Die kreativsten Hitzetipps

Zürich schwitzt. Der Sommer hat die Stadt fest im Griff. Was tun gegen die Hitze? Glace, Ventilator oder Freibad? Es geht auch anders.

Ein sicherer Wert: Gleich rein ins Wasser. Fotos: Doris Fanconi

Ein sicherer Wert: Gleich rein ins Wasser. Fotos: Doris Fanconi

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Nacht auf Freitag war Zürichs heisseste Nacht, seit Nachttemperaturen gemessen werden: 24,2 Grad war es morgens um sechs auf dem Zürichberg. Ich erinnerte mich an die Sommerferien meiner Kindheit, während derer ich meist zwei Wochen auf dem Bauernhof meines Götti verbrachte – weil es dort schön war, und weil sie beim Heuen selbst so ungeschickte Städterinnen wie mich brauchen konnten. Das trockene Gras roch gut, doch nie, nie war es in der Stadt so heiss wie auf dem Feld. Abends kühlte es nicht ab, und die Schlafkammer, die ich mit meiner Grossmutter teilte, lag direkt unter dem Dach und hatte sich tagsüber aufgeheizt. Was tun? Zuerst holte meine Grossmutter ein frisches Leintuch, bestickt mit ihren Initialen, und deckte mich damit zu. Das Leinen war kühl und luftig. Dann kam sie mit einer Bettflasche. Mit einer Wärmeflasche! Und legte sie mir unter die Füsse. Sie hatte die Flasche mit eiskaltem Wasser gefüllt. Schlaf gut, sagte sie. Und ich befolgte dies auf der Stelle. (net)

*

Nichts hilft gegen die Hitze besser als Steinkirchen und ihre zugehörigen Einrichtungen. Plätschert das Brunnenwasser, hilft das zusätzlich. Ab ins Grossmünster und dessen Kreuzgang, ab in den Fraumünster-Kreuzgang, ab vor allem in die archäologische Krypta der Wasserkirche. Die wussten damals vor Jahrhunderten, wie man kühl baut. Am besten bleibt man drin, bis sie einen am Abend rausschmeissen. (tow)

*

Alles, was mir gefällt, mache ich mir zu eigen: meine Strasse, mein Quartier, mein Zürich. In dieser Routine verbringe ich die Tage – ausser in einem Sommer wie diesem. Die Hitze weicht die Tagesstruktur auf, verändert sie. Sie ist wie ein Filter. Plötzlich erscheint alles anders, die ganze Stadt: ungewohnt, unerlebt, noch nie gesehen. Ich schlafe erst um zwei Uhr ein und bin um vier schon wieder wach, bereits um sieben sitze ich draussen vor dem Café Salut Salon und trinke Kaffee. Müde, aber glückselig. Das Velo stosse ich zum Büro, weil sich Eile bei dieser Wärme nicht lohnt und Ziele sich verschieben in ein Leben anderswo: Es gibt nur das Hier. Über Mittag gehe ich in die Badi Utoquai und am Abend gleich wieder. Ich trinke mit Freundinnen Rosé bei Sonnenuntergang. Erst um Mitternacht fahre ich mit dem Velo heim, es macht nichts, dass ich nicht werde schlafen können oder nur kurz. Ich bin in den Ferien. (slm)

*

Der Mann frohlockt, die Frau hat Mitleid. Ihn freut, dass das neue Dach wetterbedingt rechtzeitig fertig wird, der ohnehin enge Zeitplan muss nicht wegen Regentagen über den Haufen geworfen werden. Sie aber sieht die schwitzenden Männer auf dem Dach bei gefühlten 45 Grad. Der Dachdecker beruhigt: «Sind wir uns gewohnt.» Seine Tipps gegen den Kollaps: Kopfbedeckung, Sonnencreme, viel Trinken am Vortag (aber nichts Alkoholisches!), eventuell ein nasses Tuch um den Hals. Und vor ­allem – und das kommt eher überraschend – viel Schlaf. (pu)

*

Wenn die Temperaturen über 30 Grad steigen, gehe ich ins Kino und fröne der kühlen Dunkelheit des Saals. Weit und breit keine Sonne und kein drohender Sonnenbrand, dafür angenehme 20 Grad, eine Portion Popcorn, ein kühler Drink und am Nachmittag erst noch das ganze Kino für mich allein, als wäre es eine Privatvorstellung. (wsc)

*

Hitzewelle wie oder was? 10 bis 20 Grad würden wir gern nehmen hier oben auf den norwegischen Lofoten, wo ich gerade bin – über dem Polarkreis, 2500 Kilometer nördlich von Zürich. Keine 10 Grad warm ist das Nordmeer, in dem sich die riesigen Pottwale tummeln. «Drei oder vier Schichten anziehen?», war heute Morgen die Frage – Merinounterwäsche, Fleece, Daunen und das Ölzeug gegen den lästigen Regen und den beissenden Wind. Dazu tragen wir auf unserem Segelboot alle winddichte Mützen, Handschuhe und Schwimm­westen – und an den Füssen Lammfellfinken oder Gummistiefel. Wir tragen den Karsumpel mit Fassung – gegen Kälte kann man sich wehren, gegen die Hitze nicht. (rba)

*

Mit dem Vorschlag setzt man sich der Gefahr aus, als Masochist zu erscheinen. Doch wer ihn befolgt, erlebt eine kühle Überraschung: Man schaufle in der grössten Hitze des Tages ein möglichst scharfes Gericht in sich hinein (es können auch nur ein paar einzelne, aber sehr scharfe Chilis sein). Das löst un­mittelbar einen schier unstillbaren Schweissausbruch aus. Derart durchnässt, setze man sich aufs Velo und radle gemütlich durch die Stadt. Der leichte Fahrtwind, der den Schweiss trocknet, fühlt sich dabei an wie eine leichte Frühlingsbrise. Kein Witz. Oder warum essen ausgerechnet die Thailänder in den heissesten Gebieten des Landes die schärfsten Currys? Okay, die fahren nicht Velo. Aber hinter ihnen steht stets ein blasender Ventilator. (zet)

Bäume spenden den kühlsten Schatten.

*

Damit die Methode funktioniert, braucht es folgende Voraussetzung: Frau/man muss nicht gleich Yoda-mässig drauf sein (das ist der kleine Jedi-Meister-Kerl aus «Star Wars», der allein mit seinen Gedanken Berge versetzen kann), doch dass man mindestens über rudimentäre telepathische Fähigkeiten verfügt, ist zwingend. Der Rest ist Kinderkram: Zuerst begibt frau/man sich gedanklich nach Finnland und dort in eine dieser nordländischen Schwitzhütten (ungeübten Telepathen kommen die aktuellen Temperaturen dabei zugute). Dort bleibt sie/er rund fünfzehn Minuten hocken. Danach gehts splitternackt hinaus in die eisige Nacht zum unweit gelegenen Eisloch. Dort steigt frau/man via Holztreppe möglichst zügig ins Wasser, das derart kalt ist, dass es einem glatt den Atem verschlägt. Hat frau/man diesen wieder erlangt und nach wie vor zu heiss, einfach noch mit dem Kopf untertauchen, dann sollte das Problem gelöst sein. Im Anschluss daran geht es sofort zurück in die Hütte auf eine Flasche kaltes Bier. Dieses fährt so gemütlich ein, dass frau/man bald danach ins entspannte Dösen gerät. Das wärs, und wenn die Wirkung nachlässt, einfach wieder von vorn telepathieren. (thw)

*

Der Werenbach auf der Höhe Balgrist oder auch bei Witikon ist ein perfekter Schattenbringer und Kühlelieferant. Eine charmant unbemenschte Kurve aussuchen, Füsse ins Wasser, Bier oder Mineral auch ins Wasser, den Tagi entfalten, und alles wird gut! (tow)

*

Wenn die Luft flimmert und der Asphalt schmilzt, verspüren viele den Drang, sich ins Nass zu legen. Doch Kühlung geht auch trocken. Alles, was es dazu braucht, ist die Uetlibergbahn. Allerdings muss es ein SZU-Zug der neuen Generation sein (die roten Wagen), denn die sind herrlich klimatisiert. Damit geht es hinauf auf den Hausberg. Oben angekommen, ist der Körper bereits angenehm runtertemperiert. Draussen tut das sanfte Lüftchen im Schatten der Bäume das Übrige. Zur Luftkühlung gibt es die Sicht gratis dazu. Und weil alle anderen in die Badi drängen, hat man den Berg ganz für sich allein. (tif)

*

Weil nach jeder Abkühlung die Hitze noch erbarmungsloser einfährt, rate ich zum paradoxen Handeln. Wenn also die Kleidung am Leib klebt und die Schweissperlen übers Gesicht rinnen: nicht in den See springen, sondern den Staubsauger holen und die Wohnung putzen, danach den Estrich aufräumen – dort oben ist es bekanntlich nicht zum Aushalten –, dann die Fenster polieren. Ist alles erledigt, geben Sie sich nochmals einen Ruck und begrünen gleich noch den Balkon. Dort schleppen Sie möglichst grosse, schwere Töpfe samt Inhalt von einer Ecke in die andere. Sie können sicher sein, danach werden Ihnen 30 Grad am Schatten wie ein laues Lüftchen vorkommen. (roc)

Fahrtwind ist auch ein gutes Mittel.

*

Nun hat Zürich, was in Rimini zum gewohnten Bild gehört: eine Freizeit­beschäftigung, die man bisher nur von Ferien am Strand kannte. Typisch mediterran eben, aber da sich Zürich derzeit genau so anfühlt, macht das durchaus Sinn. Die Rede ist vom sozialen Badi-Stehen: zwei oder mehr Personen (warum es meistens Männer sind, wäre noch zu ergründen), die gemeinsam im Wasser stehen (manchmal auch sitzen) und plaudern, parlieren, politisieren. Stundenlang. (ema)

*

Nicht auf die Spielverderber («In der Wüste trinken sie ja auch Tee») hören, sondern sich auf das Eis besinnen: Zum Frühstück einen Orangen-Rüebli-Saft mit drei grossen Würfeln. Am Mittag einen halben Liter Rhabarber-Eistee mit Sprudel und Sternfrucht. Am Nachmittag gezuckerter Eiskaffee. Am Abend mit Freundinnen eiskalte Gin Tonics: in die Dämmerung blinzeln, an der Gurke knabbern, die Eiswürfel an die Glaswände klimpern lassen und noch einen Gin Tonic nehmen. Schlafen können wir später wieder. (rar) (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.06.2017, 20:48 Uhr

Artikel zum Thema

So verschieden suchen die Schweizer nach Abkühlung

Auf Google suchen derzeit viele nach Tipps gegen die Hitze. Die Suchanfragen unterscheiden sich von Kanton zu Kanton. Mehr...

Ruft es mit mir: «Hitzefrei!»

Bei dieser Hitze arbeiten – eine Qual. Ein flammendes Plädoyer für einen hitzefreien Freitagnachmittag. Mehr...

Die sieben schlimmsten Sommergerichte

Als ob die Hitze nicht schon schrecklich genug wäre, peinigen wir uns auch noch kulinarisch. Eine Abrechnung mit Pouletcurry-Salat und gestapeltem Caprese. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

TA Marktplatz

Kommentare

Blogs

Mamablog 20 Spielideen für den Strand

Blog Mag Essen als Kult

Abo

Digitale Abos - Neu ab 18.- pro Monat

Tages-Anzeiger unbeschränkt lesen:
Jetzt neu ab 18.- CHF pro Monat.

Die Welt in Bildern

Süsse Handarbeit: In der Schokoladenfabrik 'La muchacha de los chocolates' platziert ein Arbeiter eine Kirsche in eine mit Schokolade ausgekleidete Form. (21. Juli 2017)
(Bild: Andres Stapff) Mehr...