Ein neues Beziehungsdelikt am Zürcher Schauspielhaus
Von Thomas Schenk. Aktualisiert am 23.03.2009 20 Kommentare
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Zerschlagenes Geschirr, eine ausgeleerte Weinflasche, dazu die Frage: «Streit verpasst?» Â- mit der auf Plakaten und TV-Spots arrangierten Szene machte das Schauspielhaus Werbung für ihre Dauerkarten. Doch um Beziehungsdelikte zu erleben, braucht man sich kein ganzes Theaterstück anzuschauen. Es reicht ein genauer Blick auf die Personalpolitik des Zürcher Vorzeigetheaters. Auch hier spielen Beziehungen eine zentrale Rolle.
Jüngstes Beispiel ist die Besetzung der Stelle des Marketingleiters. Letzten Herbst hatte der damalige Leiter gekündigt, doch das Schauspielhaus verzichtete darauf, die Stelle auszuschreiben. Ernst Jäggli, ab August neuer kaufmännischer Direktor und in Rekrutierungsfragen bereits aktiv, hatte sich für ein Vorgehen entschieden, das ihm die Durchsicht der unzähligen Dossiers und die Bewerbungsgespräche ersparen würde: Er entschied sich für seine Lebenspartnerin, Bea König.
Kommunikative Fähigkeiten
Den Ausschlag für seine Partnerin, sagt der 44-jährige Jäggli gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnetz, hätten drei Faktoren geben: «Fachkompetenz, Vertrauen und ihre kommunikativen Fähigkeiten.» In ihrer neuen Funktion ist sie für Werbung, Internet und Sponsorenpflege verantwortlich; unterstellt sind ihr auch das Kassenteam, das Foyerpersonal sowie das Eventmanagement für den Schiffbau. Bea König, ausgebildete Kulturmanagerin, arbeitet seit sechs Jahren als Kommunikationsverantwortliche im Theater Winterthur. Jäggli führt das Theater seit 2001. Bei dieser, laut Jäggli «sehr bewährten Zusammenarbeit», sind die beiden ein Paar geworden.
Das Vorgehen, sagt Jäggli, war mit Barbara Frey abgesprochen, die ebenfalls im August ihre Stelle als neue Schauspielhausdirektorin antreten wird. Verwaltungsratspräsident Bruno Bonati wurde über die Anstellung der neuen Marketingleiterin informiert, kommentieren will er sie aber nicht. Dass Jäggli gemeinsam mit seiner Partnerin nach Zürich komme, sei bei dessen Wahl allerdings kein Thema gewesen, sagt Bonati. «Jäggli ist ohne irgendwelche Bedingungen angestellt worden.»
Ein sehr emotionaler Betrieb
Persönliche Verbindungen seien im Theater normal, sagt Jäggli. Ein Theaterdirektor bringe seine eigenen Leute mit, Regisseur, Dramaturgen, die Schauspieler. «Ein Theater ist ein sehr emotionaler, menschlicher Betrieb, das ist in der Administration nicht anders.» Da brauche es grosses Vertrauen in die Teammitglieder. Diesen Grundsatz hat bereits der jetzige Theaterdirektor beherzigt: Matthias Hartmanns Ehefrau hat in Zürich ein Stück inszeniert, seine Schwester hat er als Leiterin des Kindertheaters (Junges Schauspielhaus) eingesetzt.
Diese Harmonie zwischen Verwaltung und künstlerischer Leitung ist im Schauspielhaus ungewohnt. In der Vergangenheit waren Spannungen die Regel. Jägglis Vorgänger, Marc Baumann, hatte sich dem Matthias Hartmann während des Arbeitskonfliktes des technischen Personals zerstritten. «Solche Gegensätze wollen wir überwinden», sagt Jäggli.
Jäggli arbeitet bereits seit Oktober 2008, kurz nach seiner Wahl zum neuen kaufmännischen Leiter, intensiv für das Schauspielhaus. Zwei bis dreimal die Woche ist er in Zürich und schätzt sein Pensum auf 20 bis 30 Prozent. Ende April wird Jäggli beim Verwaltungsrat das Budget für die neue Saison beantragen. Auch seine Partnerin tritt die Stelle nicht erst im August an, sie nimmt schon im Mai ein Teilzeitpensum auf. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 23.03.2009, 17:22 Uhr
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20 Kommentare
Als Kommunikationsverantwortlicher müsste man soviel Kommunikationsfähigkeit mitbbringen, dass man auch zu anderen Personen als seinem Lebenspartner Vertrauen aufbauen kann, und um die negativen Folgen von Nepotimus in der öffentlichen Verwaltung/Subventionsbetrieben weiss. Da dies die Dame und ihr Partner/kaufmännischer Leiter nicht mitbringen, darf man sich um deren Qualifikation Sorgen machen Antworten


































