Ein Monat der Superlative

Heiss, heisser, am heissesten: Die vergangenen Hitzetage haben der Stadt Zürich gleich mehrere Rekorde beschert.

Ab ins Wasser: Wer konnte, ist in den vergangenen Tagen abgetaucht.

Ab ins Wasser: Wer konnte, ist in den vergangenen Tagen abgetaucht. Bild: Keystone

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Knapp 30 Grad zeigt das Thermometer heute Montagmittag an – das ist fast schon kühl im Vergleich zu den vergangenen Tagen. Seit Wochen hält das schöne und heisse Wetter an. In der Nacht zum 23. Juni wurde auf dem Zürichberg mit 24,2 Grad gar die heisseste Nacht seit Messbeginn vor 135 Jahren verzeichnet.

Ab Mittwoch ist vorerst mal Schluss mit der Hitzewelle. Dann ist eine erste Abkühlung vorhergesagt. Am Donnerstag sinken die Temperaturen gemäss Meteorologen gar auf rund 20 Grad. Das bedeutet für viele Mitarbeiter der Stadt eine kurze Verschnaufpause vom Dauereinsatz.

Besucherrekord in den Sommerbädern

Vor allem die Zürcher Bademeister arbeiten derzeit «hart am Limit», wie Thomas Kralemann, Bereichsleiter beim Zürcher Sportamt, auf Anfrage sagt. «In der Regel können sie Überstunden an regnerischen Tagen abbauen, was momentan nicht der Fall ist.» Seit Saisonstart am 13. Mai haben gemäss Kralemann bereits 715’000 Badegäste die Zürcher Sommerbäder besucht. «Das sind 368 Prozent mehr als im Juni des vergangenen Jahres: Damals haben wir zur selben Zeit 194’000 Besucher verzeichnet.»

Gut 1,6 Millionen Badegäste waren es schliesslich am Ende der Sommersaison 2016, die eines der Zürcher See-, Fluss- und Freibäder besucht haben. Mehr als in früheren Jahren. Nach dem aussergewöhnlich guten Start in die neue Saison dürfte dieser Spitzenwert erneut gebrochen werden. «Wir sind aber nicht auf Rekordjagd», betont Kralemann, «für uns ist wichtig, dass unsere Besucher zufrieden sind. Dann haben wir unser Ziel erreicht.»

12 Tonnen Müll am See

Überstunden mussten in den vergangenen Wochen auch die Mitarbeiter von Entsorgung + Recycling Zürich (ERZ) leisten. Denn die Menschen kühlen sich nicht nur in Badis ab, sondern gehen an langen, heissen Tagen auch sonst gern an den See – und lassen dort ihren Müll liegen. «Wir sind ab und zu bei der Abfallentsorgung an Kapazitätsgrenzen gestossen», sagt die ERZ-Medienverantwortliche Leta Filli. Dies, obwohl die ERZ wie jedes Jahr in den Sommermonaten zusätzliche Einsatzkräfte bei einem externen Dienstleister engagiert hat, um die Sauberkeit in der Stadt sicherzustellen.

Wie viel Müll die ERZ in den letzten Wochen aus dem öffentlichen Raum abtransportieren musste, kann Filli nicht sagen. Die aktuellen Zahlen über die Abfallmengen liegen noch nicht vor. «Aber an schönen Sommerwochenenden entsorgen wir jeweils bis zu 12 Tonnen Abfall aus den Seeanlagen.»

Giessen statt mähen

Auch die Mitarbeiter von Grün Stadt Zürich haben derzeit mit der Pflege der öffentlichen Grünanlagen alle Hände voll zu tun. Sie seien es allerdings gewohnt, ihre Arbeit der Vegetation anzupassen, sagt Mediensprecher Marc Werlen. «Im Sommer fällt mehr Arbeit an, die unsere Mitarbeitenden in den Wintermonaten kompensieren können.»

Die Hitze bringt gemäss Werlen nicht nur Mehrarbeit. «Gewisse Aufgaben fallen aufgrund der hohen Temperaturen auch weg. Beispielsweise das Mähen, weil das Gras weniger schnell wächst.» Auch begiesse Grün Stadt Zürich nicht alle Wiesen. Im Fokus stehen laut Werlen Anlagen wie Friedhöfe, Fussballfelder und Jungbäume.

Rekordhoher Wasserverbrauch

«So viel wie nötig und so wenig wie möglich» lautet bei Grün Stadt Zürich der Grundsatz beim Bewässern der Pflanzen. Offenbar schränken sich die Menschen beim Wasserverbrauch nicht so stark ein: Am 22. Juni hat die Zürcher Wasserversorgung statt der durchschnittlichen 145’000 Kubikmeter Wasser am Tag 220’000 Kubikmeter Wasser ausgeliefert.

Laut Riccarda Engi, Medienverantwortliche der Zürcher Wasserversorgung, gibt es jedes Jahr einen Tag, an dem gegen 210’000 Kubikmeter Wasser ausgeliefert werden müssen. «Aussergewöhnlich ist, dass wir in diesem Jahr bereits so früh einen Rekordwert erreicht haben. Dazu hat sicherlich auch beigetragen, dass es im Unterschied zu früheren Jahren schon im März und April sehr heiss war.»

Welches Quartier das meiste Wasser verbraucht habe, lasse sich allerdings nicht sagen. «Und da wir auch 67 umliegende Gemeinden mit Wasser versorgen, können wir keine Angaben darüber machen, wo der Wasserverbrauch am höchsten ist.»

Über 60 Grad heiss: Eine Wärmebildkamera zeigt die heissesten Stellen in Zürich. (Video: Mario von Ow und Lea Blum)

Lange Hosen auch bei über 34 Grad

Besonders durstig dürften die Mitarbeiter von Schutz und Rettung Zürich (SRZ) in den letzten Hitzetagen gewesen sein. Vor allem die Rettungssanitäter, die aus Sicherheitsgründen immer Einsatzkleider gemäss Bekleidungskonzept tragen müssen. Lange Hosen und solides Schuhwerk gehören laut SRZ-Sprecher Roland Portmann stets dazu. Ab Temperaturen von 25 Grad sind zwar kurzärmlige Shirts erlaubt, im Freien sind zusätzlich leuchtfarbene Westen allerdings immer noch Pflicht.

Bei einem Brandeinsatz könne es zudem sein, dass aufgrund der hohen Temperaturen die Einsatzkräfte rascher ausgewechselt werden müssen. «Aber wir sind auf solche Situationen vorbereitet und haben die Hitze im Alltag im Griff.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.06.2017, 15:36 Uhr

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