Zürich

Die selbst ernannte Stadtmutter

Von Werner Schüepp. Aktualisiert am 03.02.2010 4 Kommentare

Susi Gut sieht sich als bürgerliche Alternative, die in die Bresche springt.

«Bürgerliche Alternative»: Gemeinderätin und Gymnastiklehrerin Susi Gut.

«Bürgerliche Alternative»: Gemeinderätin und Gymnastiklehrerin Susi Gut.

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Die Frau ist 162 Zentimeter gross, 49 Kilogramm leicht und gestikuliert während des Gesprächs gerne mit den Händen, um den Worten mehr Gewicht zu verleihen. Susi Gut, Gemeinderätin der Partei für Zürich (PFZ), macht Corine Mauch (SP) das Stadtpräsidium streitig. Der Angriff auf den Thron ist bei ihr Programm. Die Konkurrentinnen könnten kaum unterschiedlicher sein: Corine Mauch, Akademikerin, aufgefallen durch Zurückhaltung und mit dem Image einer grauen Maus, gegen Susi Gut, Gymnastiklehrerin, bodenständig und volksnah.

Die Aussenseiterin ist überzeugt: «Die jetzige Stadtpräsidentin ist eine Fehlbesetzung.» Gut sieht sich als bürgerliche Alternative, die in die Bresche springt. «Ich verstehe immer noch nicht, dass die FDP mit ihren fähigen Kandidaten nicht den Mut aufgebracht hat, den Sozialdemokraten das Stadtpräsidium streitig zu machen», sagt sie. Überhaupt behagt ihr die Bezeichnung «Stadtpräsidentin» weniger. «Ich bin lieber die Stadtmutter von Zürich, und eine solche hat diese Stadt verdient.» Die Kandidatur hat aber noch ein anderes Ziel: Sie soll die PFZ im Gespräch halten. Der Partei, 2006 gegründet, knapp 100 Mitglieder, droht im Gemeinderat das Aus, wenn sie nicht in einem Wahlkreis mindestens auf 5 Prozent Wähleranteil kommt.

Club of Rome gebodigt

Susi Gut, 49 Jahre alt, wohnt im Kreis 2 in einer Einzimmerwohnung, lebt in einer Beziehung und verdient ihren Lebensunterhalt als Gymnastiklehrerin, Massagetherapeutin und Fitnessberaterin.

In ihrem kürzlich erschienenen Buch «Jetzt erst recht» schildert sie ihre schwierige Jugendzeit. Der Vater war psychisch labil, die Mutter eine Alkoholikerin. Sie lebte in Heimen und bei ihrer Stiefmutter, die sie misshandelte. In ihrer Jugend habe sie kämpfen gelernt. Freunde bescheinigen ihr Fleiss, Elan und Ausdauer, während die Gegner bemängeln, sie sei keine Teamplayerin, es fehle ihr an Format und sie lähme mit ihrer Flut an Vorstössen nur den Ratsbetrieb. Die PFZ ist bereits ihre dritte Partei. Schon 1998 nahm sie für die Schweizer Demokraten einen erfolglosen Anlauf Richtung Stadtrat. Ab 2002 sass sie für die SVP im Gemeinderat, bis es 2006 mit der Partei zum Bruch kam. Mit lautem Getöse verliess sie die Partei und gründete mit dem ehemaligen SVP-Fraktionschef Markus Schwyn die Partei für Zürich.

Hafenkran in die Wüste geschickt

Ein Jahr später machte sie mit der kleinsten Partei Zürichs international Schlagzeilen. Sie ergriff das Referendum gegen den Club of Rome und gewann an der Urne die Abstimmung gegen den Stadtrat und das Parlament. Bis heute ein Coup, für den ihr auch die politischen Gegner Respekt zollen und um den sie die SVP heute noch beneidet.

Einen Riecher für politische Themen bewies Gut auch in der Budgetdebatte, als sie sich gegen das Kunstprojekt «Zurich Transit Maritim» durchsetzte und den Hafenkran in die Wüste schickte. Weniger glücklich war der Auftritt an einer SP-Wahlaktion, als sie sich für die beiden Betreiber der stillgelegten Nervous-Schwulenbar wehrte und die Stadtpräsidentin unter Polizeischutz auftreten musste. Hat sie sich instrumentalisieren lassen? Sie sieht das anders: «Ich nehme in Kauf, dass mir das Engagement für die beiden Männer schaden kann, aber es geht um zwei Menschen, deren Existenz durch die Stadt zerstört wird.»

Mit Kuchen auf Wählerfang

Als Stadtpräsidentin wäre sie auch Kulturministerin. Soll die Stadt bei der Kultur mehr ausgeben oder sparen? Sie sei nicht gegen Kultur, aber teure und kuriose Projekte müsse man hinterfragen. Zurzeit besucht sie viele Kulturinstitutionen. Vom Dada-Haus war sie angenehm überrascht, vom «Haus Konstruktiv» allerdings weniger. Dort habe es zu viele Angestellte. «Ich gehe aber nochmals hin, um zu schauen, wie rentabel gearbeitet wird.»

Susi Gut scheut für ihren Wahlkampf keinen Aufwand. Wer mit ihr diskutieren will, kann sie zu sich nach Hause einladen, und sie kommt mit selbst gebackenen Schokoladen- und Zitronenkuchen vorbei. Die selbst ernannte Stadtmutter meint es ernst: «Ich will mir nach den Wahlen nicht vorwerfen lassen, dass ich nicht wirklich alles versucht habe.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.02.2010, 04:00 Uhr

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4 Kommentare

Nora Martinek

03.02.2010, 10:00 Uhr
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Eigentlich würde ich Susi Gut nicht wählen. Aber offenbar kann die FDP keine Alternative präsentieren. Entsprechend wähle ich Susi Gut. Und die FDP, die hier nicht antreten will, bekommt auch sonst keine Stimme. Wieso treten die eigentlich überhaupt noch zur Wahl an? Antworten


ursula herzig

03.02.2010, 14:13 Uhr
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Susi Gut greift die amtierende Stadtpräsidentin, Corinne Mauch mit sehr unzimperlichen Mitteln an. Selber gibt sie sich eher wehleidig, wenn sie sich darüber beklagt, nicht zu Aeschbacher eingeladen worden zu sein. Mehr denn je brauchen wir faire, fähige SachpolitikerInnen, die dem Allgemeinwohl dienen wollen. Ich möchte keine Stadtpräsidentin, die auf die Frau, statt auf den Ball spielt! Antworten



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