Ein vergängliches Mandala an teurer Einkaufsmeile
Von Daniel Zumoberhaus. Aktualisiert am 17.03.2009
Ein tibetischer Mönch streut bei der Pestalozzi-Wiese sein Mandala. (Bild: Nicola Pitaro)
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Zum 50. Mal jährte sich gestern der Tag der Flucht des Dalai Lama vor der chinesischen Besatzung ins indische Exil. Seitdem residiert das geistige Oberhaupt Tibets in Dharamsala. Um an seine unfreiwillige Ausreise zu erinnern, organisierte die tibetische Frauenorganisation Schweiz gestern tagsüber eine Standaktion bei der Pestalozzi-Wiese an der Bahnhofstrasse.
Ein in die Kunst des Mandalas eingeweihter Mönch – aus dem Thurgau angereist – skizzierte ab 10.30 Uhr das Mandala des Mitgefühls «Chenrezig» auf eine 1 x 1 Meter grosse Holzplatte, das er anschliessend mittels zweier trichterförmiger Metallbehälter mit verschiedenfarbigem Sand füllte. Tibetische Frauen in traditioneller Tracht verteilten Flugzettel an die Passanten. Das Wort Mandala bedeutet so viel wie Kreis und bezeichnet ein symbolisches Gebilde mit einem Zentrum. Es ist eine Art Andachtsbild im tibetischen Buddhismus.
Symbol der Vergänglichkeit
Am frühen Abend kehrte der Mönch mit seiner Gefolgschaft das Mandala zusammen, um den Sand als Symbol der Vergänglichkeit in die Limmat zu streuen, während die bunte Schar fortwährend Mantras rezitierte. Anschliessend zogen die tibetischen Frauen und ihre Symphatisanten in einem friedlichen Umzug via Werdmühleplatz an den Bürkliplatz. Dort hielten eine Mönchsgemeinschaft und Dechen Emchi, die Präsidentin der tibetischen Frauenorganisation Schweiz, eine Ansprache. Der Marsch führte anschliessend weiter zum Generalkonsulat der Volksrepublik China an die Bellariastrasse in der Enge, wo die Aktivisten auf dem Trottoir wieder Gebete rezitierten.
Situation hat sich verschärft
Die tibetische Frauenorganisation habe mit dieser Aktion auf den mittleren Weg, den Weg der Gewaltlosigkeit, aufmerksam machen wollen, sagte Dechen Emchi. Und mit dem symbolträchtigen Akt des Sandverstreuens in den Fluss habe man dazu beitragen wollen, dass alle Wesen dieser Erde Mitgefühl und Segen erreichen.
Die seit 1969 in Zürich lebende Emchi führt im Seefeld eine Massagepraxis und hatte mehrmals persönlichen Kontakt mit dem 14. Dalai Lama. Sie reist regelmässig in ihre Heimat, wo ihr Vater in Osttibet ein Spital aufgebaut hat. Die Menschenrechtssituation in Tibet habe sich in den vergangenen Monaten weiter verschärft, sagt sie. Viele Tibeter hätten Hausarrest. Wer in Lhasa sei, könne nicht in den Osten des Landes und umgekehrt. Die Tibeter wehren sich seit 1959 gegen die völkerrechtswidrige Besetzung ihres Landes und gegen Menschenrechtsverletzungen. Über 1,2 Millionen Tibeterinnen und Tibeter sind nach Schätzungen tibetischer Organisationen seither dem chinesischen Regime zum Opfer gefallen.
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Erstellt: 17.03.2009, 20:21 Uhr


































