«Diese 224 neu geschaffenen Stellen sind quasi der Schweif des Sterns»
Von Janine Hosp. Aktualisiert am 05.12.2011 25 Kommentare
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Herr Vollenwyder, die Stadtverwaltung ist innert nur sechs Jahren um 10 Prozent oder um 1700 Stellen gewachsen. Das ist massiv.^ Auch die Bevölkerung ist gewachsen. Die Stadt zählt heute knapp 390'000 Einwohnerinnen und Einwohner, 27'000 mehr als noch vor acht Jahren. Das entspricht der Bevölkerung von Rapperswil-Jona. Zudem: Viele neue Stellen wie etwa beim EWZ werden durch Gebühren finanziert. Die engere Verwaltung ist nur wenig gewachsen.
Bei 224 Stellen kann der Stadtrat nicht erklären, weshalb sie geschaffen worden sind. Warum?
Er könnte schon, aber nur mit einem Riesenaufwand. Mit den neu geschaffenen Stellen verhält es sich wie mit einer vorweihnachtlichen Spende. Nehmen wir an, Sie spenden 100 Franken, weil Sie ein Kind auf einem Plakat mit traurigen Augen angeschaut hat. Das Kind selber bekommt davon nur 90 Franken, 10 Franken braucht das Hilfswerk für die Administration. Bei der Stadtverwaltung verhält es sich ähnlich: Werden neue Stellen geschaffen steigt auch der administrative Aufwand. Schliesslich brauchen die neuen Mitarbeiter einen Computer, der gewartet, ein Büro, das gereinigt wird.
Das hört sich noch nicht so aufwendig an, diese Stellen zuzuordnen.
Mit einem vernünftigen Aufwand können wir nicht erheben, wie viele Stellenprozente zum Beispiel in der Lohnadministration geschaffen werden mussten. Um vorweihnachtlich zu bleiben: Diese 224 Stellen sind gewissermassen der Schweif des Sterns.
Bei der Polizei sind gleich 117 Stellen geschaffen worden. Dabei waren an der letzten Budgetdebatte schon 15 zusätzliche Stellen höchst umstritten.
Diese 117 Stellen hatten wir lange nicht besetzen können. Sie waren zwar bewilligt, das Geld war gesprochen, aber wir konnten nicht genügend geeignete Aspiranten dafür finden. Erst im Jahr 2007 haben wir den Sollbestand erreicht. Mit den erwähnten 15 Stellen hingegen wollen wir nun unser Polizeikorps ausbauen.
Die Stadt schafft laufend Stellen. Baut sie auch Stellen ab, die es nicht mehr braucht?
In einem so grossen Betrieb wie der Stadtverwaltung mit 26'000 Angestellten gibt es immer Verbesserungspotenzial. Das stelle ich ganz selbstkritisch fest. Wie in der Privatwirtschaft schleifen sich Abläufe und Gewohnheiten ein. Im Stadtrat schauen wir aber sehr genau hin und fragen uns immer: Machen wir es richtig? Können wir optimieren?
Das Parlament fordert oft, dass die Stadt nur neue Stellen schafft, wenn sie an einem anderen Ort Stellen abbaut.
Stellen innerhalb der Verwaltung zu verschieben, ist nicht so einfach, wie man meint. Wenn wir mehr Hebammen brauchen, können wir nicht den Stadtrat von neun auf sieben Personen reduzieren und den Vollenwyder ins Triemlispital schicken. Es läuft dann dort nicht besser.
Es wäre einen Versuch wert. Der Stadtrat müsste aber auch nicht Personen, sondern Stellen verschieben.
Nehmen wir die Sanität. Wenn wir sagen würden, dass ein Rettungsfahrzeug nicht mehr spätestens innert 10, sondern innert 20 Minuten am Unfallort sein muss, dann bräuchten wir weniger Fahrzeuge und weniger Personal. Es ist aber eine andere Frage, ob die Bevölkerung das will. Wenn jemand verletzt ist, sind bereits 10 Minuten eine sehr lange Wartezeit.
Wie gross wird die Verwaltung noch?
Wenn die Stadt weiter wächst, wird die Verwaltung mit ihr mitwachsen. Bleiben die Aufgaben hingegen dieselben wie heute, wird auch die Zahl der Stellen nicht steigen.
Kann sich die Stadt eine so grosse Verwaltung überhaupt leisten?
Ich habe keine Angst, dass wir sie nicht mehr bezahlen können. In Zürich wird schon lange der Weltuntergang vorhergesagt. Aber obwohl die beiden Grossbanken seit einigen Jahren keine Steuern mehr zahlen, haben wir für nächstes Jahr ein ausgeglichenes Budget.
Nach 2011 kommen allerdings schwierige Jahre auf die Stadt zu.
Ja, aber wir haben Eigenkapital. Als ich einmal sagte, wir würden Ende 2010 noch über 400 Millionen Reserven verfügen, wurde ich als Schönfärber bezeichnet. Schliesslich waren es aber 720 Millionen Eigenkapital. Mein Weltbild war also nicht so falsch. Ich glaube an Zürich. Zürich ist eine attraktive Stadt, und es wollen viele Leute hierherkommen; entsprechend werden wir auch bei den Quellensteuern wieder eine schöne Summe einnehmen. Die Jahre 2013 und 2014 werden heftig, das stimmt, aber wir sind für den Sturm gewappnet. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 05.12.2011, 09:00 Uhr
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25 Kommentare
Die Verwaltung dient in erster Linie sich selber. Es ist eine Illusion, diese zu kontrollieren. Amt für Städtebau von drei Mitarbeitern auf 100 gewachsen, viele Deutsche, die nun Schweizer beim Bauen schikanieren. Und daneben ist eine zweite Organisation für das gleiche: Das Amt für Baubewilligung. Zudem sind dies alles keine Dienstleister, sondern Schikanierer Antworten
Die Stadtbevölkerung ist um 6.9% gewachsen (27'000 / 390'000) die Verwaltung aber um 10%. Und die Verwaltung weiss nicht mal wo...
Ich bin bin wirklich kein SVP-Wähler, aber die Aussagen von Herr Vollenwyder sind eine Frechheit gegenüber jedem Angestellten in der Privatwirtschaft.
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