Dreiste Diebe beklauen narkotisierten Notfallpatienten
Von Beat Metzler. Aktualisiert am 08.12.2011 32 Kommentare
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Die Diebe kamen, als Walter Richiger* sie unmöglich bemerken konnte. Er lag auf dem Operationstisch, betäubt von einer Vollnarkose.
Nach einer Fahrradkollision war Richiger mit verletztem Gesicht ins Spital gefahren worden, kurz vor der Operation bezog er sein Einzelzimmer. «Das Personal riet mir, den Tresor zu benutzen, aber ich war etwas verwirrt und hielt den Hinweis für nicht sonderlich wichtig.» Kleider samt Wertsachen legte er in den Schrank und verriegelte diesen mit einem Schlüssel. Dann erschien die Anästhesistin.
Am Abend, als Richiger wieder halbwegs wach in seinem Zimmer lag, bemerkte die Pflegefachfrau, dass der eigentlich abgeschlossene Schrank offen stand. Während der Operation mussten Diebe das leere Zimmer betreten, die Schranktür aufgehebelt und das Portemonnaie sowie die Uhr eingesteckt haben. Angeschlagen von seiner Verletzung, sperrte Richiger am nächsten Tag seine Kreditkarten und füllte Diebstahlformulare aus. Eine Pflegefachfrau erzählte ihm, er sei bei weitem nicht der erste Patient, der beklaut worden sei. «Ich sorgte mich um meine Gesundheit. Mir war nicht bewusst, wie vorsichtig man sein muss», sagt Richiger.
Keine absolute Sicherheit
Zu Diebstählen komme es leider immer wieder, sagt Unispital-Sprecherin Barbara Beccaro. «Eine Häufung gibt es jedoch nicht. Wir haben kein Diebstahl-Problem.» Wie oft Patienten bestohlen würden, weiss Beccaro nicht. Das Unispital beschäftigt aber einen Sicherheitsdienst, der die Fälle untersucht, «Vorkehrungen» trifft und, wenn nötig, die Polizei hinzuzieht. Ausserdem ist das Spital im Begriff, alle Zimmer mit einem Tresor auszustatten. Momentan befinden sich solche erst in einem Teil der Räume, vor allem in Einzelzimmern. Die Patienten können aber bereits heute einen zentralen Tresor benutzen.
Beccaro rät, einen Spitalaufenthalt ohne viel Geld oder Wertsachen anzutreten. «Beides braucht man nicht bei uns. Darauf weist auch eine Informationsbroschüre hin.» Hundertprozentige Sicherheit gegen Diebstähle könne das Unispital nicht garantieren. Auf seinem Areal bewegen sich täglich 10 000 Menschen, zu vielen Bereichen herrscht freier Zugang. Jeder, der möchte, kann ungehindert durch die Korridore spazieren. Und obwohl nur Mitarbeitende, Patienten und deren Besucher Spitalzimmer betreten dürfen, lasse sich dies unmöglich kontrollieren. «Sonst müssten wir überall Sicherheitsleute hinstellen. Das wäre ein viel zu grosser Aufwand», sagt Beccaro.
Das Bargeld bleibt verloren
Im Stadtspital Triemli meldeten Patienten 2011 etwa ein Dutzend Diebstähle, wobei manchmal unklar bleibe, ob die Gegenstände nicht einfach verloren gingen. Die Zahl entspreche dem Durchschnitt der letzten Jahre, sagt eine Sprecherin. «Wir nehmen die Problematik sehr ernst, sensibilisieren Personal und Patienten und unterstützen diese bei einer Anzeige, falls trotzdem etwas entwendet wird.» Triemli-Patienten können ihre Wertgegenstände an der Kasse deponieren, bei Notfällen gebe man die Wertsachen den Angehörigen mit oder verstaue sie in einem Tresor. Im neuen Triemli-Bettenhaus werden alle Räume über einen Safe verfügen, die bisherigen Zimmer sind zumindest mit abschliessbaren Schränken ausgerüstet.
Auch bei der Stadtpolizei kennt man das Problem. «Es gehen ab und zu Anzeigen ein, eine Zunahme stellen wir nicht fest», sagt Sprecher Marco Bisa. Personal und Polizei hätten schon einige Diebe auf frischer Tat ertappt. Dabei handelte es sich stets um Auswärtige, die sich in das Spital geschlichen hatten. Mitarbeitende seien an keinem der Fälle beteiligt gewesen.
Problem schweizweit bekannt
In anderen Schweizer Spitälern kommt es ebenfalls immer wieder zu Diebstählen. Ein erhöhtes Risiko besteht in den Notfallaufnahmen, wo die Patienten vor den Operationen Schmuck und Uhren ablegen. Viele Betriebe verteilen Merkblätter, in denen sie raten, alle Wertsachen wegzuschliessen.
Für Walter Richiger war dieser Hinweis im falschen Moment gekommen. Einige Tage nach seinem Spitalaustritt traf er einen Angestellten des Sicherheitsdienstes. Sein Portemonnaie war wieder aufgetaucht. Die Karten steckten am gleichen Ort wie zuvor. Allerdings fehlten 200 Franken, und die Uhr blieb verschwunden. Richigers Haftpflichtversicherung wird sie bezahlen, das Bargeld ersetzt sie nicht. Und das Unispital kommt nur für Schäden auf, für die der Betrieb direkt verantwortlich ist.
* Name geändert
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 08.12.2011, 07:12 Uhr
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32 Kommentare
Wieder eine Multikulti-Errungenschaft bzw. -Notwendigkeit mehr: Tresore im Krankenzimmer. Am Ende braucht es noch Security und Waffenkontrollen am Spitaleingang wie in gewissen Ländern. Kriminaltouristen entdecken jede Schwachstelle unserer offenen Gesellschaft, und nutzen sie schamlos aus. Dass Krankenwagen in gewissen Multikulti-Quartieren Polizeischutz brauchen ist auch so eine Errungenschaft. Antworten

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