«Ein Fallgatter zeigt nur bis 8 km/h Wirkung»
Interview: Tina Fassbind. Aktualisiert am 20.12.2010 8 Kommentare
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«Bei der Entwicklung der Cobra-Trams wurde eine Ausrüstung mit Fallgattern getestet und verworfen»: Daniela Tobler, VBZ-Mediensprecherin. (Bild: PD)
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Frau Tobler, der grüne Nationalrat Bastien Girod fordert gemeinsam mit Pro Velo Schweiz und zahlreichen Mitunterzeichnern, dass die Fallgatter für Niederflurtrams obligatorisch werden. Die Cobras seien zu wenig sicher. Was sagt die VBZ zu Girods Vorwürfen?
Der politische Vorstoss von Bastien Girod liegt den VBZ nicht vor. Wir kennen seine Forderungen ausschliesslich aus den Medien. Zur Untermauerung der Forderungen benutzt er einen tödlich verlaufenen Unfall, zu dem wir uns aufgrund des laufenden Verfahrens nicht äussern können. Schutzvorrichtungen für Trams sind bereits obligatorisch. Das Gesetz sieht diese Schutzvorrichtung vor, ohne sie genauer zu präzisieren. Das Bundesamt für Verkehr als Aufsichtsbehörde hat mit der Betriebsbewilligung für das Cobra-Tram und regelmässigen Kontrollen bestätigt, dass die gesetzlich geforderten Vorschriften eingehalten werden.
Gab es tatsächlich mehr Unfälle mit Cobras?
Der Tramtyp wird in der jährlichen Verkehrsunfallstatistik nicht erfasst. Die bis Ende September erfassten Tram-Unfälle liegen mit 105 Kollisionen auf demselben Niveau wie im Vorjahr. Dabei verliefen drei Unfälle tödlich. Diese Zahl entspricht ebenfalls dem Durchschnitt der letzten Jahre. In diesem Jahr wurden die letzten Cobra-Fahrzeuge ausgeliefert. Jetzt besteht etwa die Hälfte der eingesetzten Tramzüge aus den Niederflurfahrzeugen. Daher ist die Wahrscheinlichkeit gewachsen, dass ein Cobra-Tram in einen dieser Unfälle verwickelt war. Das heisst aber nicht, dass die Unfälle mit Cobras zugenommen hätten.
Wie sicher sind die Fallrechen der alten Trams im Vergleich zum Cobra-Tram?
Ein pauschaler Vergleich lässt sich nicht ziehen. Das Cobra-Tram als Niederflurfahrzeug und das ältere Tram 2000 sind in der Ausgestaltung ihrer Front zwei verschiedene Fahrzeugtypen. Die Fahrzeugfront beim Cobra ist extra tief nach unten gezogen und hat keine vorstehenden scharfkantigen Teile. Das Tram 2000 weist diese sicherheitsrelevanten Aspekte nicht auf. Es wurden Fallgatter montiert, welche unter bestimmten Umständen zu einer Abschwächung der Unfallfolgen beitragen können.
Was heisst ‹unter bestimmten Umständen›?
Da der Auslösemechanismus eine gewisse Trägheit besitzt, zeigt das Fallgatter seine Wirkung nur bis zu einer Geschwindigkeit von höchstens 8 km/h. Selbst dann ist es nur ein Mittel, Schlimmeres zu verhindern und schützt keineswegs völlig vor Verletzungen.
Wäre der Einbau von Fallrechen überhaupt möglich?
Bei der Entwicklung der Cobra-Trams wurde in der Prototypenphase eine Ausrüstung mit Fallgattern getestet und verworfen. Das Bundesamt für Verkehr erachtete den gesetzlich verankerten Überfahrschutz auch so als gegeben aufgrund der speziellen Konstruktion der Front.
Warum geraten die Personen unters Cobra-Tram, wenn die Schnauze des Fahrzeugs sie doch eigentlich «wegdrücken» müsste?
Dass eine Person unter das Tram gerät, kann leider nie ausgeschlossen werden – auch nicht mit einem Fallgatter. Das Gatter soll verhindern, dass die Person vom Fahrzeug überrollt wird. Beim Cobra übernimmt diesen Überrollschutz die tief nach unten gezogene Front. Jeder Unfall muss einzeln betrachtet und analysiert werden. Nach unserem Kenntnisstand gibt es keine gesicherten Hinweise, dass beim Cobra-Tram die Gefahr, überrollt zu werden, grösser ist als bei einem Hochflurfahrzeug. Bereits ein Seitenaufprall kann aufgrund schwerer Kopfverletzungen einen tödlichen Verlauf nehmen.
Gibt es besonders neuralgische Stellen im VBZ-Netz?
Die Unfallschwerpunkte sind übers ganze Netz verteilt. Aber auf den stark frequentierten Strassen und Plätzen der Innenstadt ist eine erhöhte Aufmerksamkeit der Tramführer und -führerinnen gefordert. In vielen Fällen verhindern sie durch vorausschauendes Fahren Kollisionen mit verschiedensten Verkehrsteilnehmern, die oftmals unaufmerksam und abgelenkt von Handy oder iPods Tramtrassees überqueren.
Was ist das weitere Vorgehen der VBZ bezüglich Optimierung der Sicherheit?
Die Sicherheit hat immer und zu jeder Zeit oberste Priorität. Unsere Massnahmen zur Unfallverhütung setzen daher auf mehreren Ebenen an: In der Aus- und Weiterbildung des Fahrpersonals ist Unfallprävention ein regelmässiges Thema. Im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit führen die VBZ, die Dienstabteilung Verkehr und die Stadtpolizei Zürich regelmässig Präventionskampagnen durch, die immer wieder auch den Tramvortritt thematisieren.
Wie sieht die Sicherheit der nächsten Tramgeneration aus?
Im Moment wird die öffentliche Ausschreibung für die nächste Tramgeneration vorbereitet. Selbstverständlich hat der Sicherheitsaspekt für ein Verkehrsunternehmen bei allen Vorgaben im Anforderungsprofil oberste Priorität. Der Schutz von Personen im Falle einer Kollision ist Teil des Anforderungsprofils.
Das Interview wurde auf Wunsch der VBZ schriftlich geführt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 20.12.2010, 10:55 Uhr
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8 Kommentare
Wie wäre beim Cobra eine fest montierte, senkrecht nach unten weisende zähe Gummiplatte (wie bei Förderbändern benutzt), die direkt hinter die untere Karrosserie-Kante (Spoiler) verschraubt werden könnte, also im Grundriss seitlich gewölbt, und bis wenige cm zur Strasse reichend? Das wäre sicher mit minimalem Aufwand möglich, und dürfte zweckentsprechend sein? Keinerlei bewegliche Mechanik nötig. Antworten
Für sein Leben ist man selbst Verantwortlich - korrekt. Aber wenn man mit einfachen technischen Mittel Leben retten oder Verletzungen abschwächen kann, soll man dies auch machen. Denn jeder war wohl in seinem Leben mal unachtsam (in welcher Situation auch immer) - viele haben dann Glück (wie Sie Herr Kuhn), einige wenige leider Pech. Antworten






