Ein Billigbus nach München macht der Bahn Konkurrenz

Zwei deutsche Unternehmer nutzen die Liberalisierung im Busfernverkehr und bieten Zürich–Konstanz–München ab 18 Franken an.

Der grüne Bus fährt ab 14. September über Konstanz nach Zürich.

Der grüne Bus fährt ab 14. September über Konstanz nach Zürich. Bild: PD

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Ein knallgrüner deutscher Bus kurvte gestern durch Zürich – auf der Suche nach einem Polizeiposten. Die 37-jährigen Jungunternehmer Torben Greve und Panya Putsathit – beides studierte Betriebswirte aus Berlin – brauchten in Zürich eine Bewilligung, um für ihr Unternehmen zu werben: Meinfernbus.de. Mit ihren Doppelstöckern fahren sie ab 14. September fahrplanmässig ab Zürich Busbahnhof (beim HB) über Konstanz, Meersburg und Friedrichshafen nach München – dreimal täglich unter der Woche, fünfmal am Wochenende.

Den Airlines abgeschaut

Die beiden Unternehmer sind weniger grün hinter den Ohren als ihre Busse. Sie haben lange bei der Deutschen Bahn gearbeitet. Und dabei auch deren Schwächen entdeckt: langsame Verbindungen mit häufigem Umsteigen. Im April starteten sie mit Freiburg–München und vor drei Wochen mit Konstanz–München. Nun haben sie auch eine fünfjährige Konzession aus Bern für die Verlängerung nach Zürich, samt Fahrplan- und Beförderungspflicht.

Das Buchungssystem ist den Fluglinien abgeschaut. Wer früh bucht und eine schlecht ausgelastete Verbindung erwischt, zahlt wenig. Wer hingegen sein Ticket erst im Bus kauft oder am Wochenende reisen muss, bezahlt den vollen Preis. Zürich–Konstanz kostet zwischen 11 und 14 Franken (Bahn: 15 Franken mit Halbtax), Zürich–Friedrichshafen 11 bis 24 Franken und Zürich–München 18 bis 46 Franken (Bahn 62 bis 92 Franken, 2. Klasse). Buchen kann man per Mausklick im Internet (www.meinfernbus.de) oder bei Zürich Tourismus.

Für Junge zählt der Preis

Die Fahrt nach Konstanz dauert eine Stunde, nach Friedrichshafen (inklusive Fähre) 2 Stunden 20 Minuten und nach München 4 Stunden 45 Minuten. «Wir haben die Fahrzeiten vorsichtig kalkuliert und den Verkehr in Zürich ausgetestet», sagt Torben Greve. Die Fahrt nach Konstanz ist schneller als jene mit der Bahn, allerdings hält der Bus in der Stadt und nicht am Hafen. In München ist der Bus etwa gleich schnell wie die Bahn – aber für halb so viel Geld. «Gerade für Junge und Senioren ist der Preis sehr wichtig.» Zudem setzt das Unternehmen auf die touristische Attraktivität der Bodenseeregion. Die Busse nehmen auch Velos mit und bieten Gratis-WLAN.

Die Busverbindung wurde durch ein Urteil des deutschen Bundesverfassungsgerichts möglich, das günstige und schnelle Alternativen zur Bahn als eine Verbesserung des Angebots und somit als zulässig erachtet. Die Schweizer Konzession habe man «problemlos» erhalten, sagt Putsathit. Andreas Meier vom Schweizer Unternehmen Eurobus attestiert der Verbindung Zürich–München für Busse «ein gewisses Potenzial». Auch Marktführer Eurolines fährt Zürich–München via St. Gallen, aber nur dreimal in der Woche nachts für 50 Franken.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 31.08.2012, 07:57 Uhr)

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