Zürich
Ein schlechtes Feindbild ausgesucht
Von Christoph Landolt. Aktualisiert am 01.11.2010 10 Kommentare
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Früher, das gibt Werner Hofmann gerne zu, hätte er vielleicht anders reagiert. Früher, das war vor dem 27. Januar 2010, als der Unternehmer in Buchs von fünf Kugeln niedergestreckt wurde. Der Schütze war sein Angestellter, der sich danach selbst richtete. Hofmann rang während Wochen um sein Leben. Dass er überlebte, verdankt der 59-Jährige seiner Assistentin, die ihn unablässig zum Atmen aufforderte. Dass er neun Monate später wieder «super zwäg, voller Energie und ohne psychische Probleme» ist, dafür sind für Hofmann seine Frau, seine beiden Kinder und sein Freundeskreis verantwortlich.
Anders als vor den Schüssen sieht sich der ehemalige Grenadier jedoch nicht mehr als Haudegen. «Heute rede ich lieber. Mit ‹Schnurre› erreicht man mehr.» Mit Nichts als Worten ist Hofmann am Samstag denn auch den Besetzern des ehemaligen Hotels Atlantis gegenübergetreten. Gerade eine Woche ist es her, seit der Unternehmer die leerstehende Liegenschaft per Handschlag gemietet hatte. Was die Besetzer nicht wussten: Hofmann ist nicht der Immobilienhai, der das Hotel in teure Eigentumswohnungswohnungen verwandeln will.
Der Mann, den die Maskierten vor sich hatten, hat andere Pläne. Statt «Freiräume» für Autonome soll Wohnraum für Studenten entstehen. Die 150 Zimmer werden frisch gestrichen, mit neuen Teppichen versehen und für 400 Franken pro Monat vermietet. Bereits am 1. Dezember sollen die Studenten einziehen. Am Donnerstag beginnt die Pinselrenovation, deshalb müssen die Besetzer spätestens übermorgen Mittwoch raus.
Verständnis für Besetzer
Groll, dass die Besetzer in sein Haus eingedrungen sind und auf seine Kosten leben, hegt Werner Hofmann nicht. «Die haben auf ihr Anliegen aufmerksam gemacht, das verstehe ich.» Eine Zwangsräumung soll es nicht geben, stattdessen bietet Hofmann den Besetzern Jobs an. «Wenn das rechtzeitig fertig sein soll, brauchen wir viele Hände.»
Hofmann wäre gar bereit, das Projekt an die Besetzer zu übergeben. Wenn sie ihm einen vernünftigen Businessplan präsentierten, könnten sie die Studentenzimmer auch selbst betreiben. «Aber das gibts nicht zum Nulltarif.» Inklusive Nebenkosten beträgt die Miete für das Atlantis rund 45'000 Franken. Im schlimmsten Fall verloche man mit diesem Projekt eine Million, schätzt Hofmann. «Ich könnte das verschmerzen.» Doch der Unternehmer ist überzeugt, dass die Nachfrage nach solchen Räumen da ist. Nur schon aufgrund der Medienberichte hätten sich etwa ein Dutzend Interessenten gemeldet.
Anpackender Unternehmer
Wenn alles gut gehe, schaue beim Atlantis-Projekt eine schwarze Null heraus, meint Hofmann. «Damit wird man sicher nicht reich, aber darum gehts mir auch nicht.» Hofmann, der seit 36 Jahren mit Leib und Seele Unternehmer ist, will beweisen, «dass es uns gelingt, etwas auf die Beine zu stellen – ganz im Gegensatz zu den Politikern.»
Obwohl er Mitglieder der SVP ist, hat sich Werner Hofmann nie in ein Amt wählen lassen. «Statt in den Gemeinderat zu gehen, habe ich die Vormundschaft für zwei Kinder übernommen.» Damit habe er konkret helfen können. Hofmann würde es wieder tun, genauso, wie er als 24-Jähriger wieder ein Sanitärgeschäft mit sechs Angestellten übernehmen würde. Mit seiner zweiten Firma, die in der Immobilienbranche tätig ist, will der Unternehmer nach dem Atlantis noch weitere schwierige Projekte zum Erfolg führen. «Mich interessiert nicht der aufgelegte Match. Man muss auch mit schlechten Karten jassen können.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 01.11.2010, 13:15 Uhr
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10 Kommentare
Der Arbeitsmarkt steht jedem Menschen ohne und die Bank jedem Menschen mit Businessplan offen, soviel zu seiner Menschenfreundlichkeit, das sind die üblichen Angebote um ausgenützt zu werden. Der Mann ist sowieso nicht befugt zuzuschlagen, das besorgen seine Kollegen von der Räumungspolizei und wetten der Herr Menschenfreund wird nicht auf eine Zwangsräumung verzichten, rausquatschen geht nicht. Antworten
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