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Ein neues Beziehungsdelikt am Zürcher Schauspielhaus

Ernst Jäggli, der neue kaufmännische Direktor des Schauspielhauses, kommt nicht allein nach Zürich. Er bringt seine Lebenspartnerin mit, die er zur Marketingleiterin macht.

Ernst Jäggli, designierter kaufmännischer Direktor des Zürcher Schauspielhauses. (Bild: TA)

Ernst Jäggli, designierter kaufmännischer Direktor des Zürcher Schauspielhauses. (Bild: TA)

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Zerschlagenes Geschirr, eine ausgeleerte Weinflasche, dazu die Frage: «Streit verpasst?» ­- mit der auf Plakaten und TV-Spots arrangierten Szene machte das Schauspielhaus Werbung für ihre Dauerkarten. Doch um Beziehungsdelikte zu erleben, braucht man sich kein ganzes Theaterstück anzuschauen. Es reicht ein genauer Blick auf die Personalpolitik des Zürcher Vorzeigetheaters. Auch hier spielen Beziehungen eine zentrale Rolle.

Jüngstes Beispiel ist die Besetzung der Stelle des Marketingleiters. Letzten Herbst hatte der damalige Leiter gekündigt, doch das Schauspielhaus verzichtete darauf, die Stelle auszuschreiben. Ernst Jäggli, ab August neuer kaufmännischer Direktor und in Rekrutierungsfragen bereits aktiv, hatte sich für ein Vorgehen entschieden, das ihm die Durchsicht der unzähligen Dossiers und die Bewerbungsgespräche ersparen würde: Er entschied sich für seine Lebenspartnerin, Bea König.

Kommunikative Fähigkeiten

Den Ausschlag für seine Partnerin, sagt der 44-jährige Jäggli gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnetz, hätten drei Faktoren geben: «Fachkompetenz, Vertrauen und ihre kommunikativen Fähigkeiten.» In ihrer neuen Funktion ist sie für Werbung, Internet und Sponsorenpflege verantwortlich; unterstellt sind ihr auch das Kassenteam, das Foyerpersonal sowie das Eventmanagement für den Schiffbau. Bea König, ausgebildete Kulturmanagerin, arbeitet seit sechs Jahren als Kommunikationsverantwortliche im Theater Winterthur. Jäggli führt das Theater seit 2001. Bei dieser, laut Jäggli «sehr bewährten Zusammenarbeit», sind die beiden ein Paar geworden.

Das Vorgehen, sagt Jäggli, war mit Barbara Frey abgesprochen, die ebenfalls im August ihre Stelle als neue Schauspielhausdirektorin antreten wird. Verwaltungsratspräsident Bruno Bonati wurde über die Anstellung der neuen Marketingleiterin informiert, kommentieren will er sie aber nicht. Dass Jäggli gemeinsam mit seiner Partnerin nach Zürich komme, sei bei dessen Wahl allerdings kein Thema gewesen, sagt Bonati. «Jäggli ist ohne irgendwelche Bedingungen angestellt worden.»

Ein sehr emotionaler Betrieb

Persönliche Verbindungen seien im Theater normal, sagt Jäggli. Ein Theaterdirektor bringe seine eigenen Leute mit, Regisseur, Dramaturgen, die Schauspieler. «Ein Theater ist ein sehr emotionaler, menschlicher Betrieb, das ist in der Administration nicht anders.» Da brauche es grosses Vertrauen in die Teammitglieder. Diesen Grundsatz hat bereits der jetzige Theaterdirektor beherzigt: Matthias Hartmanns Ehefrau hat in Zürich ein Stück inszeniert, seine Schwester hat er als Leiterin des Kindertheaters (Junges Schauspielhaus) eingesetzt.

Diese Harmonie zwischen Verwaltung und künstlerischer Leitung ist im Schauspielhaus ungewohnt. In der Vergangenheit waren Spannungen die Regel. Jägglis Vorgänger, Marc Baumann, hatte sich dem Matthias Hartmann während des Arbeitskonfliktes des technischen Personals zerstritten. «Solche Gegensätze wollen wir überwinden», sagt Jäggli.

Jäggli arbeitet bereits seit Oktober 2008, kurz nach seiner Wahl zum neuen kaufmännischen Leiter, intensiv für das Schauspielhaus. Zwei bis dreimal die Woche ist er in Zürich und schätzt sein Pensum auf 20 bis 30 Prozent. Ende April wird Jäggli beim Verwaltungsrat das Budget für die neue Saison beantragen. Auch seine Partnerin tritt die Stelle nicht erst im August an, sie nimmt schon im Mai ein Teilzeitpensum auf. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.03.2009, 17:22 Uhr

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20 Kommentare

Pascal Bassu

26.03.2009, 07:10 Uhr
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Ich frage mich nur, für was braucht es dann noch einen Verwaltungsrat? Wird ja sowieso sämtliches Personal darunter ausgewechselt. Wo will der VR noch Einfluss nehmen innerhalb dieses Klüngels? Antworten


sandro gasser

24.03.2009, 12:11 Uhr
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tja, es menschelt halt überall. soweit ok, wenn nicht die leistung oder der auftrag nicht darunter leidet. und dem steuerzahler keine mehrkosten entstehen. tendenziell ist es jedoch nicht unproblematisch. ketzerische frage: hat corine mauch für ihre lebenspartnerin auch schon ein jöbli im auge? es wäre also eine strikte, kontrolle für staatliche/stadtliche mauchscheleien nötig. Antworten


sepp berger

24.03.2009, 10:18 Uhr
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so läufts doch überall, in den verwaltungen, den banken, den hochschulen. und keiner der involvierten schimpft darüber, weil er in zukunft davon ausgeschlossen würde, von dieser vetterli-wirtschaft. leiden tut zuallererst mal die qualität der arbeit darunter. Antworten


Hans Waldmann

24.03.2009, 10:14 Uhr
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und die gleichen Leute machen dann schaurig sozialkritisches Kasperlitheater, wo man gerne mal den Banken- Militär- Zünftler-PR-Medien-Filz auf die Schippe nimmt. Gähn, schnarchl, gute Nacht. Wo kann ich meine Steuern auf ein Sperrkonto einzahlen? Antworten


Bernhard Kobel

24.03.2009, 09:52 Uhr
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Wieso sind Kulturbetriebe praktisch nicht führbar? Genau wegen solchen Beziehungsdelikten: Da werden unter dem Deckmantel von "Emotionen" und "man kennt sich" hemmungslos Stellen und Posten verschachert. Kein Wunder, wenn irgendeinmal der Steuerzahler nicht mehr bereit ist, dies alles zu bezahlen. Antworten


Franz Klammer

24.03.2009, 09:23 Uhr
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Habe so meine Bedenken. Aber der Fehler liegt bei der Direktion, resp. dem Vorstand und der Stadt. Solange Diese solch zustände tolerieren wird sich nichts bessern. Aber eben in der Realwirtschaft geht bei der VR Rochade auch nur alles über beziehungen. Das einsehen hat nur der normale Büezer der von allen über den Tisch gezogen wird. Antworten


jos schmid

24.03.2009, 09:05 Uhr
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es ist im theater so, dass die leitungen regelmässig rotieren. das ist notwendig, weil sich das theater sonst nicht erneuert. aufgrund des vielen umziehens sind beziehungen schwierig und unstet. die möglichkeit eine/n partner in eine neue stadt mitzunehmen ist für theaterschaffende ein glücksfall. wie kann man sich nur darüber ereifern? alphatier an die arbeit und partner ins zuhause? Antworten


Christoph Keller

24.03.2009, 09:03 Uhr
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Was bei einem bürgerlichen oder privatwirtschaftlichen Unternehmen/Verband sofort eine riesengrosser Skandal wäre, ist bei linksgrünen Kulturschaffenden/Verbänden normal und üblich. Seit Jahrzehnten. Die Presse deckt üblicherweise alles zu. Antworten


Hannes Weiler

24.03.2009, 09:01 Uhr
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Dieser Beziehungsfilz ist schon fast die Norm. Wenn privat geführte Unternehmen ein solches Affentheater aufführen, so kann man darüber lächeln, denn es sind private Gelder. Wenn aber das mit Steuergeldern subventionierte Theater solche Eskapaden aufführt, so geht das überhaupt nicht! Bevorteilung mit Steuergeldern ist Korruption, und unsere subventionierten Theater sind hochgradig korrupt! Leider Antworten


Italo Ponzo

24.03.2009, 08:49 Uhr
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@ Ernst J. Siegert: Wenn beide Besitzer eines Unternehmens sind oder wenn beide keine Kontrolle über Budgets und wenig Entscheidungskompetenzen haben, dann ist es i.O. wenn Lebenspartner zusammen arbeiten. Aber im Fall vom Schauspielhaus ist es schlimmer als bei SBG, Swissair und dem "Filz" der Privatwirtschaft. Bei der Swissair waren Personen der gleichen Familie nie in höheren Positionen... Antworten


tomas Pecak

23.03.2009, 22:41 Uhr
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Leider Gottes habens nix glernt - die Mitarbeiter können ein Liedchen singen. Ein traurig versagendes Management, inkompetent und stur. Da kann man nur auf gute Marketingleistungen hoffen... Antworten


Didier Ludwig

23.03.2009, 21:53 Uhr
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Interessant zu erfahren, dass Kulturschaffende einen Personalentscheid als "emotional" und "menschlich" anpreisen, welcher in der übrigen Wirtschaftswelt ganz profan als "Filz", "Vetterliwirtschaft" oder "Häfeli-und-Techeli-Politik" durchginge. Antworten


Tobias Lienhard

23.03.2009, 18:53 Uhr
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Ich weiss nicht, was Ihr habt? Die Parterin ist doch wie ein Teil von einem, da wäre es nicht normal, sie nicht zu bevorzugen. Die Frage ist, ob man das Einverständnis des Unternehmens hat. Das ist noch nicht einmal Vetterliwirtschaft, und auch diese wird es immer geben, auch die ist in gewissem Masse natürlich. Antworten


Patrick Leu

23.03.2009, 18:22 Uhr
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Wenn man dies in der eigenen Firma macht, ist das ja ok, aber bitte nicht in einer "öffentlichen Institution". Selten hat die Kompetenz einer Person eine Rolle gespielt, wenn Vitamin B im Spiel war. Ganz schwache Kommunikation, wenn man das Umfeld auf diese schon fast herablassende Art hinters Licht führen will. Antworten


Bruno Winkelmann

23.03.2009, 18:22 Uhr
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Die Qualifikation von Frau König steht gar nicht zur Diskussion - umso mehr jedoch die mangelnde Sensibilität von Herrn Jäggli. Ob das für die Zukunft ein gutes Omen ist? Antworten


Ernst J. Siegert

23.03.2009, 17:23 Uhr
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Ich kann nichts "ekelhaftes" daran erkennen, wenn zwei Menschen, die privat ein Paar sind, auch beruflich zusammen erfolgreich sind. Steckt da etwa Neid dahinter? Ich selbst arbeite seit 10 Jahren täglich erfolgreich und glücklich mit meiner Partnerin zusammen. Wie wär's mit ein bisschen weniger "'Bünzli"? Antworten


Rosa Weiss

23.03.2009, 16:50 Uhr
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Herr Jäggi sieht doch sehr vertrauenswürdig aus, wenn ich dem ganz tief in die Augen hineinschaue, dann sehe ich doch, dass alles in Ordung ist. Was haben denn all die Menschen für ein Problem? Antworten


Paula Heer

23.03.2009, 16:11 Uhr
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Tragisch dieser Filz und diese Begründung – fast schon eine Inszenierung. Ich kenne den Theaterbetrieb seit Jahren von innen. Nicht die fähigsten Leute werden auserkoren und gefördert, sondern wer es mit der Intendanz oder den Machtträgern gut hat oder gar mit dieser in einer Liebesbeziehung steckt. Und genau dieser Kulturleute halten der Wirtschaft Kumpanei vor. Lächerlich, diese Doppelbödigkeit. Antworten


Nick Schaefer

23.03.2009, 16:00 Uhr
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Als Kommunikationsverantwortlicher müsste man soviel Kommunikationsfähigkeit mitbbringen, dass man auch zu anderen Personen als seinem Lebenspartner Vertrauen aufbauen kann, und um die negativen Folgen von Nepotimus in der öffentlichen Verwaltung/Subventionsbetrieben weiss. Da dies die Dame und ihr Partner/kaufmännischer Leiter nicht mitbringen, darf man sich um deren Qualifikation Sorgen machen Antworten


Ernst Blarer

23.03.2009, 15:55 Uhr
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Kein Wunder bei dem Filz in der Theaterszene. Fehlt nur noch, das Giacobbo oder Müller irgendwie auch noch die Finger drin haben. Antworten



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