt das Projekt nicht, da es nur eine «marginale Änderung» bedeute. Der Kanton bewilligte die Massnahme im April. Dies war nötig, da es sich um eine regionale Veloroute handelt.

Spurabbau auch beim Triemli

Der Regierungsrat ist also durchaus bereit, die links-grüne Stadt bei ihrer Velowegexpansion zu unterstützen. Auch auf der kantonalen Birmensdorferstrasse zwischen Triemli und Waldegg hat Zürich eine Autospur beseitigt und mehr Platz für Velos geschaffen. Dies geschah im Rahmen der flankierenden Massnahmen zur Westumfahrung.

Als «reine Schikane» bezeichnet SVP-Fraktionschef Mauro Tuena den Spurabbau auf der Bucheggstrasse. Künftig werde es an dieser Stelle zu langen Rückstaus kommen. «Derartige Eingriffe darf das Tiefbauamt nicht klammheimlich machen. Man hätte das Projekt zwingend ausschreiben müssen.» Tuena kündigt politische Vorstösse an. Er wolle genau wissen, welche konkreten Projekte der Stadtrat plane, um den Masterplan umzusetzen.

Bei den Grünen hält man das Beispiel für eine gelungene Lösung. Es zeige, dass in Zürich vielerorts ein überdimensioniertes Strassennetz bestehe, sagt Fraktionschef Markus Knauss. «Doch so einfach wie an der Bucheggstrasse wird es wohl nicht überall funktionieren.» Vor allem auf engeren, kommunalen Strassen gebe es nur selten überflüssige Autospuren, dort müssten Parklätze gestrichen werden. Als Beispiel nennt Knauss die Zollstrasse im Kreis 5, die im Masterplan als Hauptroute gilt. Dort lasse sich ein breiter Veloweg nur auf Kosten von Parkplätzen realisieren.

Beamte vergassen die Velos

Zürichs Velonetz weise nicht nur so viele Lücken auf, weil der Platz fehle, heisst es im Bericht zum Masterplan Velo. In der Planung von Strassenprojekten seien die Velowege auch immer wieder vergessen gegangen. Viele städtische Angestellte hätten die Mängel im Velowegnetz gar nicht wahrgenommen. Die Interessen des ÖV, der Autos und der Fussgänger hätten die Amtsstellen dagegen als selbstverständlich berücksichtigt. Auch diese Vernachlässigung soll der Masterplan stoppen. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 10.11.2012, 09:02 Uhr)

Artikel zum Thema

Die zehn neuen Velowege

Ein Velo-Netz von 150 Kilometer Länge: Die Stadt macht Ernst mit der Veloförderung. Nun beginnt das Hickhack um Parkplätze, Baumreihen und Trottoirs. Mehr...

«Man sollte für Velowege Autospuren abbauen»

Der Masterplan Velo der Stadt Zürich ist für die Umweltorganisation Umverkehr ein wichtiger Schritt. Deren Geschäftsführer Thomas Stahel hat aber einige Knackpunkte entdeckt. Mehr...

«Die Zürcher Verkehrsteilnehmer haben zu hohe Ansprüche»

200 Millionen Franken für den Ausbau des Zürcher Velonetzes, das fordern die Jungen Grünen. Ein Städteplaner meint indessen, es habe gar keinen Platz für neue Velowege. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Publireportage

International Radio Festival

Die 5. Ausgabe findet vom 21. August bis 7. September im Zürcher Kaufleuten statt.

Die Welt in Bildern

100 Jahre Schweizer Luftwaffe: Zuschauer verfolgen den Landeanflug einer Frachtmaschine Typ 64-GK von der Franzoesischen Armee anlaesslich der Air 14, am Freitag, 29. August 2014, in Payerne.
(Bild: Peter Schneider) Mehr...