Ein Theater im Bahnhof Letten?

Die Stadt prüft Möglichkeiten für eine öffentliche Nutzung des ehemaligen Bahnhofgebäudes in Wipkingen. Versprochen ist aber noch nichts.

Soll für 3 bis 4 Millionen Franken umgebaut werden: Der kleine, denkmalgeschützte Bahnhof.

Soll für 3 bis 4 Millionen Franken umgebaut werden: Der kleine, denkmalgeschützte Bahnhof. Bild: Doris Fanconi

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Die Bahnlinie Zürich HB–Letten–Stadelhofen wurde 1989 stillgelegt, der Tunnel später aufgeschüttet und das Bahnhofgebäude an Private vermietet. Für 5,3 Millionen Franken kaufte die Stadt das Bahnhofareal später den SBB ab, um es als Naherholungsraum zu sichern. Durch das Lettenareal führt die beliebte Limmatpromenade zwischen Drahtschmidli und Wipkingerplatz; es grenzt überdies an das Ausgeh- und Badeparadies Oberer Letten.

Jetzt will die Verwaltung wissen, ob und wie der kleine Ex-Bahnhof öffentlich genutzt werden könnte. Im kantonalen Amtsblatt ist eine Präqualifikation ausgeschrieben, mit der fünf Architektur-/Planerteams gesucht werden. Auftrag: «Umnutzung in Theater und Restaurant.» Ausführung: November 2012 bis Januar 2014.

Stadt braucht Entscheidungsgrundlagen

Der Vizedirektor der städtischen Liegenschaftenverwaltung, Jürg Keller, betont, dass noch nichts entschieden oder beschlossen sei. Eine private Nutzung des Bahnhofgebäudes an dieser beliebten und stark frequentierten Achse sei jedoch nicht adäquat. Deshalb brauche die Stadt Entscheidungsgrundlagen für eine allfällige geeignetere Nutzung: Was ist dort möglich und was kostet es? Angesichts der bescheidenen Ausmasse des Bahnhofgebäudes werde es ohnehin nur eine kleinformatige Nutzung sein – Kleingastronomie oder eben ein Kleintheater. Auf das Theater ist die Stadt durch eine Anfrage eines Kleintheaters gekommen; versprochen sei aber nichts, sagt Keller. Das Umbauvolumen wird auf 3 bis 4 Millionen Franken geschätzt.

Komplizierend für einen Umbau ist der Denkmalschutz, der auf dem Gebäude lastet. Der Bahnhof Letten an der Wasserwerkstrasse 93 wurde 1893/94 vom Bahnarchitekten Gustav Wülfke erbaut. Er gilt als wichtiger Zeuge «stadtzürcherischer Kleinbahnhof-Architektur der Jahrhundertwende».

Neben der künftigen Nutzung des Bahnhofgebäudes ist die Zukunft des ganzen Lettenareals offen. Die Stadt kaufte die knapp 8000 Quadratmeter auch deshalb, weil zwischen Wasserwerkstrasse und Limmatfussweg ein schmales Band Bauland liegt.

Wohnungen wären abgeschottet

Der Stadtrat beantragte dem Parlament den Kauf unter anderem mit dem Argument, es bestehe die Gefahr, dass Wohnungen gebaut würden, die dort ungeeignet wären. So würde privatisierter Aussenraum ohne Bezug zur Wegverbindung entstehen, allenfalls mit grossen Abschottungen zum Fussweg. «Eine reine Wohnnutzung im Bereich des Lettenareals wäre ein Fremdkörper in der langen Reihe der öffentlich genutzten Räume entlang der Limmat vom Hauptbahnhof bis zur Stadtgrenze.» So steht es in der Weisung an den Gemeinderat vom Jahr 2007. Dennoch schloss der Stadtrat eine Überbauung nicht aus. Eine spätere Nutzung soll diskutiert werden, wenn das EWZ das Kesselhaus vis-à-vis verlässt. Das Kesselhaus dient zurzeit als Lager und Werkstatt für die Wasserversorgung und das EWZ. Was mit diesem Raum geschehen soll, wird verwaltungsintern diskutiert. Bis ein Entscheid vorliegt, dürfte es aber dauern.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 07.03.2011, 20:52 Uhr)

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