«Diese Frist gebe ich, dann ziehe ich meine Lösung durch»

Die Besetzer des früheren Zürcher Hotels Atlantis haben am Samstagmittag Besuch erhalten. Der Buchser Unternehmer und derzeitige Mieter Werner Hofmann will eine Lösung. Nach dem Gespräch zeigte er sich zuversichtlich.

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13:30 Uhr: Hofmann kehrt von den Verhandlungen mit den Besetzern zurück. Gut eine Stunde hätten sie gesprochen. Keiner war vermumt, das hatte er verlangt. «Das sind gute Typen», so der Unternehmer. Er sei offen für verschiedene Lösungen. Laut Hofmann wollen sich die Besetzer überlegen, ob sie das Projekt selber durchziehen wollen. Will heissen, Hofmann verlangt von ihnen den Zins, den er jetzt der Eigentümerin zahlen muss, also rund 34'000 Franken. Hinzu kämen noch Nebenkosten, also gesamthaft gut 45'000 bis 50'000 Franken. Monatlich. Allein für das Heizen der Räume seien 160'000 Liter Öl pro Jahr nötig, rechnet Hofmann vor. Schon so kämen 80'000 Franken zusammen.

Während des Gesprächs mit Hofmann huschen immer mal wieder Smile-Vermummte über die Balkone, um gleich wieder hinter den Glastüren zu verschwinden.

Bis Montag wollte er ihnen Frist geben, das war sein Plan. Herausgekommen ist Mittwoch 16 Uhr. «Diese Frist gebe ich, dann ziehe ich meine Lösung durch.» Für einen kurzen Moment wird Hofmann, der zuvor äusserst locker wirkte, energisch. Seine Lösung heisst, die Handwerker verwandeln das Gebäude innert Monatsfrist in eine Art Studentenwohnheim. Zimmer will er erstellen, für 350 bis 400 Franken pro Monat. Schon Anfang Dezember will er fertig sein. Pinselrenovation sagt er dem. Streichen und neue Teppiche.

Was geschieht, wenn am Mittwoch auch keine Lösung da ist? Hofmann weicht aus. Mit der Polizei will er aber nicht einfahren. «Mir reicht es schon, wenn ich einen Zettel unter der Windschutzscheibe habe.»

Dann zeigt uns Hofmann noch das Innere des Atlantis. Es ist kalt, dunkel und lädt nicht gerade zum Bleiben ein. Wir schreiten durch verschiedene Zimmer. Sie sind heruntergekommen. Steckdosen rausgerissen, Teppiche abgenutzt, die Wände verkritzelt. Zuvor wohnten hier während knapp zwei Jahren Asylanten. Von den Besetzern bekommen wir praktisch nichts zu sehen. Nur ab und zu gehen Türen, ein junger Mann in Trainerhosen quert den Gang. Sprechen will er nicht. Am Handy redet er englisch.

12 Uhr: Ein Landrover fährt beim Atlantis vor. Werner Hofmann steigt aus, mit weiblicher Begleitung und einem Hund. Er mietet das Atlantis und will es innert kürzester Zeit zu einem Gebäude mit Studentenwohungen umfunktionieren. Nur hat er ein Problem. Seit einigen Tagen wird das Gebäude im Triemli-Quartier besetzt.

Hofmann lässt sich allerdings dadurch nicht von seinen Plänen abbringen und sucht den direkten Kontakt. «Ich will denen in die Augen schauen und keine Vermummte sehen», sagt Hofmann. Journalisten will er beim Gespräch keine dabei haben. «Nachher hole ich Euch und zeige die Zimmer. Dann könnt Ihr Euch ein Bild davon machen: Vorher - Nachher.» Nachher heisst für ihn in gut einem Monat. Er will 500'000 Franken investieren. Dann sollen Zimmer für 350 - 400 Franken bereit stehen. Für Studenten. Das ist seine Idee. «Ich gebe ihnen, was sie wollen.»

Ist Hofmann ein Wohltäter? Immerhin zahlt er 34'000 Franken Miete für die Liegenschaft, pro Monat. «Nein, ich rechne mit einer schwarzen Null.» Im Hinterkopf hat er aber noch ein anderes Geschäft. Er rechne damit, dass beim späteren Umbau - geplant sind 70 Eigentumswohungen - er mit seiner Sanitärfirma Brun die ganzen Sanitäreinrichtungen bauen kann. 3,5 Millionen Franken könnte ihm der Auftrag einbringen. So seine Schätzung. Noch allerdings ist es nicht soweit.

Dann schreitet er ins Gebäude. An der Glasfront öffnet er mit einem Schlüssel die Tür und verschwindet in den Räumen des Atlantis. Sein Ziel: «Ich will, dass die Besetzer bis am Montag ausziehen.»

Das Hotel war Ende der 1960er Jahre erbaut worden. Lange galt es als Top-Adresse in Zürich. Ende Oktober 2004 wurde es geschlossen. Von Januar 2009 bis August 2010 nutzte es die Stadt als Unterkunft für rund 200 Aslysuchende, dann stand es wieder leer. Vor einer Woche wurde es von Aktivisten besetzt. Sie erklärten, das Gebäude für öffentliche Veranstaltungen nutzen zu wollen.

Besitzerin ist noch immer die «Neue Hotel Atlantis AG», eine Tochter der Rosebud Hotels Holding in Luxemburg. Und sie hat das ehemalige Hotel an Hofmanns Tescon T.S.C. AG aus Buchs ZH vermietet. Die Zwischennutzung soll anderthalb bis zwei Jahre dauern. In der Zwischenzeit wird das Bewilligungsverfahren für die Erstellung von Wohnungen vorangetrieben. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.10.2010, 12:33 Uhr

Von 5 Schüssen getroffen

Werner Hofmann war letzten Januar von einem ehemaligen Mitarbeiter angegriffen worden. 5 Schüsse trafen den Unternehmer. Drei davon gingen durch seinen Körper. Er schwebte in Lebensgefahr. Gesundheitlich scheint sich Hofman davon erholt zu haben. «Mein Umfeld hat mir geholfen. Im April konnte ich das Uni-Spital verlassen.» Der Täter richtete sich nach der Bluttat selbst.

Dass er sich heute mit Hausbesetzern an einen Tisch setze und verhandle, wäre vielleicht vor diesem Schreckenserlebnis nicht möglich gewesen, so Hofmann. «Ich, als ehemaliger Militäroffizier.»

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