Edelstein im Decolleté
Von Peter Aeschlimann. Aktualisiert am 06.10.2009
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Ein FCZ-Logo würde sie sich nie stechen lassen, und von Namen rät sie – Verliebtheit hin oder her – grundsätzlich ab. Das Gesicht ist tabu, und auch beim viel zitierten Arschgeweih, der Eintagsfliege unter den Tattoos, legt sie nach Möglichkeiten ihr Veto ein. Und trotzdem hat Giada Ilardo eine Jugendsünde auf ihrem 26-jährigen Körper verewigt: Ein Playboy-Bunny über dem Steissbein. «Das wird jetzt gecovert», sagt sie, also mit einem neuen Motiv verdeckt.
Am Samstag hat Giada Ilardo ihr drittes Tattoo- und Piercing-Studio in Zürich eröffnet. Es heisst Giahi, wie die Filialen im Niederdorf und in Seebach. Und es ist das schweizweit grösste, wie die Unternehmerin sagt. Drei Tätowierer und fünf Piercer werden hier täglich anwesend sein. Sie werden heulende Wölfe auf Oberarme stechen, Ohrläppchen mit hölzernen Ringen (Tunnels) ausstaffieren, Zungen, Bauchnabel und Lippen piercen, und Dermals unter der Haut verankern. Dermals? Giada Ilardo nestelt an ihrem Oberteil, bückt sich nach vorn und zeigt ihr Decolleté, auf dem neckisch ein kleiner Edelstein glitzert: «Das ist ein Dermal.» Die Halbimplantate seien eine Spezialität des Hauses. Für nächste Woche habe sich jemand angemeldet, der sich 45 solcher Teile stechen lassen will, die gemeinsam einen Notenschlüssel formen.
Süsser Schmerz
Die Arbeitsplätze der professionellen Piercer und Tätowierer im Untergeschoss sehen aus wie Sprechzimmer in Arztpraxen. Nur das hier Madonna «Like a Prayer» aus den Boxen stöhnt. Es hat Liegen, an der Wand einen Seifenspender, jede Menge Abtupfmaterial und gefährlich aussehendes Werkzeug aus Stahl in blitzblanken Schalen. Gäbe es diese sterilen Oasen nicht, wähnte man sich in einem Club. Im grosszügigen Entrée steht ein mit zigtausenden Swarovski-Klunkern verziertes, unverkäufliches Tuk-Tuk aus Thailand. In hölzernen Vitrinen hinter Glas liegen edel ausgeleuchtet die Piercings, Plugs, Tunnels und Dermals, die den Kunden ein Stockwerk tiefer in kurzen, von süssem Schmerz begleiteten Operationen verpasst werden.
«Alles, was verunstaltet, bieten wir nicht an», sagt Giada Ilardo. Im Giahi wird weder geschnitten noch verbrannt, und es werden keine Implantate komplett unter der Haut platziert. «Wir bieten Fashion an. Piercings und Tattoos verschönern einen Menschen.» Gleicher Meinung sind auch die CH-Celebrities Jennifer Ann Gerber, Salome Clausen, Stress und Marco Fritsche. Sie alle gehören zu den Kunden von Giada Ilardo. Deswegen verstehe sie nicht, warum die neue Miss Schweiz Linda Fäh, vor der Wahl ihr Bauchnabel-Piercing und das Steinchen auf dem Eckzahn habe entfernen müssen. «Diese Dinge sagen ja nichts über den Charakter aus.»
«Tattoos und Piercings sind gefragter denn je», sagt die Unternehmerin. Und man glaubt ihr, wenn man auf dem dunkelbraunen Sofa in der Lounge des Giahi sitzt und den Indoor-Brunnen plätschern hört. Hier hat sich eine Frau einen Traum verwirklicht. «Ich wollte immer irgendwo im Zentrum ankommen und mein Handwerk nicht in einem Kämmerchen verstecken müssen.»
Bombastische Jubiläumsparty
Mit 16 Jahren eröffnete Giada Ilardo mit Unterstützung der Eltern ihr erstes Studio in Altstetten, das Flagschiff an bester Lage mitten in der Innenstadt ist nun vorläufiger Höhepunkt ihrer Karriere. Nächstes Jahr feiert Giada Ilardo im Volkshaus das zehnjährige Bestehen von Giahi mit einer «bombastischen Fete». Und dann will die Businessfrau weiter expandieren. Es läuft ihr gut.
Giada ist übrigens italienisch und heisst Jade. «Eines Tages wirst du den Namen lieben», sagte la Mamma immer, wenn die Tochter in der Schule deswegen gehänselt wurde. Sie trage Jade nur im Namen, nicht um den Hals, sagt Ilardo. «Seit ich den Stein aber verkaufe, mag ich auch meinen Namen.»
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(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 06.10.2009, 04:00 Uhr
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