Zürich

«Ein Privatjet liegt bei uns einfach nicht drin»

Interview: Tina Fassbind. Aktualisiert am 11.08.2011 20 Kommentare

Seit zehn Jahren ist Robin Brühlmann für die DJs zuständig, die an der Street-Parade auflegen. Im Interview verrät er, wie er die grossen Namen nach Zürich holt und wie sie auf Groupies reagieren.

«Es ist ein Märchen, dass an der Street Parade Riesengagen verteilt werden»: Robin Brühlmann. (Bild: ZVG)

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Robin Brühlmann vom Verein Street Parade Zürich ist seit zehn Jahren als Head of Artist Booking für die DJs zuständig, die entlang der Route auf den offiziellen Bühnen der Parade auftreten. In diesem Jahr werden dort 24 Stars aus dem Ausland an den Plattentellern stehen und rund 200 nationale DJ-Grössen. Insgesamt werden rund 600 DJs erwartet. Wenn Brühlmann nicht ehrenamtlich für die Street Parade arbeitet, ist er als Sales Manager für eine Internetplatform tätig.

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Wann haben Sie mit den Vorbereitungen für die Street-Parade 2011 begonnen?
Im letzten Oktober. In der Regel entscheiden wir gegen Ende des Vorjahres, welche Richtung wir an der nächsten Street-Parade einschlagen wollen, welche Bühnen wir kreieren und welchen Stil wir prägen wollen. Wenn das Gesamtkonzept steht, werden die internationalen Künstler gebucht. Wir versuchen herauszufinden, welche Künstler im Sommer hipe und innovative Musiktrends bringen werden.

Wie machen Sie das?
Ich kenne die Szene nun schon recht gut und konnte viele Kontakte knüpfen. So bin ich immer auf dem Laufenden, was gerade angesagt ist und ansteht. Wir wussten zum Beispiel, dass Martin Solveig in diesem Sommer mit seinem neuen Album «Smash» rauskommen wird. Da wussten wir auch, dass damit sicher eine musikalische Bombe gezündet wird. Jetzt haben wir ihn auf der Höhe seiner Karriere für die Street-Parade erwischt.

Und welche Spleens haben die Top-DJs?
Da gibt es eigentlich nicht besonders aussergewöhnliche Wünsche. Klar bekommen sie das Getränk, das sie möchten, oder einen Stapel Handtücher. Einer wollte bei seinem Auftritt unbedingt Haribos haben. Solche Wünsche erfüllen wir natürlich gerne, wenn wir den DJs sonst schon kein Geld geben können.

Die DJs bekommen keine Gage?
Nein. Es ist ein Märchen, dass an der Street-Parade Riesengagen verteilt werden. Niemand wird für den Auftritt bezahlt, auch nicht auf den Wagen. Viele fliegen daher nur für die Parade nach Zürich und reisen am selben Tag wieder ab. So kann die Übernachtung im Hotel gespart werden. Nur wer am Abend noch in einem Club auftritt, bekommt von den Clubbetreibern Geld.

Gab es aus diesem Grund auch schon Absagen?
Ja, David Guetta ist einer der DJs, die nach dem Motto «No Money, No Gig» vorgehen. Das müssen wir akzeptieren und wir können auch damit leben. Den Flug und das Hotelzimmer können wir bezahlen. Aber eine Übernachtung im Dolder können wir nicht bieten. Wenn da eine andere Offerte mit einer Gage von 80’000 Franken kommt, überlegt sich das ein Top-DJ schon zweimal. In dieser Liga sind ein bis zwei Businessplätze in Flugzeugen normal. Einige wollen sogar einen Privatjet. Das liegt bei uns einfach nicht drin.

Warum kommen sie trotzdem an die Stree-Parade?
Viele DJs finden es cool, dass die Street-Parade ein Non-Profit-Event ist. Sie können sich damit identifizieren. Die Herausforderung besteht darin, dass wir die Stars auch ohne Geld für uns gewinnen können. Aber wo bekommt man sonst ein so grossartiges Szenario geboten? Der See, die Stadt, Tausende, die unter freiem Himmel tanzen. So was gefällt auch einem Star-DJ.

Also gibt es keine VIP-Behandlung für die Stars?
Nein, das ist bei uns anders als bei anderen Festivals und wir mussten die DJs in dieser Beziehung ein wenig erziehen. An der Street-Parade müssen sie mitten durch die Leute zur Bühne gehen. Es gibt keine Limousinen, die sie in den Backstage-Bereich fahren. Das macht aber auch den Charme aus. Es gibt bei uns keine Hierarchien.

Welches war der nervigste DJ, mit dem Sie es bisher zu tun hatten?
(Lacht) das sage ich lieber nicht. Aber meist sind nicht die DJs nervig, sondern das Management. Der Künstler selbst will nur eine gute Musikanlage, dann ist er zufrieden. Es gibt schon einige unter ihnen, die ihr Rockstar-Image pflegen. Aber wir haben eigentlich mit den meisten DJs ein gutes Verhältnis. Es sind Menschen wie du und ich – einfach mit einem Händchen für gute Musik.

Werden die Star-DJs auch von Groupies belagert?
Das gibts schon, ja. Wir mussten auch schon die Security aufstocken, um den DJ von der Bühne wegzubringen. Bei Paul van Dyk war das zum Beispiel der Fall. Normalerweise finden die DJs das gar nicht so übel. Sonst werden sie von ihren Fans ja richtig abgeschottet.

Und was wollen die weiblichen Fans?
Die meisten wollen einfach nur ein gemeinsames Foto mit ihrem Star oder ein Autogramm. Ob es noch weitergehende Angebote gibt, weiss ich nicht. Aber ich könnte mir schon vorstellen, dass da das eine oder andere Angebot angenommen wird.

Gibt es einen Moment, den Sie selbst nie vergessen werden?
Allerdings. Vor etwa vier Jahren konnten wir Armin van Buuren für einen Auftritt gewinnen. Wir haben ihn allerdings nicht namentlich angekündigt, sondern als Special Guest. Als dann am Abend auf der grossen Bühne sein Auftritt angekündigt wurde, schnellten Zehntausende Hände in die Luft und der ganze Platz jubelte. Das war ein grossartiger Moment. Da bekam ich regelrecht Gänsehaut. Aber die bekomme ich sowieso jedes Mal, wenn ich all die Leute sehe, die mit einem Lachen im Gesicht durch die Stadt tanzen. Das ist mein wahres Honorar. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.08.2011, 11:34 Uhr

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20 Kommentare

Max Wegmann

11.08.2011, 12:24 Uhr
Melden 28 Empfehlung

Die Streetparade ist ein fantastisches Aushängeschild für Zürich. Niemand sollte das unterschätzen. In Italien, Holland, Deutschland etc etc werden wir gelobt für diesen Event. Antworten


Thomas Stäubli

11.08.2011, 13:05 Uhr
Melden 22 Empfehlung

Ich wünsche der Street Parade 2011 viel Sonne! Antworten



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