Zürich

Drogentherapeutin organisierte kostenlose Meskalin-Party

Von Hugo Stamm. Aktualisiert am 26.01.2010 1 Kommentar

Psychotherapeutin F. M. hat nicht nur illegale Drogentherapien durchgeführt, sondern auch ihre Patienten zum Geburtstag eingeladen. Zum Dessert gabs Meskalin.

Party mit Meskalin: Selbst an ihrem Geburtstag therapierte F. M. ihre Patienten – dann allerdings kostenlos.

Doris Fanconi

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Die 62-jährige Zürcher Ärztin F. M. hat jahrelang in ihren Praxisräumen im Kreis 8 Patienten mit LSD, MDMA (Ecstasy), Meskalin und Ayahuasca therapiert. Der «Tages-Anzeiger» berichtete letzte Woche darüber. Bei den Gruppensitzungen schluckten sie sowie ihr Ehemann, ein bekannter Rechtsanwalt, ebenfalls Drogen. Nach einer Hausdurchsuchung wurden die beiden fast zwei Wochen in Untersuchungshaft genommen.

Neue Recherchen zeigen nun, dass F. M. fasziniert war von den angeblichen therapeutischen Wirkungen der Drogen. Sie verabreichte ihren Patienten die verbotenen Substanzen im vollen Bewusstsein, illegal zu handeln. Dabei leistete sie sich persönliche Verstrickungen, die gegen die Regeln der Psychotherapie verstossen.

Ein Beispiel: Zu ihrem 60. Geburtstag lud F. M. Patienten zu einer Drogensitzung in ihre Villa ein. Bei der illegalen und therapeutisch fragwürdigen Geburtstagsparty schluckten F. M. und ihre Gäste Meskalin. Die Droge wird aus dem Peyote-Kaktus gewonnen und erzeugt eine halluzinogene Wirkung. «Es war eine normale Sitzung», sagte F. M. dazu, «die Teilnehmer haben nur nichts bezahlen müssen.»

«Ins Universum schauen»

Bei vielen Patienten schien das Interesse an den Drogen über die therapeutische Wirkung hinauszugehen. Denn halluzinogene Mittel sollen verdrängte oder traumatische Erlebnisse ins Bewusstsein holen können. «Es wurde alles geschluckt, was die Natur hergibt», sagt ein ehemaliger Patient. Ein anderer ergänzt: «F. M. sagte uns, wir würden unter dem Einfluss der bewusstseinserweiternden Mittel ins Universum schauen können.» Da die psychoaktiven Substanzen teilweise enthemmend wirken, lagen sich die Patienten oft in den Armen.

Nachforschungen ergaben weiter, dass ein Teil der Patienten nicht nur eine starke Bindung zu ihrer Therapeutin hatten, sondern unrealistisch hohe Erwartungen an die psychotherapeutische Wirkung der Drogen. Als F. M. einmal signalisiert habe, allenfalls auf den Einsatz von psychoaktiven Substanzen in der Therapie zu verzichten, hätten mehrere Patienten verunsichert reagiert. «Sie diskutierten, ob sie eine eigene Gruppe bilden sollten, um weiterhin Seelenreisen mithilfe der Drogen zu organisieren», sagt ein Patient.

Bilder von Toten

Gelegentlich kam es bei den Drogensitzungen zu Zwischenfällen. «Eine Patientin erzählte mir, sie habe Angstzustände durchlebt», berichtet ein Klient. Bei ihr seien Bilder von Toten aufgetaucht. Ausserdem habe sie ins Universum geblickt, das mit verkehrt aufgehängten Kreuzen übersät gewesen sei, an denen Jesus hing. Ein Patient erinnerte sich daran, dass eine Teilnehmerin einmal nicht mehr ansprechbar gewesen sei. F. M. habe gesagt, die Patientin sei aus dem Körper getreten und «geistig abgehauen».

Schlimme Szenen hätten sich jeweils abgespielt, wenn der brasilianische Schamane Luis nach Zürich gekommen sei und mit 30 Teilnehmern eine Ayahuasca-Sitzung in der Villa der Therapeutin durchgeführt habe. «Alle liefen mit einem Plastikbeutel herum, etliche mussten sich übergeben.» Die kleine, unscheinbare Ärztin und Therapeutin kann bei den Therapien resolut auftreten. In der beruflichen Rolle blüht sie förmlich auf, berichten die ehemaligen Patienten übereinstimmend. «Sie sieht sich als Pionierin in der Drogentherapie. Mir kam es vor, als müsse sie eine Mission erfüllen», sagt ein Patient. Bei den Drogensitzungen hätten sie sich wie eine eingeschworene Gruppe oder wie Erleuchtete gefühlt, die über das geheime Wissen verfügten. Manche hätten die Therapeutin verehrt.

Ihre resolute Art zeigte sich gelegentlich auch bei den Gesprächstherapien. «F. M. hat meine Frau an einer Sitzung ultimativ aufgefordert, mir endlich zu sagen, sie wolle sich von mir trennen», sagt ein Patient. F. M. sagte dazu, sie arbeite bei Paarproblematiken «konfrontativ und aufzeigend», der Zeitpunkt müsse jedoch stimmen. «Ich habe der Patientin in der Tat geraten, das auszusprechen, was sie seit langem wollte und mir gegenüber oft geäussert hatte, sich nämlich von ihrem Partner zu trennen.»

Bewilligung noch rechtens?

Was unternehmen die Gesundheitsbehörden oder Kantonsarzt Ulrich Gabathuler, wenn sie Hinweise auf einen therapeutischen Missbrauch erhalten? Urs Rüegg von der Gesundheitsdirektion sagt, sie würden die Vorwürfe überprüfen und eine Stellungnahme der Betroffenen einholen. Der Informationsfluss laufe auf beiden Seiten: von der Justiz zu den Gesundheitsbehörden und umgekehrt. Bestätigt sich die Verletzung des Gesundheitsgesetzes, drohen den Fehlbaren Sanktionen bis hin zum Entzug der Bewilligung. Wie die Behörden im Fall der angeschuldigten Ärztin F. M. vorgehen, kann Rüegg aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen nicht verraten. Er bestätigt aber, dass die Psychotherapeutin noch immer die Bewilligung besitzt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.01.2010, 04:00 Uhr

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1 Kommentar

marc walter

26.01.2010, 12:48 Uhr
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Danke das der Tagi hier dranbleibt, und sich nicht verunsichern lässt von Leuten, welche die Berichterstattung über diesen Fall gerne in die Ecke der Hexenjagd drängen möchten! Ich finde Drogen, auch in der Therapie, nicht von vorneherein schlecht. Aber Psychologen, welche psychisch labilen Menschen eine universal anwendbare, jedoch längst überholte Hippieromantik eintrichtern, sind gefährlich!! Antworten



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