Zürich

Die heimlich verschwundene Autospur

Von Beat Metzler. Aktualisiert am 10.11.2012 247 Kommentare

Beim Milchbuck hat die Stadt eine Fahrbahn für Autos durch einen Veloweg ersetzt – ohne das Projekt auszuschreiben. Die SVP ist empört.

Wo es jetzt einen Radweg hat, fuhren bis anhin Autos: Die Bucheggstrasse zwischen Wehntalerstrasse und Milchbuck.

Wo es jetzt einen Radweg hat, fuhren bis anhin Autos: Die Bucheggstrasse zwischen Wehntalerstrasse und Milchbuck.
Bild: Mario Stäuble

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Ein neuer Masterplan soll Zürich in eine Art hügeliges Kopenhagen verwandeln: Bis 2025 will der Stadtrat die Anzahl Velofahrer verdoppeln – vor allem mittels durchgängiger, komfortabler Velowege.

Wie Zürich zur Velostadt werden soll, zeigt die Bucheggstrasse. Dort hat das Tiefbauamt unter Ruth Genner (Grüne) zwischen Wehntalerstrasse und Milchbuck kürzlich eine rund 200 Meter lange Autospur aufgehoben. Bisher rollten die Autos auf zwei Bahnen Richtung Milchbuck. Nun hat das Tiefbauamt die rechte Autospur durch einen Velostreifen ersetzt, der den Parkplätzen entlang zum Milchbuck führt.

Der Velostreifen hat die im Masterplan Velo angestrebte Breite von 1,8 Metern. Bisher kommen Zürcher Velospuren bedeutend schmaler daher. Öffentlich ausgeschrieben hat das Tiefbauamt das Projekt nicht, da es nur eine «marginale Änderung» bedeute. Der Kanton bewilligte die Massnahme im April. Dies war nötig, da es sich um eine regionale Veloroute handelt.

Spurabbau auch beim Triemli

Der Regierungsrat ist also durchaus bereit, die links-grüne Stadt bei ihrer Velowegexpansion zu unterstützen. Auch auf der kantonalen Birmensdorferstrasse zwischen Triemli und Waldegg hat Zürich eine Autospur beseitigt und mehr Platz für Velos geschaffen. Dies geschah im Rahmen der flankierenden Massnahmen zur Westumfahrung.

Als «reine Schikane» bezeichnet SVP-Fraktionschef Mauro Tuena den Spurabbau auf der Bucheggstrasse. Künftig werde es an dieser Stelle zu langen Rückstaus kommen. «Derartige Eingriffe darf das Tiefbauamt nicht klammheimlich machen. Man hätte das Projekt zwingend ausschreiben müssen.» Tuena kündigt politische Vorstösse an. Er wolle genau wissen, welche konkreten Projekte der Stadtrat plane, um den Masterplan umzusetzen.

Bei den Grünen hält man das Beispiel für eine gelungene Lösung. Es zeige, dass in Zürich vielerorts ein überdimensioniertes Strassennetz bestehe, sagt Fraktionschef Markus Knauss. «Doch so einfach wie an der Bucheggstrasse wird es wohl nicht überall funktionieren.» Vor allem auf engeren, kommunalen Strassen gebe es nur selten überflüssige Autospuren, dort müssten Parklätze gestrichen werden. Als Beispiel nennt Knauss die Zollstrasse im Kreis 5, die im Masterplan als Hauptroute gilt. Dort lasse sich ein breiter Veloweg nur auf Kosten von Parkplätzen realisieren.

Beamte vergassen die Velos

Zürichs Velonetz weise nicht nur so viele Lücken auf, weil der Platz fehle, heisst es im Bericht zum Masterplan Velo. In der Planung von Strassenprojekten seien die Velowege auch immer wieder vergessen gegangen. Viele städtische Angestellte hätten die Mängel im Velowegnetz gar nicht wahrgenommen. Die Interessen des ÖV, der Autos und der Fussgänger hätten die Amtsstellen dagegen als selbstverständlich berücksichtigt. Auch diese Vernachlässigung soll der Masterplan stoppen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.11.2012, 09:02 Uhr

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247 Kommentare

Aureliano Buendia

10.11.2012, 11:30 Uhr
Melden 385 Empfehlung 92

Liebe Velofahrer, da habt Ihr wieder ein Stück Veloweg, also benützt es bitte auch! Und lasst meine Kinder wieder in Frieden und Sicherheit das Trottoir benützen. Antworten


Martin Schwizer

10.11.2012, 13:32 Uhr
Melden 152 Empfehlung 51

Das Wort "Masterplan" zeigt schon, wie verbissen man die Idee durchsetzen will. Warum nicht gleich Mashall-Plan, dann sieht man sogleich die gemeinte, epochale Durchgriffsgewalt. Die Autofahrer sind alles Umzuerziehende , denen wir nun die Speichenrevolution um die Felgen hauen. Es gibt Berufs- und Besuchervekehr aus der Restschweiz ohne Wahl. Aber das wird in den Strassengraben gewischt. Antworten



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